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dem leidenschaftlich aufgeregten Gemüthe, welches mit voller Ueberzeugung nicht nur edel gehandelt, sondern eine heilige, unerlässliche Pflicht gegen ein geliebtes Wesen erfüllt zu haben, sich ob solches Thuns geschmäht und mit Todesstrafe bedroht sieht, der Tadler und Bedroher als ein gemeiner Mensch erscheint, mit Widerwillen, selbst mit Abscheu erfüllend, denn nichts verletzt tiefer als die Verwerfung und Verhöhnung dessen, was wir für edel und heilig halten, und einem solchen Verhöhner gegenüber kann ein edles Gemüth keine Reue erheucheln, sondern wird zum Stolz gereizt. Der König durch ihre Worte noch mehr erbittert, und voll Argwohns hält nun auch Ismene, welche er in heftiger Gemüthsbewegung gesehen, für eine Theilnehmerin der That und lässt sie rufen, und bis sie kommt wird das aufreizende Gespräch zwischen Kreon und Antigone fortgesetzt, welche auf ihrer Ansicht beharrt, das Heilige beob- achtet zu haben, und zum Mitleiden auf Erden zu seyn, nicht zum Mithassen. Kaum hat der König die herangekommene Ismene, sie heftig anfahrend, befragt, ob sie Theil an der That habe, als diese es bejaht; denn dieses edle weibliche Wesen, zu sanft für eine kühne That, ist doch ächt weiblich des Sterbens fähig, als sie die geliebte Schwester verloren und sich fortan verlassen und einsam sieht. Die Schwester weisst zwar die Angabe ihrer Theilnahme zurück, aber den König reizt dieser Eifer Ismene's zu sterben, als eine neue Verach- tung seiner gedrohten Strafe, wo möglich noch mehr auf, und er lässt beide in Verwahrung bringen, nachdem er auf Ismene's Frage, ob er die Braut seines Sohnes Hämon tödten wolle, diese für unwürdig seines Sohnes erklärt hat. Der
wüthendes Thier einen Mord begchen zu lassen, auf einen Beweis hin, auf einen wiebeschaffenen er in Staatsgeschäften sicher keinen Diener entlassen und im Krieg keinen Vorposten würde seine Stelle haben verrücken lassen, da er ja Staatsmann und Feldherr war. Aber mag man dem afrikanischen Blute solch blindes Toben zuschreiben, unserm Gefühle fällt es peinlich auf, dass, wo die Entdeckung so leicht zu haben war, ein schönes, edles und unschuldiges Wesen von einem Manne zerstört wird, welcher doch noch so viel bei Sinnen ist, um im Augenblick des Mords die Schönheit zu bewundern. Dieser Mangel an Nothwendigkeit ist nicht motivirt durch die übrige Schilderung von Othello's Character und Wesen, und darum quälend, weil einc schreckliche tragische Katastrophe durch eine plötzlich aus heftigem Blut entspringende, bis zum Acussersten getriebene Benebelung des Geistes hervorgebracht nur quälend nicht erhaben erschütternd wirkt. Sophistische Kritik kann dergleichen als hohe Trefflichkeit darstellen, und die Kritik über Shakespeare ist zu einem nicht ganz geringen Theil sophistisch, da man zu den grossen Vorzügen seiner Dichtungen auch die Mängel mancher derselben als ganz besonders ausgezeichnete Vorzüge, wozu sie durch Redensarten umgewandelt werden, hinzufügt.


