Die Handelsfachschule— das besagt schon ihr Name— ist von vornherein als reine Fachschule gedacht; sie ist eine Schwesteranstalt der kaufmännischen obliga— torischen Fortbildungsschule. Da ihr Besuch an bestimmte Aufnahmebedingungen ge— knüpft ist und sie ausserdem allein für den kaufmännischen Unterricht 2 Wochenstunden mehr hat als jene Schule, so kann sie sich ihr Lehrziel höher stecken, und dazu kommt, dass sie in einem wahlfreien fremdsprachlichen Unterricht ihren Schülern die Möglichkeit der Ausbildung auch nach dieser Richtung hin zu geben vermag. Wie gross das Be— dürfnis gerade einer derartigen Ausbildung ist, das geht aus der Tatsache hervor, dass im Durchschnitt mehr als 75% der Handelsfachschüler sich an dem ÜUnterricht in einer
fremden Sprache, viele an dem in beiden beteiligten. Aus der Verschiedenartigkeit der Vorbildung in den Fremdsprachen— denn die Handelsfachschule hat unter ihren Schülern solche aus allen Schulgattungen— ergaben sich namentlich anfangs recht grosse
Schwierigkeiten für die Bildung der einzelnen Klassen. Mit der wachsenden Zahl der Pa- rallelklassen sind diese Schwierigkeiten geringer geworden, ohne indessen ganz behoben zu sein. Der erfreulich grosse und von Jahr zu Jahr wachsende Besuch der Handelsfach- schule ist nicht nur ein Beweis für das gesunde Bildungsstreben der jungen Kaufleute, er legt auch Zeugnis ab von dem Verständnis und dem Interesse der kaufmännischen Kreise Frankfurts für diese Abteilung der Handelslehranstalt; in einer grossen Anzahl von Fällen sind diese es gerade gewesen, die ihre Lehrlinge auf die Handelsfachschule auf- merksam gemacht, deren Besuch wohl geradezu gefordert haben. Man darf danach hoffen, dass auch die Kreise, in denen ein 8— 12stündiger Schulbesuch der Kaufmanns—- lehrlinge als ein zu grosses Opfer an Zeit angesehen wird, sich immer mehr davon überzeugen, dass dieses unleugbare Opfer im Interesse einer Sache gebracht wird, die für die Heranbildung der künftigen kaufmännischen Generation eine ernste Bedeutung hat. Die Ausgestaltung des Lehrplanes der Handelsfachschule hat ihre Rich- tung erhalten durch die immer stärker hervortretende Ueberzeugung der Lehrer, dass diese 8 Stunden der drei Jahreskurse nach Möglichkcit für die reine Fachausbildung ausgenutzt werden müssten, um das Opfer, das den kaufmännischen Kreisen durch den Besuch dieser Schule scitens ihrer Lehrlinge auferlegt wird, auch voll rechtfertigen zu können. Dem- gemäss ist der etwas breitere Raum, den man anfangs noch den allgemeinbildenden und technischen Unterrichtsfächern([Deutsch, Schreiben) eingeräumt hatte, allmählich mehr eingeengt zu Gunsten des rein kaufmännischen Unterrichts.
In der Abteilung für Drogisten, die auf eine Anregung des Frankfurter Drogistenverbandes der Handelsfachschule angegliedert wurde, wird auf die besonderen Bedürfnisse dieses Betriebes Rücksicht genommen; freilich musste, da auch hier nicht über acht Wochenstunden hinausgegangen werden konnte, die rein kaufmännische Aus- bildung auf das Notwendigste beschränkt werden. Aber indem in die in Gemeinschaft mit der Drogistenvereinigung am Schluss des dritten Jahres abgehaltene Drogistengehilfen- prüfung auch die Prüfung in den kaufmännischen Fächern aufgenommen wurde, erhielt auch diese Seite der Xusbildung der Drogistenlehrlinge erhöhte Bedeutung.
Das Schmerzens- und Sorgenkind der Handelsfachschule ist der einjährige Kurs. Er wurde begründet in der Ueberzeugung, dass auch für die mit der Be- rechtigung zum Einjährig-Freiwilligendienst von den höheren Schulen in den kauf- männischen Beruf eintretenden jungen Leute eine theoretische kaufmännische Ausbildung durchaus wünschenswert sei. Dem Gedeihen dieser Abteilung, die es nie auf eine volle Klasse gebracht hat, vorübergehend sogar ganz eingehen musste, ist wohl vor allem der Umstand hinderlich, dass in der kaufmännischen Welt Lehrlinge mit der Berechtigung zum Einjährig-Preiwilligendienst nicht nur wegen ihrer grösseren geistigen Reife und Allgemeinbildung, sondern auch deshalb bevorzugt werden, weil sie nach dem hiesigen Ortsstatut von der obligatorischen Fortbildungsschulpflicht befreit sind. Zu wünschen
wäre aber, dass da, wo es möglich ist, das Opfer im Interesse der tüchtigen Ausbildung der jungen Kaufleute auch hier gebracht würde.


