Aufsatz 
Nachtrag zu der Abhandlung über die Aechtheit der Urkunden bei Demosthenes / Johann Theodor Vömel
Entstehung
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Feuchtigkeit und Würmern beschädigt, wurden die Bücher des Aristoteles und des Theo- phrast nach langer Zeit von der Familie dem Teier Apellikon um vieles Geld verkauft. Apellikon aber war mehr Bücherliebhaber als Philosoph. Daher suchte er das Durchfressene wieder herzustellen und liess die Schrift in neue Copien übertragen, ohne richtig zu ergän- zen. So gab er die Bücher voller Fehler heraus.

In dieser Bibliothek waren auch Urkunden. Denn Athen hatte freilich keine Juristen wie Rom, aber sehr Viele, welche»dαα und mancherlei Attika schrieben. S. Jonsius Script. Hist. Phil. I, 10. So hatten über Solons Axones Didymus(Plut. Solon. init.) und Se- leucus(Suid. s. v. Ooyecvεꝓ) geschrieben. Aristoteles selbst εα ν⁴φe oder voνμ⁵εμααν vier Bücher. Diog. Laert. V§. 26. Anonymus Menagii ad eund. loc. Derselbe reo τυυ ꝙỹν⁵ dEoον fünf Bücher. Anonymus Menagii ibid. Aul. Gell. II, 12, 1. Theophrast xeoο- uœr ein Buch. Fabric. Bibl. Gr. III. 9 Vol. II p. 251. Derselhe α ν⁴1μ‿ν ναα⁴ Gοοιρνέεον. Fabr. I. c. Aber nicht blos historisch-politische, auch chronologische Bücher hat Aristote- les geschrieben. Zu solchen Büchern aber hatte man Gesetze und andere Urkunden nöthig. Aristoteles musste also nicht blos Bücher, sondern auch Urkunden haben. Sammelte er aber auch diese, so konnte der Lehrer Alexanders dabei keine grosse Schwierigkeit finden, und wohl noch weniger Alexanders Feldherr Kraterus(Arrhian. Exped. VII, 12, 15), wenn die- ser seiner Liebhaberei, nicht blos Inschriften, wie viele andere(Böckh Corp. Inscr. Vol. I p. VIII), sondern überhaupt Urkunden aller Art, auch über Privatsachen(Krügers Studien p. 119 f.) zu sammeln, auch durch das Metroon zu Athen befriedigen wollte, zumal wenn er sich mit Abschriften begnügte. Dies Archiv enthielt aber nicht blos Gesetze(Harpocr. Suid. Phot. s. v. Mrοοωνο), und Beschlüsse(Liban. Apolog. Dem. Vol. IVY p. 296 Rsk: 4ερασωεαν ο τ MIO0O TGν ε.eνμό ννυνιασ⁴᷑ν iνα6⁴μααυνν und andere Stellen unten), sondern allerlei Urkunden, auch die Acten der öffentlichen Anklagen. Phavorinus bei Diogen. Laert. II,§. 40. Chamäleon bei Athen. IX p. 407 B, und dazu Böckh Staatsh. I p. 435. Selbst eine Schen- kungsurkunde, also eine Privaturkunde, finden wir im Metroon deponirt. Diogen. Laert. X §. 16. Denn die Mutter der Götter ist dewνω⁷‧⁸mν ey To†g poduudot umcto guœ. Dinarch. in Dem.§. 86. Solche Sammler werden sich aber nicht auf das Metroon beschränkt, sondern gesucht haben, wo sie nur sonst Urkunden auftreiben konnten, in den Archiven anderer Städte, in den Familien, in den Schulen.

Es war gewiss auch nicht so schwer, das zugänglichere Metroon zu Athen(Aristogit. 1§. 99 und andere Stellen), als dies bei uns möglich wäre, zu plündern, indem, obgleich der Schlüsseldazu(die Nachtüber) beim Epistates war, wenn auch nichtder überdie Urkunden darin gesetzte Beamte, doch sein öffentlicher Sklave(Dem. f. leg.§. 129. Chamäleon bei Athen. IX p. 407 C) leicht bestochen werden konnte. Eine classische Stelle, auf welche Böhnecke p. 653 aufmerksam gemacht hat, ist Athen. V. p. 214 D:Athenion schickte(im Jahr 666 v. Chr., zur Zeit des Mithridatischen Krieges) den Teier Apellikon, der das attische Bürger- recht erhalten hatte, nach Delos, einen sehr verànderlichen Menschen, der immer was neues