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dann legt das Weibchen ſeine Eier daran oder hinein, und in 10—14 Tagen kriechen die Larven aus, die als gewaltige Freſſer das Aas bald aufgezehrt haben. Gleditſch hat ſeiner Zeit dieſe Käferbegräbniſſe lange und oft beobachtet und theilt mit, daß ihrer vier in 50 Tagen 2 Maulwürfe, 4 Fröſche, 3 kleine Vögel, 2 Grashüpfer, die Eingeweide eines Fiſches und 2 Stücke Rindsleber begruben. In ganz ähnli⸗ cher Weiſe verfahren die Miſt⸗ und Dungkäfer mit dem Miſte und zwar vorzugsweiſe dem der Huf⸗ ſäugethiere, indem ſie, jede friſche Bezugsquelle aus weiter Ferne witternd, herbeieilen, die Stelle unter⸗ miniren oder durchlöchern und hier ihre Eier abſetzen. Das Größte, was übrigens in der raſchen Beſei⸗ tigung des Aaſes geleiſtet werden kann, bringen die Aasfliegen, zu denen auch die bekannte Schmeiß⸗ fliege gehört, zu Stande, da ſie ſich, wie oben mitgetheilt, ſo raſch und ſo enorm ſtark vermehren, daß wenige Fliegen im heißen Sommer ein gefallenes Pferd in kürzeſter Zeit aufzehren können. Auch dürfen wir hier die Ameiſen nicht unerwähnt laſſen, denn ſie nehmen als Zerſtörer abgeſtorbener organiſcher Stoffe, beſonders in den Tropenländern, wo die Aaskäfer ſelten ſind, eine nicht unwichtige Stelle ein.*) Lund erzählt, daß ein von ihm in Braſilien geſchoſſener Vogel von Ameiſe zerriſſen worden ſei, ehe er Zeit gehabt habe, durch das Geſtrüpp zu ihm zu gelangen.
Da die engen Grenzen einer kurzen Abhandlung ein tieferes ingehen unmöglich machen, ſo bliebe uns noch übrig, den Einfluß der Inſecten auf die Pflanzenwelt einer kurzen Betrachtung zu unterziehen, der zuünächſt darin beſteht, daß viele Inſecten, namentlich Bienen„Hummeln und andere Aderflügler, auch manche Käfer, beſonders die Arten der Gattung Nitidula, ſowie Blaſenfüße(Thrips) zur Befruchtung gewiſſer Pflanzen beitragen, was zuerſt von K. Spengler im Jahre 1793 nachgewieſen wurde. Die ſich vom Honigſafte der Blumen nährenden Inſecten kriechen nämlich ins In⸗ nere der Blumenkrone, ſtreifen dabei durch ihren meiſt behaarten Körper den Pollen oder Blüthenſtaub der geöffneten Antheren oder Staubkölbchen ab und übertragen ihn ſo auf die feuchte Narbe einer andern Blume. Dieſe Art der Befruchtung der Inſecten iſt freilich meiſtens nur eine zufällige und kann oft eben ſo gut durch den Wind bewerkſtelligt werden, wie bei vielen ein⸗ und zweihauſigen Pflanzen; merkwürdi⸗ gerweiſe gibt es auch viele Pflanzen, bei denen die Rolle der Beſtäubung dieſen Thieren ganz beſtimmt aufgetragen zu ſein ſcheint, da ohne ihre Beihülfe eine Befruchtung gar nicht möglich wäre. Es iſt dies namentlich der Fall bei den Orchideen, Asclepiadeen und der Gattung Oſterluzei. Da die Antheren der Orchideen klebrig ſind, ſo kann der Pollen durch bloße Erſchütterung nicht auf die Narbe gelangen; hier treten dann auf wunderbare Weiſe Inſecten ins Mittel und greifen,„indem ſie ihre eig⸗ nen unabhängigen Naturzwecke erfüllen, ganz beiläufig auf eine ſo weſentliche Weiſe in das Leben der Pflanzenwelt ein, daß man glauben ſollte, dies ſei ihre einzige Beſtimmung.“ Als weiteren Beleg hierzu laſſen wir noch eine Mittheilung von Dr. Schmidt folgen.„Die Oſterluzei“— ſagt derſelbe— „hat eine Blüthe mit enger und durch niedergebogene, ſteife Haare geſperrter Röhre. Eine Schnake kriecht mit Leichtigkeit hinein, ſucht wieder herauszukommen, wird aber durch die ſtraffen Haare verhindert. Wenn das Inſect während dieſes Bemühens den Pollen auf die Narbe gebracht hat, zu welcher er nach der Lage dieſer auf keine andere Art gelangen kann, ſo welkt die Blume und die ſchlaff gewordenen Haare laſſen das Inſect entfliehen. Damit aber in Stanbmege ſolcher Blüthen, die lauf uindore Weiſe keindn
*)„In der Natur iſt ſtets Bewegung, ununterbrochen fertgehtudes Werden und Vergehen. Gar viele Thiere aer Claſ⸗ ſen find angeſtellt, die abgeſtorbenen Naturkörper zu zerſtören und zu beſeitigen, und ſo den organiſchen Stoff wieder für neue Bildungen vorzubereiten. Dieſe Aufgabe haben auch die Ameiſen erhalten. Sie verarbeiten und zerſtören, mit ſprichwort⸗ lich gewordenem Fleiße, die Erzeugniſſe des Pflanzen⸗ und Thierreichs. Wenn ſomit auch ihre Hauptthätigkeit eine zerſtörende iſt, ſo iſt dieſelbe doch durch ihre auflöſende und aufräumende, und damit für neue Budungen vorbereitende Lekang fir ven geſammten Haushalt der Natur von größter Bedeutung.“ Heer.


