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falls von großem kulturhiſtoriſchem Intereſſe, die Wandlung in's Auge zu faſſen, welche die Dichtung der alten Troubadours erfahren hat. Es 1* ſich hieraus von ſelbſt die doppelte Aufgabe dieſer Studie, welche nach Betrachtung der — ſreadeadonnporſſe den Charakter der modernen provenzaliſchen Poeſie be⸗ andeln ſoll.
Die Dichtung der Troubadours iſt im vollſten Sinne des Wortes eine ritterliche. Die drei Elemente der geſammten ritterlichen Dichtung des Mittel⸗ alters: der Kultus der Frauen, die Suht nach Kämpfen und Abentheuern und endlich religiöſe Schwärmerei, die ſich nicht ſelten bis zur Begeiſterung erhebt— dieſe drei Elemente, finden ſich auch in der provenzaliſchen. Natürlich haben ſie aber eine beſondere, lokale Färbung, welche ſie von den übrigen gleichzeitigen Dichtungen unterſcheidet. Ganz beſonders mächtig war der Einfluß des Klimas; iſt ja doch das Volk dieſes Landes fröhlich, wenngleich heftig, leicht den Ein⸗ drücken des Augenblickes zugänglich und beſonders von entzündbarer, exaltirter Gemüthsart. Hiezu kömmt der ſchon in jenen Tagen dort vorhandene Wohl⸗ ſtand, der in Verbindung mit dem ſchönen, alle Früchte faſt ohne Mühe hervor⸗ bringenden Boden, die Muße und das materielle Glück allgemein machte, zugleich aber die Sitten verweichlichte und der ſtrengen Moral allmälig entfremdete. Dieſer Umſtand gab der provenzaliſchen Dichtung nur zu oft einen ſchlüpfrigen Ton, eine ſenſualiſtiſche Richtung, welche der urſprünglichen Tendenz der ritterlichen Liebesdichtung vollſtändig entgegen war, bei der die Ehrfurcht vor dem geliebten Gegenſtande die feurigſte Liebe mäßigte. Die kriegeriſche Dichtung der Proven⸗ zalen unterſcheidet ſich weniger von den ähnlichen Erzeugniſſen anderer Länder, obgleich ein charakteriſtiſcher Zug immerhin der iſt, daß der provenzaliſche Dichter⸗ Sänger in der Regel den kriegeriſchen Ruhm der Liebe opfert. An ſichtbarſten iſt aber der lokale Einfluß in dem religiöſen Theil der Dichtung, wobei man nicht vergeſſen darf, daß Provenze und Languedoc der Schauplatz der blutigen Albi⸗ Feulerelnürühen waren. Die Lehre der Albigenſer war vornehmlich gegen den
eichthum und die irdiſche Herrlichkeit der Kirche gerichtet und wurde namentlich von Papſt Innocenz III. heftig verfolgt, der gegen dieſelbe die Inquiſition auf⸗ ſtellte. Es wurde nun jener Kreuzzug gegen die Albigenſer gepredigt, in welchem der franzöſiſche Ritter Simon von Montfort eine ſo blutige Berühmtheit erlangte und deſſen Ausgang endlich die theilweiſe Beſitzergreifung des ſüdlichen Frank⸗ reichs durch Ludwig VIII. und Ludwig IX., den Heiligen(1229) war. In dieſer Zeit erhob ſich das Lied der Troubadours gegen die Mißbräuche der Kirche, welche ja ſelbſt von den Päpſten der Zeit anerkannt wurden, und es erhält dadurch die religiöſe Poeſie einen oppoſitionellen, ja oft einen ſcharf ſaty⸗ riſchen Charakter, den wir natürlich weder bei den nordfranzöſiſchen trouvdres, noch bei unſeren, der myſtiſchen Richtung ſo zugethanenen denſſchen Minneſängern finden. So war die Dichtung der Provenzalen eine ſehr verſchiedene, ohne daß aber die innere Verwandtſchaft, der gemeinſame Grundcharakter zu verkennen iſt.
... Facies non omnibus una, Nec diversa tamen, qualem decet esse sororum.
Da der eng begränzte Raum dieſer Studie keinen größeren Ueberblick über die geſammten Troubadours geſtattet, ſo ſollen nur drei hervorgehoben werden, welche als die Vertreter der drei ſoeben berührten Richtungen gelten können.
Der eigentliche Sänger der Liebe, der im Liebeswahnſinn tollſte unter den Troubadours, iſt Peter Vidal; er iſt der wahre Vertreter der exaltirten
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