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Pollen erhalten können, das dienende Inſect nicht Pollen von einer andern Art auf die Narbe bringe, hat ſein Meiſter es gewöhnlich nur auf eine einzige beſtimmte Pflanzenart angewieſen, wie dies z. B. mit der kleinen ſchwarzen Schnake auf der Oſterluzei der Fall iſt.“
Einen noch weit bedeutenderen Einfluß aber gewinnen die Inſecten dadurch, daß ſie der über⸗ mäßig wuchernden Pflanzenwelt die nöthigen Schranken ſetzen, wodurch das Gleich⸗ gewicht zwiſchen Thier⸗ und Pflanzenwelt aufrecht erhalten wird. Bedenkt man, welchen Reichthum an Pflanzenſamen ein einziger Sommer zur Reife bringt und wie günſtig die Bedingungen zur Keimung faſt überall ſind, ſo wird man ſich wundern, daß die Pflanzenvermehrung trotzdem nicht ins Unermeßliche geht. Freilich gelangt manches Samenkörnchen in den Magen körnerfreſſender Säugethiere und Vögel, freilich fällt manches auf ſteinigen Boden, auf Fels und Weg und unter die Dornen, freilich wird auch manches aufkeimende Pflänzchen von pflanzenfreſſenden Säugethieren verzehrt; allein weit mehr vermag in dieſer Beziehung das durch Gefräßigkeit und ſtarke Vermehrung ausgezeichnete, mit den ver⸗ ſchiedenſten Waffen zur Zerſtörung ausgerüſtete zahlloſe Heer pflanzenfreſſender Inſecten. Da iſt auch nicht ein Theilchen einer Pflanze, das nicht für Millionen dieſer kleinen Weſen willkommene Nah⸗ rung böte; Wurzeln, Mark, Holz, Baſt, Blüthen, Früchte und Samen, jeder dieſer Stoffe hat ſeine beſon⸗ deren Feinde oder Zerſtörer aus faſt jeder Ordnung der Inſecten, ja ſogar Giftpflanzen ſind vor ihnen nicht ſicher. Auf einigen Arten der Wolfsmilch(Euphorbia esula und cyparissias) lebt die Raupe von dem Wolfsmilchſchwärmer(Sphinx euphorbiae), auf dem ſehr giftigen Waſſerſchierling(Cicnta virosa) die Raupe von Liparis dispar und auf giftigen Schwämmen viele Käfer aus der Familie der Kurzflügler. Da iſt aber auch kaum eine Pflanzenart, auf die nicht eine ganz beſtimmte Inſectenſpecies mit ihrer Nah⸗ rung, ihrem Aufenthalte und ihrer ganzen Exiſtenz ausſchließlich angewieſen wäre. Es wird daher auch ſelten eine neue Culturpflanze eingeführt, mit der nicht zugleich auch die daran gebundenen Inſectenſpecies eingeſchleppt würden.„Die Inſecten hängen an den Ferſen ibrer Mutterpflanzen wie ihre Schatten“, ſagt Roßmäßler. So ſind ſchon einmal die berüchtigten Termiten in die Treibhäuſer von Schönbrunn verſchleppt worden und konnten nur dadurch wieder verdrängt werden, daß man im Winter die Räume ungeheizt ließ. Um ein Beiſpiel aus nächſter Nähe anzuſühren, erinnern wir nur an drei kleine Rüſſel⸗ käfer aus der Gattung der Samenkäfer(Bruchus granarius, rufimanus und pisi), die erſt ſeit etwas mehr als 100 Jahrm in Deutſchland bekannt ſind und aus Amerika eingeſchleppt wurden, deren bekannte Larven, die ſog. Erbſenwürmchen, ſich nur von Hülſenfrüchten, vorzugsweiſe aber von Erbſen nähren und in Oeſterreich ſo häuſig vorkommen, daß in Oberſchleſien der Verkauf ſolcher öſterreichiſchen Erbfen poli⸗ zeilich verboten werden mußte.
Bekannt iſt der Apfelblüthenſtecher(Anthonomus pomorum), ein 2“ langer Rüſſelkäfer, deſſen⸗ Larve die Staubgefäße der Apfelblüthen, auch wohl den zarten Fruchtknoten verzehrt und dadurch oft ganze Apfelernten vernichtet, in blüthenreichen Jahren aber in mäßiger Zahl ſogar nützlich werden kann, weil ſonſt die Bäume zu viele und deßhalb ſchlechte Früchte liefern würden. So bohren ſich die Maden der Zwiebelfliege(Anthomyia caeparum) tief in die Zwiebeln ein, wodurch dieſe trocken und gelb werden und wodurch oft ganze Zwiebelfelder zu Grunde gehen. Ebenſo gibt es aber auch wieder manche Pflanzenarten, auf die verſchiedene Inſecten zugleich mit ihrer Nahrung angewieſen ſind. Auf unſern Eichen z. B. leben etwa 200 Arten verſchiedene Inſecten und darunter etwa 30 ausſchließlich auf derſelben. Keine Holzart aber iſt mehr dem Fraß ſchädlicher Inſecten ausgeſetzt, als die gemeine Kiefer und die Nadelhölzer überhaupt. Wie verheerend die Kienraupe in Nadelholzwaldungen auftritt, wurde ſchon erwähnt; nicht minder verheerend wirken die bekannten Borkenkäfer(Bostrichus oder
Tomicus), von denen man jetzt 40 Europäer kennt. Nach Leunis fand man in einer mäßig großen Fichte 2


