— 13—
ihm auch nur karge Nahrung geboten. Wir erfahren dort weniger von Dem, was An⸗ dere erforſchten, als was ſie meinten. Dieſe Meinungen in Syſteme hineinge⸗ zwungen, ſind es, welche wir uns aneignen müſſen, um ſie bei einer künftigen Prüfung unverändert recitiren zu können.“
Dieſe Aeußerungen eines Philoſ ophen⸗ über unſer geſammtes Unterrichtsweſen iſ, wie bemerkt, beachtenswerth, und zwar in doppelter Beziehung. Erſtlich weil ein Phi⸗ loſoph ſich darüber äußert. Denn in unſerem philoſophiſchen Deutſchland hat bisher meines Wiſſens noch kein Philoſoph von großem Namen ſich mit dem Erziehungsweſen, namentlich mit dem der Volksſchule, beſonders befaßt, als der patriotiſche Fichte, welcher in Peſtalozzi's naturgemäßer Lehrmethode die Wiedergeburt der deutſchen Nation begrüßte, und nebſtdem Herbart, welcher die Pädagogik zuerſt wieder, wie bei den Griechen Plato und Ariſtoteles gethan, zu einem weſentlichen Theil der Philoſophie machte und zu einer ſelbſtſtändigen Wiſſenſchaft erhob.— Beachtenswerth iſt jene Aeußerung aber noch mehr dadurch, daß ſie kein bloßes aprioriſches Hirngeſpinnſt iſt, ſondern auf einer ſehr geſunden Anſicht beruht, wie wir ſolche bei Peſtalozzi und den übrigen Reformatoren der Erziehung finden. Unſer Philoſoph iſt ja zugleich ein beſonnener Naturforſcher und an der Hand der Natur konnte er ſich in keine unpractiſchen Träumereien verirren. Aber je höher der practiſche Pädagog dieß ihm anſchlagen muß, deſto mehr iſt zu verwundern, daß aus ſeiner Aeußerung zugleich eine völlige Unbekanntſchaft mit den neueſten Fortſchritten im Unterrichtsweſen, namentlich in dem der Volksſchule, hervorleuchtet. Auf dieſe Weiſe giebt er, wie Eingangs bemerkt, einen neuen merkwürdigen Beleg dafür, daß den höheren Re⸗ gionen im Leben wie in der Wiſſenſchaft noch ſo ganz verborgen iſt, wie im Schoße des Volkes ſelbſt, unter weniger oder gar keiner ſonderlichen Pflege von Oben, die Keime zu
einer geſunden und nationalen Bildung emporgeſproßt ſind, nämlich in der guten, nach der modificirten Methode Peſtalozzi's wirkenden Volksſchule, und wie wir hier durch größere Unterſtützung, Vervollkommnung und Fortführung, wie ſie nämlich aus dem Stande der Volkslehrer ſelbſt beantragt wurde, die Frucht gewinnen könnten, die wir bis jetzt, trotz unſerer wiſſenſchaftlichen Schätze noch nicht gewannen, eine gediegene Nationalbildung, ohne welche wir gegen andere Nationen politiſch immer minderjährig bleiben.— Hätte unſer achtungswerther Philoſoph nur eine Volksſchule geſehen, wie wir in unſerem Kreiſe viele zu ſehen Gelegenheit hatten, hätte er hier mit ſeinem klaren naturforſchenden Auge geſehen, wie hiernach den von Peſtalozzi wiederholten Winken die allgemeine Menſchenbildung der Standesbildung vorgeht, wie der kundige Erzieher keine Kraft in den Zögling hineinzu⸗ tragen, ſondern nur Hinderniſſe der natürlichen Entwicklung wegzuräumen angewieſen iſt, wie er den Glauben durch den Glauben, nicht durch das Wiſſen des Geglaubten, das Denken durch das Denken, nicht durch das Wiſſen des Gedachten, die Liebe wieder aus


