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Das Inquiſitionsverfahren gegen die der Ketzerei verdächtigen Perſonen; der allen in romaniſcher Sprache geſchriebenen Buͤchern erklärte Krieg, be— ſchleunigte den Untergang der provenzaliſchen Litteratur. Lange Zeit noch blieb allerdings die provenzaliſche Sprache die des offiziellen Verkehrs; ja bei der Einverleibung der Provence in Frankreich(1486) behielten ſich die Stände aus⸗ drücklich das Recht vor, die Nationalſprache beizubehalten und in derſelben ihre Protokolle zu führen. Als aber der politiſche Schwerpunkt einmal von Aix und Toulouſe nach Paris verlegt war, fingen die Vornehmen bald an, franzöſiſche Sitten und Sprache anzunehmen und als vollends Franz I.(Ordonnance de Villers Coterets 1539) die Ausfertigung aller öffentlicher Akte in franzöſiſcher Trdch vorgeſchrieben hatte— blieb das Provenzaliſche vollkommen dem Volke überlaſſen.
ſa von nun an die Degeneration der Sprache einen raſchen und un— aufhaltſamen Verlauf nahm, braucht wohl nicht geſagt zu werden; zunächſt ging die Einheit verloren und die Sprache ſchied ſich in verſchiedene Dialekte, von denen ſich folgende ſechs bis auf unſere Zeit erhalten haben: die Sprache von Arles, von Marſeille, von Languedoc, von Gascogne, von Béarn und endlich das Catalaniſche. Weiter aber gingen noch zahlreiche Veränderungen mit der Sprache vor; eine der empfindlichſten iſt der Wegfall des s final, das im Alt- provenzaliſchen eine ſo wohlthuende Rolle ſpielt.(Au singulier l's final at-— taché à tous les substantifs masculins et à la plupart des substantifs féminins terminés autrement qu'en a, indiquait qu'ils étaient employés comme sujet; et l'absence de ds, qu'ils l'étaient comme régimes directs ou indirects. Raynouard, Résumé de la Grammaire Romane.) Wie dieſe charakteriſtiſche Eigenthümlichkeit, ſo gingen nach und nach noch viele andere ver— loren, und es ergaben ſich die ſonderbarſten Revolutionen in der Sprache, von denen wohl die eigenthümlichſte die iſt, daß die weibliche Endung a ſich in o verwandelte, dabei aber der weibliche Artikel la unverändert beibehalten wurde, ſo daß im heutigen Provenzaliſchen die Erde la terro ſtatt la terra heißt.
Nicht beſſer erging es dem Satzbau, indem die von Zeit zu Zeit auf⸗ tretenden Volksdichter ſchwankten zwiſchen dem modernen franzoͤſiſchen, und dem altnationalen Satzbau, bis nach und nach der erſte den Sieg davon trug, und die alte an Inverſionen und antiken Formen reiche Syntax vollkommen von der neueren, gewiß nicht ſchöneren, der Franzoſen, verdrängt wurde. Eine Eigen⸗ ſchaft hat ſich aber das Provenzaliſche gewahrt, es iſt die Proſodie, die Quanti⸗ tät der Sylben, welche heut zu Tage noch fortbeſteht wie zur Zeit der Trouba— dours und dem provenzaliſchen Vers eine weit größere rythmiſche Schönheit verleiht als die monotonen franzöſiſchen Verſe haben.
Daß unter ſolchen Umſtänden an eine bedeutende litterariſche Thätigkeit nicht zu denken war, iſt ſelbſtverſtändlich. Nichtsdeſtoweniger war der dich— teriſche Trieb der Provenzalen nicht erloſchen und abgeſehen von jenen, welche in den Reihen der franzöſiſchen Dichter zu finden ſind, gab es zu wiederholten Malen begabte Provenzalen, welche in der heimathlichen Sprache ſchrieben und dichteten. Daß dieſe Arbeiten der Beachtung nicht unwerth ſind, ſpricht ſchon der große Kenner romaniſcher Sprachen, Profeſſor Diez in Bonn, in ſeinem Vorwort zur Grammatik der romaniſchen Sprache(I. Aufl.) aus, indem er ſagt:„In Betreff der von mir behandelten ſechs Sprachen könnte man die „Frage erheben, mit welchem Rechte die veraltete provenzaliſche den übrigen zur


