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so erscheint Kreon klagend, und bald wird dem Unglücklichen gemeldet, dass auch die Gattin sich getödtet habe. So steht er denn gebeugt in schwerem Jammer, er, der sich vermessen hatte, die heilige Pflicht gegen die in Götter- schutz stehenden Todten ohne die heilige Scheu, welche ihr gebührte, nach seiner Einsicht unabänderlich zu bestimmen. Er steht da, ein Gegenstand des
sie nicht vollständig dargestellt, wenn die Wirkungen desselben nur an Antigone und nicht auch an Kreon sichtbar würden, denn sonst würde Kreon als vollkommen recht handelnd erscheinen, und Antigone’s That als eine, wofür sie die verdiente Strafe empfangen. Denn der Schluss enthält nichts als die Strafe, welche den Kreon trifft, und enthält demnach einen wesentlichen, ganz unent- behrlichen Theil, ohne welchen die Idec der Tragödie niclit nur unvollkommen zur Erscheinung gelangt wäre, sondern als eine ganz andere und falsche erscheinen würde. Eher könnte man den Schluss des Ajax eine Episode nennen, doch auch dieser enthält nichts als die Abrundung der Idee dieser Tragödie, und lässt sich nicht als ein irgend fremdartiger Zusatz betrachten. Wir sehen einen grossen und edeln Helden durch Stolz, welchen er nicht zu zügeln vermag, als er Kränkung erfährt, zum Wahnsinn getricben, und als er nach tollem Thun wieder zu sich kommt, sein Leben durch Selbstmord enden, weil er nicht Schmach und Selbstentehrung ertragen kann. Mit seinem Tode könnte freilich die Tragödie enden, aber herb würde dieser Schluss seyn, und der Dichter befriedigt unser Gefühl dadurch, dass er den Todten als würdigen Helden im Streit über seine Leiche erken- nen liisst, und dass grade der ihm vorgezogene, von ihm gehasste Held, welcher die nächste Ver- anlassung seines Endes war, ihm die Anerkennung gewährt und die Heerfürsten mit ihm aussöhnt. Will man diese Art von Behandlung einer Idce eine Episode nennen, so muss man diesen Namen auch auf die Scene nach Julia's Tod in Shakespeare's Romeo und Julic anwenden, und doch gehört auch diese zur Idee dieser Tragödie. Der Hass tritt uns darin zerstörend entgegen, zerstörend die Liebe, welche uubegreiflich in allmächtiger Wahlverwandtschaft zwei herrliche Wesen zu einander hin- reisst, dass sie nur noch der Liebe Zauber fühlen, taub für alles Andere, und die vonjenem Hass getroffen dem Tode verfallen. Da ist es denn ganz befriedigend, dass der Hass am Grabe der schönen durch ihn zerstörten Blüthen stehe und im cigenen herben Leide seine Thorheit erkennc, und der Versöh- nung, wenn auch allzu spät weiche. Eher noch liessc sich der Schluss von Schiller's Wilhelm Tell eine entbehrliche Episode nennen, weil er nur dient, die Reinheit der Schweizer in den Motiven ihrer Befreiung noch anschaulicher zu machen, was aber grade nicht nöthig war, weil diese Motive von dem Dichter aufs Trefflichste und Rührendste im Fortgange der Handlung ins Licht gesetzt worden sind, und keines weiteren Beweises ihrer Reinheit bedürfen. Somit dient die letzte Scene nur subsidiarisch der dargestellten Idce. Eben so erscheint in des Aeschylus gefesseltem Prometheus die Episode der Scene, wo Jo auf der Bühme sich befindet, wenn sie gleich auch nicht für den befreiten Prometheus gleichgültig ist, doch nur subsidiarisch, um das Verfahren des neuen Herrschers, des Zeus, gegen den Prometheus zu verstärken durch ein Beispiel, wie er selbst ein geliebtes Wesen leiden lässt, ohne ihm Schutz zu gewähren. Dagegen erfordert in Oehlenschläger's Corregio dic Idee die Fort- sctzung des Stücks nach dem Tod des unglücklichen Malers, weil es sonst peinlich herb geendet


