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Das auf Ideen Gepflanzte, mag es Widerſpruch und Verfolgung tauſend Mal drücken und benagen, es ſchlägt immer wieder friſch aus und ſtellt endlich ſeine Widerſacher in Schatten; durch die Kreuzigung wird es erſt vergöttert; es veraltet nicht, ſondern wird unter den Widerwärtigkeiten immer jünger. Das mußten neulich ſelbſt die Blindeſten ſehen, als eine übelwollende und parteiwüthige Leidenſchaft es unternahm, das hieſige Schul⸗ weſen, oder vielmehr die es tragenden Perſönlichkeiten(denn die Leidenſchaft kennt keine Ideen und kann daher auch keine Ideen beſtreiten) zu einem anderweitigen Zwecke zu entſtellen und zu verleumden. Die allgemeine Entrüſtung ſtellte ſich wie, eine Mauer um das bisher vielleicht etwas gleichgiltig Beſeſſene und begriff erſt recht deſſen Werth. Per⸗ ſonen brauchen es jetzt nicht mehr zu halten und zu ſchirmen, es ſteht unter dem ſtarken Schilde der Volksſtimme, und die Tadel⸗ und Verkleinerungsſucht hat Nichts klein ge⸗ macht, als ſich ſelbſt.— Doch neben der Idee brauchen wir uns auch des Einzelen nicht zu ſchämen. Die öffentliche unparteiiſche Kritik hat das hieſige Schulweſen als ein durchaus wohl geordnetes Ganzes bezeichnet, und das Einzele iſt ſo vollkommen als die Mittel und die Verhältniſſe es geſtatten*). Setzt man eine Kunſt darein, in dieſer Beziehung die Forderungen, namentlich in Bezug auf die Stadtſchulen, ohne Rückſicht der Verhältniſſe zu überſpannen, ſo werden wir die Kritik dann in dieſer Kunſt noch übertreffen. Wer aus einem ſtillen Stubenleben auf unſeren Schulhof kommt und da c. 1200 Kinder ein⸗ und ausgehen ſieht, der mag ſich, ich gebe es gerne zu, da etwas miß⸗ behaglich finden. Wer aber deßhalb über die Unarten der Kinder, ihr Gewühl ꝛc. empfind⸗ liche Klagen führen wollte, dem würden wir entgegnen: Herr Tadler! gieb uns erſt ſtatt zwei Schulhäuſer vier, nämlich:
1) eins für die Morgenſchule,
2) eins für die obere Stadtſchule,
3) eins für Realbildung,
— 4) eins für das Gymnaſium,
und Du ſollſt dann eine Ordnung ſehen, wie in Deinem Zimmer. Ferner gieb uns ſech⸗ zehn Lehrer ſtatt elf; denn ſo viele(16) müßten wir haben, wenn wir einer pädagogi⸗ ſchen Vorſchrift folgen wollten, wornach jede Klaſſe höchſtens 75 Kinder haben ſoll. Fer⸗ ner, Herr Tadler, gieb uns für jeden älteren Lehrer wenigſtens die Beſoldung einer Pfarrei zweiter Klaſſe, damit er nicht genöthigt iſt, die Hälfte ſeines nothwendigſten Auskommens durch Privatunterricht zu erwerben, und daß er nach dem Zuge ſeiner Neigung ſeine Zeit ganz und mit Freuden allein der Schule und ſeiner Fortbildung widmen kann. Man gebe dies ꝛc. ꝛc. und dann ſpanne man ſeine Forderung ohne Rückſichten. Der Bauneiſter
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*) Man bezieht ſich u. a. auf die in den Progr. 1840 u. 42 veröffentl. Lehr⸗ und Hausordnung.


