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unternimmt nicht leicht einen Bau, wenn er nicht das zu ſeiner Aufgabe erforderliche Local und Material hat. Zu einem Bürgerhaus verlangt er das Material zu einem Bürgerhaus, zu einem Schloß das eines Schloſſes. Wir guten Schulmeiſter waren es bisher aber überall gewohnt, daß man ein Schloß von uns verlangte, dwähvend wir das Material kaum zu einem Privathauſe hatten.
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VI. Schwierigkeiten des Wormſer Schulweſens.
(Aus einem Briefe.)
Hochzuverehrender Herr!
Sie wollen das Geheimniß des hieſigen Geſammtſchulweſens wiſſen. Dieſes beſteht darin: es hat nur zwei Anſtalten(Stadtſchule und Gymnaſium) und ſoll eine dreifache Bildung geben, nämlich die einer Volksſchule, einer Realſchule und eines Gymnaſiums..
So finanziell vortheilhaft dieſer Plan für die Stadt iſt, mit ſo viel Schwierigkeiten iſt deſſen gewiſſenhafte Ausführung verbunden und nur dann ausführbar, wenn die Lehrer der Stadtſchule und des Gymnaſiums von beiden Seiten dieſe beſondere Localität berückſichtigen, nach dem Grundſatze: multa fiunt eadem sed aliter. Es kommt hiebei nicht ſowol auf die Maſſe des Wiſſens an, als auf die didactiſche Geſchicklichkeit und Anſtelligkeit.
Eine Hauptſchwierigkeit der Ausführung jenes eigenthümlichen Schulplanes liegt darin, daß der Chef desſelben gegenwärtig noch unter doppelten Behörden ſteht: als Gymna⸗ ſial⸗Director unter Gr. Oberſtudienrath, als Rector der Stadtſchulen unter Bezirksſchul⸗ kommiſſion und Gr. Oberſchulrath*). Jede dieſer Behörden kann in ihrer Hemisphäre bei ihren beſonderen Anſprüchen nicht die Schwierigkeiten und Verhältniſſe wahrnehmen, mit welcher der Chef auf der anderen Hemisphäre zu ringen hat; es kann alſo der Wormſer Schuldirector ſich ſchwerlich auf die gewünſchte Art ganz verſtändlich machen, da jede der doppelten Behörden ſeine Sprache nur halb, i. e. kaum verſteht.— Dies Ver⸗ hältniß wird um ſo ſchwieriger, wenn, wie das nicht anders ſein kann und namentlich häufig in den letzten 10 Jahren der Fall war, in den beiderſeitigen Behörden Perſonal⸗ Erneuerungen und nächſtdem auch noch häufige Lehrerwechſel ſtattfinden, und dieſe Lehrſtellen dazu noch meiſt gering dotirt ſind. Mit neuen Perſönlichkeiten wird das beſtehende und kaum
*) Seitdem iſt im benachbarten Baden von den Ständen auf Vereinigung der Oberſchulbehörden an⸗ getragen worden. Auch in der Darmſtädter Zeitung wurden in dieſem Sinne jüngſt Reform⸗Vor⸗ ſchläge gethan. 3*


