Aufsatz 
Ist Maria Stuart des Gattenmordes schuldig?
Entstehung
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durch dieſe Thür ließ Bothwell von ſeinen Leuten das Pulver in den Keller ſchaffen, und an dieſer Stelle, dem ſogenannten Diebsweg, leitete er die Exploſion. Er war wührend dieler Zeit gar nicht in Kirk of Field, die hohe Stadtmauer trennte ihn von dieſem Ort. Dementſprechend flüchteten ſich ſeine Leute bei dem Knall durch den Diebs- und Pottorsweg nach dem Kuh- thor. Beide Wege lagen außerhalb Kirk of Fields und begleiteten die Stadtmauer in der Rich- tung von Süden nach Norden und in einem rechten Winkel nach Weſten bis zu dem ge- nannten Thor*). Der König ſelbſt aber war gar nicht durch die Exploſion umgekommen. Man fand ſeinen und ſeines Pagen Leichnam ohne jede äußere Verletzung in beträchtlicher Ent- fernung von dem Hauſe in einem benachbarten Garten. Schon aus diefem Umſtand folgt, daß die frühere Annahme, die Leichname ſeien durch die Exploſion ſo weit geſchleudert worden, ganz unhaltbar iſt. Es folgt aber weiterhin daraus, daß der König und ſein Page nicht von Bothwell, fondern von andern ermordet wurden.

Der Bond zu dem Verbrechen war von den Häuptern des Adels in Craigmillar abge- ſchloſfen worden. An der Ermordung ſelbſt nahmen nach Murrays eigner Ausſage etwa 40 Leute teil. Da es nun ganz genau feſtſteht, daß Graf Bothwell nur ſechs Genoſſen bei ſich hatte, braucht man kaum zu fragen, an welchen Stellen der Mordſtätte die übrigen 33 ihre Rolle ſpielten. Bothwell war außerhalb Kirk of Fields in dem Diebsweg, der Relt der Königsmörder hatte das Haus von der Innenſeite, alſo in Kirk of Field felbſt, umſtellt. Unter diefen waren nachweislich die Grafen von Huntly und Argyle, der Staatsſekretär Maitland mit feinem Bruder, James Balfour und der Hauseigentümer, ſein Bruder Robert, und ein gewiſfer Archibald Douglas. Die Namen der übrigen laſfen ſich aus den Depoſitionen der Gerichteten nicht feſtftellen. Es waren andere Edelleute, die ſich mit ihren Dienern an die Mordſtätte begeben hatten.

Was nun die Art der Ermordung anbetrifft, ſo ſcheint nach den vorliegenden Thatſachen nur die eine Annahme haltbar, daß der König und ſein Page erdroffelt wurden. Die Leich- name lagen in einem Nachbargarten; der des Königs war nur mit einem Hemd bekleidet, fein Pelzmantel und ſeine Pantoffel lagen in einiger Entfernung. Man darf alſo wohl annehmen, daß der König und ſein Diener in der Mordnacht verdächtige Laute hörten. Vielleicht hatten ſie auch durch Zufall die unheimlichen, zum Teil vermummten Geſtalten auf Kirk of Field herumhuſchen ſehen. Bei einem Fluchtverfuch liefen ſie den Mördern in die Hände, welche das Haus von der Stadt her umſtellt hielten. Für eine eilige Flucht ſpricht die Art der Be- kleidung, in welcher Darleys Leiche gefunden wurde. Daß der König Pelzmantel und Pantoffel verlor, konnte beim Laufen geſchehen ſein, es konnte aber auch die Folge jenes Kampfes lein, bei welchem die Flüchtenden erdroffelt wurden. Dies letztere iſt das Wahrſcheinlichſte, da die Leichname keine üußeren Verletzungen zeigten, und da Leute aus der Nachbarſchaft vor Gericht ausſagten, ſie hätten in jener Nacht das Angſtgeſchrei und die Hülferufe des Königs vernommen.

Darley war das Opfer der kalviniſtiſchen Adelspartei geworden. Der Mord war eine rein politiſche That, deren Urheber der Staatsſekretär Maitland und Graf Murray waren.

Die blutige That vom 9. Februar bildete jetzt ſelbſtverſtändlich das Tagesgeſprüch an den Höfen Europas; die diplomatiſchen Korreſpondenzen erzühlen davon, aber kein einziger der in jenen Wochen niedergeſchriebenen Berichte enthält etwas über ein Verhältnis der Königin und des Grafen Bothwell. Der engliſche Miniſter Cecil, der über die ſchottiſchen Angelegenheiten ſtets auf das genaueſte unterrichtet war, ſchrieb ſogar an dem Tag der Ermordung Darleys einen Bericht über Schottland, worin er ſich äußerſt lobend über das Verhalten und die Anordnungen Marias äußerte. Richtig iſt, daß man den Königsmord mit dem Tod Riccios in Zuſammen- hang brachte. Dieſe Vermutung lag für jeden Uneingeweihten ſehr nahe, da es bekannt war, daß diefer Günſtling der Königin auf Betreiben ihres Gatten getétet worden war.

Was an verbürgten Nachrichten über die perſönliche Haltung-Marias in den Monaten Februar und März vorhanden iſt, entſtammt zum Teil der Feder engliſcher Geſandten. Die Königin

*) Vergl. die Karte von Kirk of Field in dem I. Teil der Gießener Studien. 2*