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dem Lieben, nicht durch das Wiſſen des Liebenswürdigen, das practiſche Können aus dem Können, nicht aus dem Reden darüber hervorzubringen ſucht; wie hier ganz nach der For⸗ derung des philoſophiſchen Naturkündigers die Entwicklung des Menſchen nicht mit abſtrac⸗ ten Begriffen und Formen, ſondern mit den ſinnlichen Empfindungen, mit der klaren An⸗ ſchauung beginnt und nach und nach zum Begriffe, dem Ziele alles Unterrichtes, führt; wie hier nach einer allgemein feſt ſtehenden Methode die Geiſteskraft der Kinder nicht in die Ferne gedrängt wird, ehe ſie durch nahe Uebung geſtärkt iſt: wahrlich er würde das Kind nicht beklagt haben, daß es mit dem ſechsten Jahre in die Schule geht. Er würde ſich vielmehr für das Kind gefreut haben, da hier überall eine naturgemäße mehr auf geiſtige Selbſtthätigkeit, als auf Maſſe des Materials geſtrebt wird, da den jugendlichen Kräften hier nicht mehr dargeboten wird, als ſie ſelbſtthätig, freudig auf⸗ nehmen können, ganz nach dem Ideale, was ihm nach ſeinem klaren Blicke in die Natur über eine Verbeſſerung des hergebrachten Unterrichtsweſens vorſchwebt. Noch mehr würde er für die Kinderwelt ſich gefreut haben, wenn er vernommen, daß es eine ausdrückliche Vorſchrift des Peſtalozzi iſt, wie der Lehrer vor allem Unterrichten im Leſen und Schrei⸗ ben der Buchſtaben die Kinder, welche entweder durch das Elend und die Unkultur in den unteren Ständen, oder durch den Ueberfluß und die Ueberkultur in den höheren im natür⸗ lichen Sinnenwahrnehmen und Beobachten verwahrloſ't worden ſind, erſt wieder natürlich ſehen und hören lehren ſolle. Statt das Kind zu beklagen, daß es aus dem bisherigen Unterrichte der Natur in die(Volks⸗) Schule gehen müſſe, würde er mit einem Dieſter⸗ weg und Andren vielmehr gewünſcht haben, daß mit ſachgemäßer Aenderung dieſelbe natür⸗ liche Unterrichtung auch auf die höheren und höchſten Schulen übergehen möge, was heut' zu Tage auch mehrfach erſtrebt wird.
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V. Das offene Geheimniß des Wormſer Schulweſens und deſſen Kritik.
Unter Kritik verſtehen wir hier nur jene billige oder wohlwollende Beurtheilung, die zwar das Gute, welches ſeit Jahren unſere Schule leiſtet, ſowie einen günſtigen Unter⸗ ſchied zwiſchen Sonſt und Jetzt gerne anerkennt, aber doch auch Manches noch auffallend oder zu verbeſſern findet.
Nachdem das hieſige Schulweſen unter mannigfacher Schwierigkeit ſich zu einer ge⸗ wiſſen Geſtaltung empor gerungen hatte; machte es auswärts mehr Aufſehen, als es


