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Spielen, welches die Reflexion mit Gefühlen anstellt, als dass sie ein wahres, ächtes und starkes Gefühl überzeugend kund gäben*). Dem Chor, welcher ihr die einzig möglichen Tröstungen zuspricht, klagt sie mit vollem Bewusstseyn ohne Uebertreibung, wobei das Weh des Hauses berührt wird, welches nur fort und fort neues Weh erzeugen konnte, bis die göttliche Gerechtigkeit gesühnt worden. Kreon treibt sie zum Tode, weil Klagen ihr nichts helfen können, und sie wird weggeführt. Nun kommt der Seher Teiresias und weissagt Un- glück, wenn Polynices nicht bestattet werde. Kreon aber, welcher meint, Alles stemme sich gegen ihn, erklärt den Seher für erkauft, dieser aber weissagt ihm schweres Leid und geht weg; da wird der König erschüttert, als er sich allein mit dem Chor befindet und lässt sich von diesem leicht bewegen, Antigone wieder frei zu machen. Als er weggeeilt ist, ruft in einem höchst lebhaften Liede der Chor den Thebischen Gott Dionysos an zu kommen dem-Lande zum Heil, indem der Chor Heil hofft. Aber kaum ist das aufgeregte Lied gesungen, kommt ein Bote und meldet, während Kreon's Gattin, die aus dem Hause getreten ist, zuhört, dass Antigone sich im Grubverschluss erhängt, Hämon aber sich vor ihr, sie umfassend, in's Schwerdt gestürzt, womit er den herbeigekom- menen Vater wildblickend bedroht und zurückgescheucht hatte. Die Königin entfernt sich schweigend und lässt Schlimmes ahnen**); kaum aber ist sie weg,
*) Eine leidenschaftliche Liebe hegt zwar Hämon gegen Antigone, sie jedoch nicht gegen ihn, sondern sie würdc sich ihm vermählt haben, als einem edeln Jüngling ohne Abneigung, weil der Frauen Loos Vermählung erheischt, aber auch ohne Leidenschaft, denn ihr Herz ist durch das Weh des Hauses verdüstert und den Freuden der Welt wenig zugänglich. Dadurch kam kein Zwiespalt in Antigone's Handeln für die Ihrigen, ihr Charakter erscheint ernster und erhabener, und kleine Zerrissenheiten und Schwankungen stören nicht den grauenvollen aber gemessenen Gang der Tragödie. So mochte sie auch sagen, was sic für den Bruder gethan, da sie keinen andern Bruder zum Lieben weiter habe und haben könne, würde sie nicht für einen Gatten noch für ein Kind gethan baben, denn die Liebe zu den Ihrigen, für welche das Unglück ihre Hülfe in Anspruch nahm, war gross, Leidenschaft zu einem andern Mannc aber beseelte sic nicht und Mut- terliebe war ihr ganz unbekannt als Gefühl.
**) Ueber den Schluss der Antigone sagt Oehlenschläger in der oben angeführten Schrift: „Einige der besten griechischen Tragödien wie Antigone und Ajax schliessen sogar mit Episoden.“ Sobald man mit dem Begriffe der Episode nur irgend den eines Hinzutretenden, welches dem Gan- zen nicht wesentlich nothwendig sey, d. h. ohne welches das Ganze auch als soléhes habe bestehen können, verbinden wollte, dürfte man den Schrluss der Antigone nicht mit diesem Namen bezeich- nen. Da die Idec dieser Tragödie in dem Conllicte zwischen Antigone und Kreon besteht, so wäre


