druck verſchaffen. Im eignen und der Partei Intereſfe fuchten daher Murray und Maitland die früheren Gegner Bothwell und Huntly zu gewinnen. Zunächſt handelte es ſich um Wieder- herſtellung ihrer Partei, die durch die Verbannung der Ricciomörder bedeutend geſchwächt war. Bothwell und Huntly hatten indeſfen hieran nicht das mindeſte Intereſfe, und es konnten nur weitgehende Zugeſtändniſfe ſein, welche beide beſtimmten für Murrays Beſtrebungen einzutreten. Das Haupthindernis für die Begnadigung der Verbannten war der König ſelbſt. Dieſer fürchtete die Rache der Zurückgekehrten, und die ſchottiſchen Lords wußten ſehr wohl, daß die Rückſicht auf den Gatten gerade in dieſer Frage bei der Königin maßgebend war. Daher galt es Mittel zu finden, die fonſt ſo milde Herrſcherin von dieſem Hindernis zu befreien.
Als Maria Anfang Dezember 1566 ſich auf dem Schloß Craigmillar aufhielt, traten eines Morgens die vereinigten Parteihäupter unter Führung Murrays und Maitlands vor ſie und unterbreiteten ihr den Vorſchlag einer Eheſcheidung von Darley. Der Sprecher der Lords, der gewandte Maitland, wies auf die ſchweren unerträglichen Beleidigungen hin, die ihr der König angethan, und betonte, die Scheidung follte die Rechte des inzwiſchen geborenen Prinzen durchaus nicht beeinträchtigen. Sie würden zu allem Mittel finden, wenn die Königin die Verbannten zu begnadigen geruhe. Maria wies beide Vorſchläge zurück. Sie machte zwar kein Hehl daraus, daß das Benehmen ihres Gatten nicht tadellos ſei, allein ſie meinte, er könne ſich beſſern. Als Maitland hierauf erwiderte, Ihre Majeſtät ſolle ſie nur gewähren laffen, die Lords würden ſchon das Mittel finden, ſie von Darley zu befreien, erfchrak ſie heftig und beſchwor ſie, nichts zu unternehmen, was ihre Ehre und ihr Gewiſfen beunruhigen könne, ſie möchten ja zuſehen, daß ſie ihr nicht Schande und Nachteil brächten in der Abſicht, ihr zu dienen.
Allein die Verbündeten hatten bereits den Untergang des Königs beſchloſſen. Graf Huntly war durch das Verſprechen der Rückgabe aller ſeiner Güter und Amter gewonnen worden, die einſt bei dem Aufſftand ſeiner Familie an Murray und Maitland gefallen waren. Was die Verſchworenen damals mit Bothwell verhandelten, verſchweigt die hierüber vorliegende Denkſchrift, allein die nachfolgenden Ereigniſle geſtatten darüber nicht den leifeſten Zweifel, — es war nichts Geringeres als die Hand der Königin ſelbſt.
Graf Bothwell war der Partei Murrays verhaßt, weil er ſtets ein treuer Anhänger des alten Königtums war. Gerade ihm hatten Maria und ihre Mutter ſehr welſentliche Erfolge gegen die aufrühreriſche engliſch-kalviniſtiſche Partei zu verdanken. Daß ſich ein folcher Mann von ſeinen ehemaligen Feinden nur um einen ſehr hohen Preis gewinnen ließ, lag auf der Hand. Und Bothwell war thöricht genug, ſich zum Werkzeug ſeiner alten Gegner machen zu laffen. Gerade das, was man ihm jetzt und ſpäter vertragsmäßig zuſicherte, wurde zu ſeinem und der Königin Verderben benutzt.
Die Urheber und Leiter des neuen Unternehmens waren Murray und Maitland. Erſterer trat jedoch von jetzt ab zurück. Nach wohldurchdachtem Plan ſchob man Bothwell bei jeder Gelegenheit vor. Der Bond d. h. die Verſchwörungsurkunde, in welcher der Tod des jungen Narren und hochmütigen Tyrannen“» beſchloffen wurde, war von einem gewiſſen James Balfour aufgeſetat worden. Er trug die Unterſchriften der Grafen Bothwell, Huntly, Argyle und des Laird Maitland, aber nicht diejenige Murrays. Mitglieder der neuen Verſchwörung wurden ferner die Ricciomörder; allein der Punkt, der für ihren Beitritt am maßgebendſten war, ihre Begnadigung durch Beſeitigung des Königs zu erlangen, war bereits gefallen. Auf Bitten der verbündeten Lords und auf die Fürſprache des engliſchen und franzöſiſchen Gelandten hin war bei der Taufe des Prinzen eine allgemeine Amneſtie erlaffen worden. Als Mitglieder einer neuen Mordverſchwörung kamen die Verbannten im Januar 1567 in die Heimat zuräck, gerade noch frühe genug, um Zeuge oder Helfer bei der Ausführung einer neuen Blutthat zu ſein.
In dem Verhältnis der beiden Gatten war gerade um diele Zeit ein völliger Wandel ein- getreten. Der König hatte ſich in letzter Zeit vorwiegend in Glasgow bei feinem Vater, dem Grafen Lennox, aufgehalten. Hier wurde er im Dezember 1566 blatternkrank und war wochen- lang an das Bett gefeffelt. Die ſchwere Krankheit und die Einſamkeit übten auf ihn einen
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