Aufsatz 
a) Vergleich durch Zahlen zwischen Sonst und Jetzt der Schule. (Veranlaßt durch bekannte Beziehung im November 1847.) b) Ein Philosoph und das heutige Volksschulwesen. c) Das offene Geheimnis des Wormser Schulwesens und dessen Kritik. d) Schwierigkeiten des Wormser Schulwesens. (Aus einem Briefe.)
Entstehung
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bildet hatte, auf die natürlichſte und vernünftigſte Art ausgleiche, durch Gleichheit und Tiefe der Bildung; 3) daß in dem Lehramte mit dem erforderlichen Wiſſen auch die entſprechende Methode verbunden ſei. Da nun bis jetzt die gewünſchten practiſchen und methodiſchen Lehrer⸗ Vorbildungsanſtalten noch nicht beſtanden; ſo war eine ausdrückliche weitere und Haupt⸗Vorausſetzung, daß die Wahl der Lehrer für die hieſigen Schulen mit beſon⸗ derer Sorgfalt und Rückſicht auf die örtlichen Umſtände geſchehe.

Was das erſte Paradoran anlangt, ſo brauchen wir jetzt wol kein Wort mehr dafür zu ſagen. In den letzten Jahren, ſeit 1840, ſeit der nationalen Erhebung Deutſchlands, hat dieſe Anſicht ſich immer mehr Gehör verſchafft; und iſt auch noch vor kurzem ſelbſt ein Dieſterweg als Martyrer unterlegen, ſo wird jene Anſicht unter den mächtigen Flügel⸗ ſchlägen der Gegenwart ſich immer mehr Bahn brechen und ſelbſt die Ungläubigſten, wenn auch nicht belehren, doch zum Schweigen bringen.

Auffallender noch als der erſte Satz, erſchienen mitunter die andren Sätze.

Als ich im J. 1836 Vorſchläge machte, die hieſige Volksſchule und das Gymnaſium zu einem großen, ein und dasſelbe Ziel verfolgenden Schulkörper zu vereinigen, ſo fand das ein Würdeträger auffallend und chineſiſch. Wir haben aber neulich geleſen, daß die aufgeklärteſten Städte, Mannheim namentlich, im J. 1848 um dieſelbe Einrichtung noch petitioniren. Alſo auch die chineſiſche Cultur hat ihre Fortſchritte gemacht. Noch im J. 1847 ſchrieb ein Director Foß:Darin ſind alle einverſtanden, daß die Gymna⸗ ſien Vorbereitungsſchulen zunächſt für Univerſitäten ſind, und von allen, welche hiemit nicht übereinſtimmten, ſagte er:daß ſie mit dem Kopfe gegen die Mauer des Hergebrach⸗ ten anrennten. Dagegen hat ihm ein andrer gelehrter Schulmann(Gymnaſiallehrer) 1848 erwiedert:Der AusdruckAlle hat mich frappirt. Nach meiner Auffaſſung hat das deutſche Gymnaſium ſtets die Aufgabe gehabt, die allgemeine höhere Volksbil⸗ dung aller und jeder Fachbildung gegenüber bei der Jugend zu vermitteln. Hr. Prof. Droyſen in Kiel gehört auch nicht zu denAllen.(Ueber Gelehrtenſchulw. S. 3). Noch beſtimmter für unſere Anſichten und Einrichtungen ſpricht ſich der Gymnaſial⸗Ober⸗ lehrer Dr. Hoffmann in Poſen aus:Das Gymnaſium muß nicht nur zum ſelbſtſtändigen Denken und Urtheilen befähigen, ſondern hauptſächlich auf eine beſtimmte Geſinnung hin⸗ arbeiten, nicht bloß Kenntniſſe, ſondern religiös⸗ſittliche Grundſätze beibringen, den ſittlichen Willen und die ſittliche Kraft ſtärken und üben, d. h. den Character bilden. Hierin und nicht in der ſ. g. formalen Bildung finden wir das Princip des Gymnaſtial⸗Unterrichts, welches ſich von dem Princip der Volksſchule nicht ſubſtantiell, ſondern nur formell durch wiſſenſchaftliche Tiefe unterſcheidet. Und Conſiſtorialrath Tittmann ſagt(über die Beſtimmung des Gelehrten):daß er einen Schullehrer, welcher