Aufsatz 
Die städtische Handelslehranstalt 1903-1913
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1

die für ihre weitere Fortbildung und für ihren künftigen Beruf von Bedeutung sein könnten, so etwa die Berechtigung für den Reichsbankdienst. Indessen haben Verhandlungen nach dieser Richtung vorläufig nicht zum Ziele geführt; als Berechtigungen, die für dep kaufmännischen Beruf in Frage kommen, bleiben demnach zunächst die des Besuchs einzelner Handelshochschulen(Cöln, Frankfurt). Nach dieser Richtung hin aber wird man noch einen weiteren Ausbau versuchen müssen, und von diesem Gesichtspunkt aus hat auch die Reifeprüfung der höheren Handelsschule ihre Bedeutung. 85 Abiturienten hat die höhere Handelsschule in diesen 10 Jahren entlassen; die meisten von ihnen traten in den kaufmännischen Beruf, eine kleinere Gruppe erwählte den Beruf des Handels- lehrers auf Grund des Studiums an der Akademie für Sozial und Handelswissen- schaften.

Grössere Wandlungen hat die Abteilung durchgemacht, aus der sich die Handels- realschule entwickelt hat. Sie wurde 1903 als sogenannte mittlere Handelsschule nach sächsischem Muster gegründet; bestand demgemäss aus drei Jahrgängen, die den drei obersten Klassen einer Realschule entsprechen sollten. Bei dieser Schulgattung war nicht scharf ausgesprochen, ob sie eine Allgemeinbildungsschule mit starkem fachwissenschaft- lichen Einschlag oder umgekehrt eine Fachschule mit einem noch stärkeren allgemein- bildenden Einschlag als bei der höheren Handelsschule darstellen sollte. Zunächst neigte sie jedenfalls dieser letzteren Richtung zu. Aber schon nach dem dritten Jahre ihres Bestehens beschloss der Magistrat, den allgemeinbildenden Charakter dieser Schule Stärker zu betonen. Demgemäss wurde 1907 mit dem Ausbau der Realschule nach unten durch Begründung der Sexta begonnen und der Abschluss des äusseren Baues einer sechs- klassigen Realschule Ostern 1909 vollendet. Massgebend für diese Neugestaltung war in erster Linie der Gesichtspunkt, dass es nicht unbedenklich sei, die Schüler mit der Tertia schon einer Schule zuzuführen, die durch ihren stark fachlichen Charakter den Uebergang auf eine andere höhere Schule unmöglich machte, die Eltern also hinsicht- lich der Berufswahl ihrer dieser Schule anvertrauten Kinder festlegte. Es muss hervor- gehoben werden, dass man nicht nur hier in Frankfurt a. M. diese Bedenken geltend machte, sondern dass in denselben Jahren eine von dem Deutschen Verband für das kaufmännische Unterrichtswesen eingesetzte Kommission, an deren Arbeiten Ludwig Voigt in hervorragendem Masse beteiligt war, zu derselben Ansicht gelangte. Die Handelsrealschule in ihrer jetzigen Organisation stellt demgemäss eine Allgemeinbildungs- schule dar, die in ihren drei unteren Jahrgängen in keiner Weise von dem Lehrplan der Normalrealschule abweicht. Ihre Eigenart gegenüber diesen letzteren erhält sie in den drei folgenden Jahrgängen einmal durch die Einfügung besonderer kaufmännischer Unterrichtsstunden, sodann aber auch dadurch, dass in den allgemeinbildenden Unter- richtsfächern auf die Interessen und den Ideenkreis des künftigen kaufmännischen Berufs besondere Rücksicht genommen wird durch Auswahl der Lektüre, durch Ein- führung fremdsprachlicher Korrespondenz, durch die Betonung der wirtschaftlichen Momente im Geschichts- und Geographieunterricht. Aber indem die Handelsrealschule auch in dieser Oberstufe den Lehrplan der Normalrealschule in allen allgemeinbildenden Fächern zu Grunde legt, ermöglicht sie es ihren Abiturienten, sowohl an die Oberreal- schule wie auch in andere als kaufmännische Berufe einzutreten. Denn die Berechtigungen, die die Handelsrealschule verleiht, sind dieselben wie die der Normalrealschule. Trotz=- dem bleibt es aber natürlich der Hauptzweck der Handelsrealschule, tüchtige Kaufleute mit einer gediegenen Allgemeinbildung ins Leben hinauszuschicken; von 177 Abiturienten, die die Handelsrealschule 1006 1912 verlassen haben, haben die meisten denn auch den kaufmännischen Beruf ergriffen, ein Teil, nachdem er zuvor noch die höhere Handels- schule besucht hatte. Der Verein ehemaliger Handelsrealschüler, der sich sehr bald, nach dem die ersten Abiturienten die Schule verlassen hatten, bildete, hat uns die Möxglichkeit gegeben, die weitere Entwicklung zahlreicher Schüler zu verfolgen; und es ist uns eine Freude, daraus zu ersehen, wie viele von ihnen es zu angesehenen Stellungen im In- lande wie im Auslande gebracht haben.