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Um dieſe drei hervorragenden Geſtalten kann man ſämmtliche Troubadours ruppiren, und, wie ſehr auch der Eine und der Andere auf Originaliät An⸗ ſpruch machen kann, die drei Genannten ſind und bleiben die Typen jener ſanges⸗ reichen Zeit im ſchoͤnen Süden. Auffallend muß es erſcheinen, daß eine an wahren Dichtern ſo reiche oeſie nach einer Blüthe von zwei ahrhanderten beinahe plötzlich verſchwunden iſt. Die Gründe du einer ſo eigenthuͤmlichen Erſcheinung ſind mannigfach, dürften aber ſich wohl alle auf folgende fünf Hauptgründe zurückführen laſſen: er erſte Grund liegt unſtreitig in dem moraliſchen Verfall der Trouba⸗ dours ſelbſt, welche von Prieſtern der Muſen zu gemeinen Bänkelſängern, ja u niedrigen Muſikanten und Gauklern herabgeſunken waren. Es erxiſtirt ein jedenfalls vor 1264 verfaßtes größeres epiſches Fedicht in erovenfaliſcher Sprache „La Flamenca“, welches Raynouard in dem erſten Bande ſeines Lexique roman im Auszug mittheilt, und in welchem bei Gelegenheit der Beſchreibung eines von„Senhor Archimbautz“ dem Koͤnige von Frankreich gegebenen Feſtes, die Theilnahme der jongleurs(orſpränglicher Name der Troubadours) in folgender Weiſe beſchrieben wird:
Apres si levon li juglar; Dann ſtanden die Jongleurs auf; Cascus se volc faire auzir. ein jeder wollte ſich hören laſſen. Adonc auziras retentir Dann hättet ihr die Saiten von Cordas de manta tempradura. ſo mancher Melodie ertönen hören.
Es werden nun eine ganze Reihe von muſikaliſchen Inſtrumenten aufge⸗ führt, auf denen dieſelben ſich produziren; und nun fährt das Gedicht fort:
L'us fai lo juec dels banastelz, Der eine ſpielt das Korbſpiel, der L'autre jugava de coutelz; andere ſpielt mit den Meſſern, der L'us vai per sol e l'autre tomba; eine kriecht am Boden, der andere fällt, L'autre balet ab sa retomba; einer tanzt mit ſeinen Kapriolen, der L'us passet sercle, l'autre sail; eine ſpringt durch Reife, der andere Neguns à son mestier non fail. hüpft; keiner fehlt ſeinem Handwerk.
Nun folgen die Sänger, welche alle möglichen Stoffe von Priamus und der ſchönen Habenn bis zu Triſtan und Iſolde behandeln, zum Schluſſe aber „e la danza violeron“ zum Tanze aufgeigen.
So wurde dieſes früher ſo Hochodachlete Gewerbe allmälig für„infäme“ erklärt und deſſen Ausüber für„unehrlich“ gehalten.
Ein zweiter, wichtiger Grund des Verfalles der provenzaliſchen Poeſie iſt deſſen Eintönigkeit und ariſtokratiſche Abgeſchloſſenheit, welche dieſe Dichtung niemals volksthümlich werden ließ, und es verurſachte, daß ſie zugleich mit dem provenzaliſchen Adel unterging.
Direkt zerſtörend wirkten zwei weitere Umſtände; die blutige Verfolgung der Albigenſer, zu denen die meiſten Troubadours gehoͤrten, und das Erliſchen der provenzaliſchen Herrſcher⸗Familien, die ſtets die Beſchützer derſelben geweſen waren. Den letzten Stoß erhielt die Troubadour⸗Poeſie durch den Verſall der cours d'amour(Liebeshöfe), welche unter der rauhen Herrſchaft Karl I. von Anjou verſchwanden. Die Tribunale von Pierrefeu, Romanin, Aix und Avignon hörten auf, ihre ſentimentalen, darten Urtheile in Sachen der Liebe zu fällen, und vergebens verſuchte Johanna I. von Neapel die Troubadour⸗Poeſie durch die jeux floraux von Toulouſe wieder zu beleben. Die Zeit des gai saber war unwiderbringlich vorüber.
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