—-— 114—
Mitleids, an dem zu lernen gleichwie an der Antigone, dass dem Menschen nicht vergönnt ist, seinen Willen überall durchzusetzen, und dass die streng auf ihrem Sinn Beharrenden, der Mässigung und Nachgiebigkeit Unzugänglichen, sich in- unlösbare Conflicte verstrickend, herbem Geschicke verfallen, wohl des Mitleids werth aber durch des Eigenwillens Uebermaas nicht frei von Schuld.
hätte. Da Benennungen nicht gar selten nicht bei dem ersten damit verknüpften Begriff stehen bleiben, sondern man andere Begriffe daran knüpft, welche mitunter verderblich wirken können, wie es Zz. B. mit der Benennung des Romantischen gegangen ist, welche jede Narrheit beschönigen sollte, so wäre es besser alle solche, welche falsche Nebengedanken erwecken können, zu beseitigen, und da- hin möchte ich die Benennung der Episode rechnen, für alle Dichtungen, wo eine sogenannte Episode genau mit der Idee des Gedichts zusammenhängt und cinen Theil derselben ausmacht. Lässt sich doch selbst der Schluss der Iliade nicht in diesem Sinne als eine Episode betrachten, denn der Zorn des Achilles kann nicht wohl das blosse Erzürntwerden desselben seyn, wie es der leider zu frühe geschiedene, meinem Andenken stets theure, geistreiche Näke nahm, welcher den Zorn nur in dem ersten Gesang der Iliade behandelt glaubte. Der Zorn des Achilies besteht nicht bloss in einem Gerciztwerden desselben, sondern auch in den Folgen, welche sein Verharren darin für die Danaer und ihn selbst hat, und endlich in dem Schluss desselben, als er, nachdem er die Folgen seines Zorns, den Tod des Patroklos, an Hektor gerächt hatte, wieder zu dem Zustande der Milde zurück- kehrt, ablassend von der heftigen Gemüthsstimmung, in welche wir ihn im ersten Gesang versctzt schen.


