Aufsatz 
Einiges über die Bedeutung der Insecten im Haushalte der Natur
Entstehung
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an 80,000 Exemplare eines Borkenkäfers, und im Jahr 1783 wurden durch dieſen Käfer im Harzgebirge an 2 Millionen Stämme dürr.

Ueberall, wo pflanzenfreſſende Inſecten zum Schaden der Land⸗ und Forſtwirthſchaft in verheeren⸗ den Maſſen auftreten, iſt ihr mächtiger Einfluß auf die Pflanzenwelt leicht wahrnehmbar, ſchwieriger aber da, wo dieſe kleinen, anſcheinend ſchwachen Thierchen im Verborgenen arbeiten, und doch iſt er hier nicht minder mächtig. Millionen dieſer unbedeutenden Thierchen leben im Inneren der Pflanzen und zwar in allen Theilen derſelben von der Wurzel bis zum Samen der ausgebildeten Frucht, ſind wegen ihrer Klein⸗ heit und Verborgenheit für den Nicht⸗Eingeweiheten ſo gut als gar nicht vorhanden und kommen nur dem Inſectenkundigen zu Geſichte, der die mühevolle und zeitraubende Arbeit nicht ſcheut, ſie in ihren Verſtecken aufzuſuchen. So ſind z. B. die meiſten Käferlarven) Freunde der Dunkelheit, die bohrend und mini⸗ rend im Inneren der Pflanzen ihr Weſen treiben und dadurch mehr zur Pflanzenzerſtörung beitragen, als die ausgebildeten Käfer ſelbſt. Eine ganze Familie, die Rüſſelkäfer, die nach Lacordaire die größte

iſt, die es gibt, nicht nur in der Claſſe der Inſecten, ſondern im ganzen Thierreich Jekel ſchätzt die in den Sammlungen aufgeſpeicherten Arten auf 20 25,000, enthält faſt ohne Ausnahme Pflanzen⸗ freſſer, von denen ein großer Theil an ganz beſtimmte Pflanzen angewieſen iſt und deren fußloſen, blinden Larven von meiſt ſehr geringer Größe nur in Früchten oder in Stämmen und Stengeln oder in anderen Pflanzentheilen leben. Die Larven der Bockkäfer leben ebenfalls in den Stengeln und Wurzelſtöcken⸗ mancher Gewächſe und die Käfer und Larven der Blattkäfer oder Chryſomelen, zu denen auch die weitverbreiteten zahlloſen Erd⸗ und Blattflöhe gehören, nähren ſich von der Blattſubſtanz beſonders junger Pflanzen und Keimlinge und zerſtören dadurch jährlich viele Millionen zarter Pflänzchen. Dieſes Wenige aus der Ordnung der Käfer mag genügen, um darzuthun, welche hervorragende Stelle auch ſelbſt die kleinſten, im Verborgenen arbeitenden Kerfe als Glied in der Kette der Weſen einnehmen, indem ihnen die nicht geringe Aufgabe geworden, der zu ſtarken Vermehrung der Pflanzen als Gegengewicht zu dienen.

Ueberſchauen wir zum Schluſſe noch einmal das Ganze, ſo ergiebt ſich als Reſultat unſerer Betrach⸗

tung, daß der engſte Zuſammenhang und das innigſte Wechſelverhältniß zwiſchen Inſecten und der übri⸗ gen Thierwelt einerſeits, ſowie zwiſchen Inſecten und der Pflanzenwelt andrerſeits beſteht, und daß die wunderbare Ordnung und Harmonie, die uns bei tieferem Forſchen in dem großen Haushalte der Natur überall entgegentritt, durch das zahlloſe Heer dieſer kleinen aber rüſtigen Weſen ganz beſonders bedingt iſt.

*)Unſere Kenntniß von den Larven der Käfer iſt zur Zeit noch ſehr mangelhaft; denn nanmt man auch an, daß ſeit 1853, in welchem Jahre Chapuis und Candeze in ihrem Kataloge 681 Arten, als bis dahin überhaupt bekannt, aufführen, noch einelgleiche Anzahl dazugekommen wäre, was entſchieden nicht der Fall, ſo bleibt eine Menge von 1300 Arten in run⸗ der Summe noch gewaltig zurück hinter der der vollkommenen Inſecten, die man doch immer auf 80,000 ſchätzen darf. Taſchenberg.

Schulnachrichten.

I. Lehrerverfaſſung.

K. Realſchulvorſtand. Lehrercollegium. Die Mitglieder des Realſchulvorſtandes ſind: Herr Bürgermeiſter W. Remy, Vorſitzender, Herr Bierbrauer C. Bauſch, Herr Gerber C. Jüngſt, Herr Apotheker Dr. F. Rittershauſen, Herr Grubenbeſitzer Fr. D. Treupel.