Aufsatz 
Ein unächter Brief des Archimedes
Entstehung
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10.

finden, und ihm neben ſeiner allgemeinen Tendenz noch einen näheren beſtimmteren Ziel⸗ punkt zuzutheilen. Ich laſſe es auch dahin geſtellt ſein, ob außer Furcht vor freier Mei⸗ nungsäußerung, noch andere Motive den gelehrten Verfaſſer bewogen haben mögen, ſich gerade des Archimedes Maske aufzuzwängen. Sicher war auch in jener ſpäteſt möglichen Zeit der Abfaſſung des Briefes der leitende Gedanke deſſelben noch die Anſicht Weniger, hat aber ſeitdem an Terrain gewonnen, wenn anch noch nicht den Reiz der Neuheit ver⸗ loren. Sollte nun der Brief auch keinen antiquariſchen oder detailgeſchichtlichen Werth haben, ſo ſei er doch von dieſer Seite als wichtig für die Geſchichte eines Gedankens beſtens empfohlen.

Epistola(Fol. 61.)

Archimedis ad Regem Gelonem Albae Graecae Reperta. Anno Aerae Christianae 1688. Typographus Lectori Salutem.(Fol. 61. v.)

Videtur hoc fragmentum, quod forsan mirere nemini memoratum, transisse in Latinum sermonem vergente jam imperio et superante barbarie. Nolui tamen posteris invidere quidquam quod ab Archimede potuerit proficisci.

Quare habe tibi quicquid hocce scripti et Qualecunque; quod, o patroa virgo, Plus uno maneat perenne saeclo:

Archimedes(PFol. 62.) Geloni Regi Salutem.

Delectatum te dicis, Rex Gelo, demonstrationibus illis quas in Arenario nostro de Mundi Magnitudine nuper legisti, quaerisque cum tantum possit Geo-

Fol. 61. v. O patroa virgo; wer iſt darunter zu verſtehen?

Fol. 62. Geloni Regi. König heißt er als Königſohn und Mitregent(vgl. Fol. 66) ſeines Vaters, Hiero' II. LCetzteres ſcheint er nach Diodor. Sicul. XXVI. 15; Polyb. V. 88, 5, auch Livius XXIII. 30 geweſen zu ſein. Wir wiſſen nur wenig von ihm durch Liv. 23, 30; 24, 4 7; 11; 21 ff.; Polyb. VII. 8, 9; Pausanias VI. 12, 2 und VI. 15, 6. Was uns hier intereſſirt, iſt ſeine Parteinahme für die Römer. Sie brachte ihn ſogar, ſogleich nach der Schlacht bei Cannae, zum Abfall von ſeinem Vater(Liv. 23, 30), dem er ſonſt in kindlicher Liebe zugethan war(Polyb. VIII. 8, 9, wo Mehreres über ihn verloren). Sollte bei dieſer Parteinahme für die Römer ſeine Gemahlin von Einfluß geweſen ſein, Nereis, eine Tochter des berühmten Pyrrhus?(Pausan. VI. 12, 2; Polyb. VII. 4, 5). Von ihr hatte er zwei Kinder, beide ſcheint es um 232 geboren, den nachmaligen König Hieronymus (ermordet 215) und eine Tochter Harmonia, an den Syrakuſaner Themistus 216 oder 215 verheirathet. Gelo ſtarb 216, kurz vor ſeinem Vater Hiero II., den ſein plötzlicher Tod zwar von einer großen Sorge befreite, aber mit dem gewiß unbegründeten Verdacht befleckte, Antheil an ſeines Sohnes Tod zu haben.(Vgl. noch Gerlach, Eroberung von Syrakus, 1861, p. 19, und Droysen, Geſchichte des Hellenismus, 1836, II. 275.)