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etwas conſolidirte von neuem Ganze in Frage geſtellt, durch das ewige Infrageſtellen iſt keine Befeſtigung möglich, und ohne ſolche Befeſtigung muß mehr Kraft auf die Erhaltung, als auf das nothwendige Fortbauen verwendet werden ꝛc.
Worms, den 3. Januar 1848.—
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VII. Zur Geſchichte der Schule.
1. Nekrolog.
Die feierliche Beerdigung des Hrn. Decans Büchner iſt bereits im Herbſtprogramm des Gymnaſiums erwähnt worden. Indem wir dorthin verweiſen, erwähnen wir hier nur, daß von Seiten der Lehrer und Schuljugend der Stadtſchulen dem Verſtorbenen dieſelbe Ehre erwieſen wurde, wie vom Gymnaſium.
2. Lehrercolleg.
1 Die durch den Tod des Lehrers Ruland erledigte proteſtantiſche Lehrſtelle, welche
durch Hrn. Kappes einſtweilen vicarirt ward, wurde mittels Decret vom 26. März 47 wieder beſetzt durch Hrn. Johann Heinrich Niepoth, bisherigen Lehrer zu Hofheim, geboren 21. Oct. 1808 zu Queck, im Kreiſe Alsfeld, ein Schüler des rühmlichſt bekann⸗ ten Pädagogen Schletz. Am 21. April v. J. wurde er in ſeinen hieſigen Dienſt einge⸗ führt, und Hr. Vicar Kappes erhielt eine Anſtellung in Oppenheim. . Nur ein Lehrer wurde durch eine längere Krankheit von ſieben Wochen vom Unter⸗ richt abgehalten. Während dem verſahen die übrigen Collegen, jeden Tag, abwechſelnd die ledige Klaſſe.
3. Verſäumniſſe durch Krankheiten.
Außer der allgemein herrſchenden Grippe, wodurch viele Kinder lange vom Schul⸗ beſuch abgehalten wurden, herrſchten in dieſem Jahre keine der gewöhnlichen Kinderkrank⸗ heiten. Dagegen greift leider ein ſonſt weniger verbreitetes Uebel unter der Jugend immer mehr um ſich. Der gefürchtete Würgengel der Jugend erſchien früher in den natür⸗ lichen Blattern. Die menſchliche Kunſt glaubte den Würgengel gebannt zu haben. Aber er iſt in andren Formen wieder erſchienen und zwar noch furchtbarer. Früher hat er doch die blühende Blumenwelt der Jugend decimirt, jetzt aber verwandelt er ſeine Opfer in langjährige wandelnde Leichen. Die Form, in welcher er namentlich wieder erſchienen iſt, heißt Serophel⸗Krankheit und graſſirt nicht bloß unter dem Elend und der Armuth, ſondern auch im Schoße des Reichthums. Beachtenswerth iſt in dieſer


