Aufsatz 
Über des Sophokles Antigone
Entstehung
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Chor betrachtet jetzt in ernsten Gedanken die Schicksale des menschlichen Lebens, seinen Wandel und seine Hinfälligkeit und insbesondere das schreck- liche Leid des Labdakidenhauses, und wie kein Frevelnder der Allmacht des Zeus, der ewigen, nie alternden entrinnen kann. Hämon eilt herbei und Kreon redet ihn gespannt an, er werde doch wohl nicht dem Vater zürnen wegen der Braut, worauf der Sohn sanft erwiedert, dass er ganz der Einsicht und Leitung des Vaters vertraue. Dieser spricht nun sehr verständig über wohl- gerathene Kinder, die Nothwendigkeit des Gehorsams, welche nöthige, auch Familiengliedern den Ungehorsam nicht nachzusehen. Hämon aber, welcher gekommen war Antigone zu retten, giebt zunächst dem Vater nicht Unrecht, sondern meldet, als erfülle er eine kindliche Pflicht gegen den Vater, dass das Volk im Verborgenen über Antigone''s Geschick murre, und sie im Gegentheil aller Ehren würdig halte. Hierauf mahnt er ihn, als ob er besorgt um des Vaters Ruf sey, von der zu grossen Strenge zu lassen, was auch dem Chor wohl gerathen dünkt. Aber Kreon ist zu eifersüchtig in Betreff seines jungen Regiments, und zu argwöhnisch, als wolle man ihm nicht gerne gehorchen, als dass die Meldung Hämon's ihn nicht in seinem Ausspruch über Antigone noch mehr verstocken sollte. Darum hadert er mit dem Sohne, und da dieser nach und nach zur Bitterkeit hingerissen wird, und mit der Drohung, der Vater werde ihn nie wieder sehen, abgeht, so ist Kreon in solcher Aufregung, dass er beide Schwestern zum Tode will führen lassen, weil er in der Hitze ver- gessen, dass die eine unschuldig ist, woran ihn erst der Chor erinnern muss. Der Chor singt nun von der Gewalt der Liebe, welche sich eben an Hämon bewährt hatte, und kann sich der Thränen nicht erwehren über Antigone's Geschick, welche nun in angemessener Aufregung, vom Gefühl ihres Looses erfüllt und keinen falschen Heroismus affectirend, aber auch nicht eben wimmernd auftritt. Nicht in Ueberspannung scheidet sie, sondern den Werth des Lebens erkennend und würdigend, ihr furchtbares Geschick, so schnöde aus dem Daseyn scheiden zu müssen, menschlich würdig empfindend. Sie sowohl als Hämon ergiessen sich nicht in Liebesklagen, wie es in einer modernen Tragõdie würde geschehen seyn, dass aber dem Gang dieser Tragödie damit geschadet sey, lässt sich nicht in Wahrheit behaupten. Das Furchtbare ihres Geschickes kann nicht durch Liebesklagen gesteigert werden, da sie von dem Leben, mit Allem was es dem Menschen erfreuliches hat, scheiden muss, und ihr Bild um so erhabener bleibt, je weniger sie in allzu weiche Klagen ausbricht, welche in modernen Tragödien nicht selten mehr ein Spiel des Witzes sind, und ein