Aufsatz 
Ist Maria Stuart des Gattenmordes schuldig?
Entstehung
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Verſchwörer auseinander und fuchten wie ehemals Murray als Verbannte Zuflucht in England. Die Begnadigung des Grafen Murray dagegen wurde aufrecht erhalten. Er nahm wieder ſeinen Sitz im königlichen Rat ein, aber neben ihm wurden begreiflicherweile die begünſtigt, die ſich in dem letzten Jahr als die treueſten Stützen des Königtums bewieſen hatten, Murrays alte Feinde, Bothwell und Huntly. Letzterer wurde Kanzler an Stelle des verbannten Morton, erſterer erhielt neben einigen Güterſchenkungen die einflußreiche Stellung eines Lieutenant- General der Südmarken. Von einem Verhältnis zwilchen der Königin und Bothwell aber findet ſich keine Spur. Im Gegenteil, Maria selbſt vermittelte gerade damals die Heirat Bothwells mit Jane Gordon, der Schweſter Huntlys. 1

Die früher in der Maria-Stuart-Forſchung vorherrſchende Richtung behauptete, seit der Er- mordung Riccios habe Maria auf ihren Gatten einen Haß geworfen, der mit deſfen Ermordung und der Bothwellheirat endete. Die Unverföhnlichkeit der Gattin und ihre heiße Liebe zu Bothwell bildeten die durchaus wahrſcheinlich lautende Erklärung für die ſeltlame Rolle, die Darley ſeit dem März 1566 ſpielte. Dies alles iſt eine erſt ſpäter entſtandene Sage, die das in unferer Zeit zum Teil erſt kritiſch durchforſchte und zum Teil erſt veröffentlichte Urkunden- material als völlig unhaltbar erweiſt.

Unverſöhnlichkeit war Marias Charakter fremd. Sie hat ihren ſchlimmſten Feinden, darunter ihrem Halbbruder Murray, Verſchwörung und Mord nach Kurzer Zeit ſtets wieder ver- ziehen. Richtig, aber ſehr begreiflich iſt, daß die Riccioverſchwörung eine tiefe Verſtimmung zwiſchen den beiden Gatten hervorrufen mußte. Andererſeits aber iſt es jetzt völlig klar er- wieſen, daß das eheliche Zerwürfnis ſchließlich mit einer Verſöhnung endigte, und daß die Urſachen zu Darleys Verhängnis lediglich in dieſem ſelbſt zu ſuchen find.

Der König war von allem Anfang an wegen ſeines herriſchen, anmaßenden Weſens un- beliebt. Seine Teilnahme an der Riccioverſchwörung hatte ihm überhaupt jeden Halt bei dem ſchottiſchen Adel entzogen. Marias Anhänger verachteten ihn als einen Verräter an ihrer und der Königin Sache. Sie ſagten ihm ins Geſicht, nur aus Rückſicht auf ſeine Gemahlin habe er von ihnen noch irgend welchen Gehorſam zu erwarten. Als einen noch ſchlimmeren Verräter betrachtete ihn die Partei Murrays. Der König trug die Schuld an dem Scheitern der letzten Verſchwörung. Sein Verrat hatte den Mördern Verbannung und Elend gebracht. So war Darley ein Gegenſtand der Verachtung für die königstreue Partei und ein Gegenſtand tödlichen Hafles für Murray und ſeinen Anhang. Dieſe Umſtände führten erſt zu einer Annäherung und dann zu einer gemeinſamen Verſchwörung der früher feindlich gegenüberſtehenden Parteihäupter. Die Verhältnifle geſtalteten ſich ſo, daß der Tod des Königs das gemeinſame Ziel beider Par- teien werden mußte.

Der König ſeinerſeits fürchtete die Rache der von ihm Verratenen, aber er that nichts, um ſeine Lage zu verbeflern. Den Adel reizte er durch Hochmut und Drohungen, und leine Gattin quälte er mit Vorwürfen über Zurückfetzung. Gegen Murray trug er ſich mit Mord- plänen, den Staatsfekretär Maitland klagte er, allerdings ohne Erfolg, des Hochverrats an. Er machte aus dieſer Feindſeligkeit nicht das geringſte Hehl und weigerte lich ſogar den Palaſt zu betreten, wenn Murray und Maitland oder andere hervorragende Adlige dort anweſend waren. Den Edelleuten, die Maria zu ſeinem Dienſt beſtimmt hatte, wies er die Thür, und doch be- ſchwerte er ſich, es warte ihm niemand auf, der Adel meide ihn. Daß der empfindliche ſchottiſche Adel gleiches mit gleichem vergalt, verſtand ſich von ſelbſt, und an einen größeren Anteil an den Regierungsgeſchäften, wie ihn der König wünſchte, war unter diefen Umſtänden nicht zu denken. Dies war ein Punkt, dem der Adel äußerſt abgeneigt war. Aber gerade in dieſer Beziehung hegten Murray und Maitland begründete Befürchtungen. Es war durchaus nicht ausgeſchloflen, daß Darley wieder zu Macht und Ehre kam. Der König war noch ſehr jung, und die Zeit konnte ihn klüger machen. Wurde aber das Einvernehmen zwiſchen den beiden Gatten wieder ganz hergeſtellt, und gelang es auch, die Anhänger der Krone mit dem König auszuſföhnen, dann konnte dieſer ſeinen Racheplänen gegen Murray und Maitland Nach-