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anfing. Denn bald philosophirte er und kaufte die peripatetischen Schriften und die Bibliothek des Aristoteles und viele andere Bibliotheken zusammen(denn er war sehr reich), bald wusste er sich aus dem Metroon die Originalurkunden der alten Beschlüsse heimlich zu verschaffen und aus den andern Städten Altes und Verborgenes. Ueber diese Diebstähle in Athen ergriffen, wäre er in Gefahr gewesen, wenn er nicht entflohen wäre. Aber nicht lange nachher kam er wieder, indem er sich Viele verbindlich machte. Dem Athenion, der zu derselben Schule gehörte, liess er abschreiben.— Wie aber Apellikon mit einer Heeres- macht nach Delos übergesetzt und sich mehr um Prunkreden bekümmerte als an die Pflichten eines Feldherrn dachte— und, ohne die Insel zu befestigen, schlief, eroberte sie in einem nächtlichen Ueberfall Orobios(Orbius), der Feldherr derRömer.— Und der schöne Feldherr Apellikon entfloh von Delos.“ Strabo fährt in oben S. 19 abgebrochener Stelle so fort:„Bald nach Apellikons Tod nahm Sulla, nachdem er Athen erobert, Apellikons Bibliothek weg und brachte sie nach Rom, wo sie der Grammatiker Tyrannio, ein Anhänger des Aristoteles, dem Aufseher derselben Hülfe leistend, benutzte.[Dieser Lehrer Strabo's(ibid. XII, 3,§. 16 fin.) stand Lucull's grosser Bibliothek vor. S. unten Curio's Diss.§. XJ. Es benutzten sie auch einige Buchhändler, welche aber schlechte Abschreiber hatten und nicht verglichen. Was auch bei den übrigen für den Verkauf geschriebenen Büchern sowohl hier zu Rom als Zzu Alexandria oft geschieht.“— So wurde diese Apellikontische Bibliothek durch Abschrif- ten verbreitet. Plut. Sull. cap. 26. Suid. s. v. Iναι2αάƷ‧.
Auf diese Art wird es sehr glaublich, dass Urkundensammlungen auch in den öffent- lichen Bibliotheken waren zu Athen, Rom, Pergamum und vornehmlich zu Alexandria. Ueber diese Bibliotheken verweise ich auf die bekannten Bücher von Lipsius, Heeren, Ritschl u. A. und auf die weniger bekannten Abhandlungen(s. Fabricii Bibliographia p. 953 ff. ed. Schaffshaus), welche ich meinem gelehrten Freunde Herrn Medicinalrathe Kloss verdanke: Chr. Curionis Diss. De Bibliothecis Romanorum. Praeside Reuschio. Helmst. 1734. 4⁰, besonders§. IIII. G. König. De Studiis Virorum IIlustrium in condendis Bi- bliothecis. Aldorph. 1844. 4⁰0 besonders Fol. B. init.
Demnach, denk' ich, wird es niemand mehr für unmöxglich, ja auch nur für schwer finden, dass man sich direct oder indirect ächte attische Urkunden verschaffte. So mag na- mentlich Telephus von Pergamum mit Hülfe der Bibliothek seiner Vaterstadt geschrieben haben: IIν τυ ⁴eνπνηνοσιοιαςοεεινοεανσ und Ià ν ⁴οτμασι ν⁶μαωνm ενιυν. Suid. s. v. Tnl. Auf welche Urkunden aber die Sammler am meisten ausgegangenseynmochten, liegt am Tage. Und es wird nun wohl niemand mehr, der dies erwägt, behaupten wollen, dass alle Urkun- den in den Demosthenischen Reden fingirt und für die Schule gemacht seyn müssten.
*) Der Titel dieser Schrift des Telephus erinnert an ein ähnliches Capitel von Eudocia Viol. Villois Anecd. I, p. 114, welches zu den vielfach verdorbenen und doch so wichtigen Scholien zu Aristoph. Plut. vs. 277 sq. bis jetzt nicht benutzt worden ist. Die gemeinschaftliche Quelle ist, ausser dem vom Scholiasten citirten Aristote- les, vielleicht eben diese Schrift des Telephus, welchem derselbe Scholiast auch anderes zum attischen Recht gehöriges entnahm, z. B. die Erklärung von Erouoota(ad Plutum vs. 725), wozu Telephus angeführt ist.
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