Aufsatz 
Ist Maria Stuart des Gattenmordes schuldig?
Entstehung
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lebte eine Zeitlang in tiefſter Zurückgezogenheit und Trauer. Ihre Gefundheit war durch die erſchütternden Ereigniffe der jüngſten Zeit aufs äußerſte angegriffen, und ſie ſelbſt erzählt, daß ſie infolge der wiederholten Verſchwörungen und Blutthaten geiſtig und körperlich gebrochen war. Gerade dieſen Umſtand darf man bei der Beurteilung von Marias ſpäterer Handlungs- weiſe nicht außer acht lafſen.

Maria hatte ſofort am Tag nach dem Mord in einer Miniſterſitzung 2000 L. und eine Belohnung an Land als Preis für die Entdeckung der Mörder feſtgeſetzt. Bei dieſer wichtigen Sitzung erſtaunte ſie ſich über die Gleichgültigkeit ihrer erſten Räte, die einander anfahen wie Menſchen, die nicht wifſen, was ſie ſagen oder thun ſollen. Die Veröffentlichung dieſes Be- ſchluſfes aber hatte gar keinen Erfolg. Die Königin wandte ſich mit der Bitte um Rat und Hülfe an ihren Halbbruder Murray, allein vergebens. Murray erſchien mehrere Wochen lang überhaupt nicht am Hof. Dieſe Lage der Königin war ihren eignen Unterthanen und dem Ausland gegenüber beſchämend, ja verzweifelt. Die Nichtentdeckung der Mörder mußte Ver- dacht erwecken. Endlich jedoch ſchien ſich das Dunkel zu lichten. Der Graf von Lennox, Marias Schwiegervater, erhob gegen Bothwell die Anklage des Mordes. Allein als dieſer vor Gericht geſtellt wurde, ſprachen ihn ſeine Richter frei, und das Parlament beſtätigte dieſen Richterſpruch. Die frühere Geſchichtſchreibung hat gerade dieſe Umſtände der Königin zum Vorwurf gemacht und darin einen Beweis ihrer Schuld erblickt. Für eine oberflächliche Beur- teilung lag dies allerdings fehr nahe. In Wirklichkeit aber konnten weder die Bemühungen der Königin nach Entdeckung der Mörder noch Unterfuchungen gegen angebliche oder wirkliche Königsmörder irgend welchen Erfolg haben, da ſowohl die Miniſter als die höchſten Gerichts- perſonen ohne Ausnahme in den Mord verwickelt waren. Murray war Mitglied des königlichen Rates, Huntly war Kanazler, Argyle Juſtizminiſter, Maitland Staatsſekretär, J. Balfour gehörte eben- falls zum Juſtizminiſterium. Daß dieſe ihre Mitſchuldigen freiſprachen, war ſelbſtverſtändlich.

Mit der Ermordung des Königs war die Reihe der Verſchwörungen noch keineswegs be- endigt. Die Partei Murrays hatte den ehemaligen Gegnern Bothwell und Huntly den Lohn für die Teilnahme am Königsmord noch nicht ausgezahlt. Dies geſchah erſt im Aprilparlament des Jahres 1567. Gemäß den Abmachungen von Craigmillar erhielt Huntly von Murray und Maitland die verſprochenen Güter ſowie alle früheren Amter. Das Kleeblatt Murray, Morton und Maitland entſchädigte ſich durch Kirchengut. Faſt leer bei den öffentlichen Sitzungen des Parlamentes ging Bothwell aus. Was man ihm verſprochen, war ſo unerhört, daß es dem Parlament nicht unvorbereitet vorgelegt werden konnte. Es war das Geheimnis der Partei- häupter. Die wichtigſten Mitglieder der zwei Parteien mußten erſt für die Sache gewonnen werden. Die Gelegenheit hierzu fand ſich bei einer Art Nachſitzung des Parlamentes, die in der Geſchichte Schottlands unter dem Namen Ainslies Supper bekannt iſt, weil dieſer Vorgang bei einem gemeinſamen Gelage in der Schenke eines gewillen Ainslie ſtattfand. Der verſammelte Adel ſchloß hier einen neuen Bond, worin die Wiederverheiratung der Königin als unumgäng- lich notwendig» verlangt wurde, damit die Gefahr der Vermählung Marias mit einem Fürſten des Auslandes ſogleich beſeitigt würde. zZur Durchführung des Beſchlufſes», lautete der Schluß diefes Aktenſtückes,«werden wir Gut und Blut opfern, ſo wahr uns Gott helfe bei unſerem Wort und Gewiſſen. Sollten wir aber das Gegenteil thun, ſo wollen wir für alle Zukunft niemals guten Ruf oder Anſehen genießen, ſondern für nichtswürdige, treuloſe Verräter gehalten werden.» Der Mann, der zur Heirat mit der Königin veranlaßt und gegen jedermann verteidigt werden ſollte, war Graf Bothwell. Die Verſchwörungsurkunde wurde von zehn Grafen, ſieben Biſchöfen und acht der mächtigſten Lords unterzeichnet. An der Spitze der Unterzeichneten prangten die Namen der Verſchwörer von Craigmillar.

Gleich am Tag nach dem Ainslie's Supper(20. April) machte Bothwell die Königin mit dem Wunſch des Adels bekannt. Maria Stuart aber wies ihn ab. Erſt daraufhin ſchritt Both- well einige Tage ſpäter zur Gewalt, indem er die Königin uud ihr Gefolge in der Nähe der Hauptſtadt mit 1000 Reitern überfiel und nach der Veſte Dunbar brachte. Hier wiederholte