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wird, die ſich auf ihrem Leichname einſpinnen und verpuppen. Eine andere Schlupfwespe(Pteromalus puparum) legt ihre Eier in die Puppen des Kohlweißlings, die man dann leicht an der veränderten Farbe erkennen kann. Auf dieſe Weiſe iſt es auch erklärlich, warum auf ſolche Raupenjahre in der Re⸗ gel Jahre folgen, in denen die Kohlraupen nur vereinzelt auftreten. Bei maſſenhaftem Erſcheinen der Naupen können ſich begreiflicher Weiſe auch die Ichneumonen ſtärker vermehren und jene bald auf ihr ge⸗ wöhnliches Maß zurückführen. Von ganz beſonderer Bedeutung ſind die Schlupfwespen und Mordfliegen für die Forſtwirthſchaft, was wir gerne noch an einigen intereſſanten Beiſpielen nachweiſen würden, wenn es der Raum geſtattete. un 2 Wir haben hier ugch auf eine Eigenſchaft der Far hinzuweiſen, die für ihre Bedeutung i im Natur⸗ haushalte eine ganz beſondere Wichtigkeit hat; es iſt dies ihre Gefräßigkeit und namentlich die Ge⸗ fräßigkeit im Larvenzuſtande. Die Inſecten und ihre Larven haben bekanntlich eine ſehr ſchwache Verdauungskraft; die aufgenommene Nahrung wird daher nur unvollſtändig verdaut. Da aber zu den mehrmaligen Häutungen und zu der Faſtenzeit im Puppenzuſtande ein ziemlicher Vorrath der beſten Säfte nothwendig iſt, ſo mußte die Larve mit einer ganz außerordentlichen Freßluſt ausgeſtattet ſein. Was die Freßgier einzelner Inſecten zu leiſten vermag, hat wohl Jeder ſchon zu beobachten Gelegenheit gehabt, be⸗ ſonders der Seidenzüchter, der im letzten Stadium die Maulbeerblätter in großen Quantitäten herbei⸗ ſchaffen muß. Noch auffallender läßt ſich die Gefräßigkeit bei größeren Forſtinſecten beobachten, wie bei den filzhaarigen Kiefernraupen, die durch ihren verheerenden Fraß von 1791—1793 in den brandenburgi⸗ ſchen Staatsforſten einen Schaden von 270,350 Thlr. verurſachten. amEs iſt wahrhaft erſtqunungswürdig, wie hier Eins aus dem Andern reſultirt, Eins das Andexe bedingt. Um nänlich die ihnen gewordene Aufgabe im Naturhaushalte löſen zu können, mußten die In⸗ ſecten mit einer großen Gefräßigkeit ausgeſtattet ſein, und um viel verzehren zu können, war die ihnen eigene Organiſation der Verdauungswerkzenge und die Verwandlung nothwendig und umgekehrt. Erwä⸗ gen wir ſo alle ſich gegenſeitig bedingenden Momente, den Reichthum an Arten und die daraus reſul⸗ tirende Mannichfaltigkeit der Organiſations⸗, Ernährungs⸗ und Lebensweiſe, den außerordentlichen Reich⸗ thum an Individuen, ihre ſtarke Vermehrungsfähigkeit und die hierdurch nothwendig gewordene, aber mit den Naturgeſetzen durchqus nicht in Widerſpruch ſtehende Beſchränkung, und ihre große Gefräßigkeit, ſo iſt es wohl erklärlich, daß dieſer Thierclaſſe noch andere Aufgaben im Naturhaushalte zugetheilt ſein mußten, als diejenigen, die wir in dieſer Abhandlung bereits berührt haben. ine dieſer Aufgaben iſt unſtreitig die, bei der Reinlichkeitspolizei in der Natur thätig zu ſein oder durch raſche Beſeitigung der alljährlich neu entſtehenden Trümmer organiſcher Körper ausglei⸗ chend zu wirken. Man wird dieſe Aufgabe gewiß nicht unterſchätzen, wenn man bedenkt, wie viele Thier⸗ leichname in der warmen Jahreszeit jeder Tag, ja jede Stunde bringt und wie dieſe bei der ſehr geringen Zahl von Aasfreſſern aus anderen Claſſen durch langſame Verweſung ſehr bald die Luft perpeſten und untauglich machen würden, wenn die Natur nicht das ſtets bereite Heer der kleinen aber rüſtigen Weſen, die durch Vereinigung zu einer nicht zu entbehrenden Macht, werden, zur Verfügung hätte. Man kann ja lleicht den Verſuch machen, indem man im Sommer eine todte Maus, einen todten Vogel oder irgend ein anderes Aas ins Freie legt und nun beobachtet, wie in kurzer Zeit ein ganzes Heer der verſchiedenſten Aaskäfer und Aasfliegen ſich einſtellt, um das Geſchäft der Leichenbeſtattung vorzunehmen. Viele der hier ſich einfindenden Käfer, wie Silphen, Staphylinen, Miſtkäfer ꝛc., ſind nur als Freſſer gekommen, die allmaͤhlich das Aas bis auf die Knochen verzehren; die Todtengräber(Necrophorus) dagegen kommen, wie der Name ſagt, um die Leiche zu begraben. Sie ſcharren nämlich die Erde da⸗ runter weg und bringen dadurch die Leiche zum Sinken, die bald von der Oberfläche verſchwunden iſt;


