Aufsatz 
Die städtische Handelslehranstalt 1903-1913
Entstehung
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grenzung des Lehrerkollegiums für diese Abteilung notwendig; der Umstand, dass der verschiedene Anfang der Unterrichtsstunden in der Fachschule und in der Mädchen- handelsschule die Beschäftigung von Lehrern an beiden Abteilungen gleichzeitig erschwerte, führte dazu, auch hier eine vollkommene Scheidung des Lehrerkollegiums durchzuführen. Wenn es bei dieser Sachlage in erster Linie die Aufgabe der Leitung der Schule war, die Einheitlichkeit der gesamten Handelslehranstalt zu erhalten, so er- gaben sich doch auch sonst noch Gelegenheiten, diese Einheitlichkeit hochzuhalten und zu betonen. In diesem Sinne wirkten nicht nur die Vertretungen bei längeren Er- krankungen und Beurlaubungen von Lehrern aller Abteilungen untereinander, auch ge- legentliche Gesamtkonferenzen zur Besprechung von Angelegenheiten der Gesamthandels- lehranstalt verfolgten denselben Zweck, und namentlich wurden auch die beiden jährlichen Hauptschulfeiern von diesem Gesichtspunkte aus geleitet: die Kaisergeburtstagfeier und die Schlussfeier des Schuljahres versammelten alljährlich die ganze Schule; und gerade hier- durch wurde es möõxglich, diesen Schulfeiern eine besondere Eigenart zu verleihen, in dem Zusammenwirken von Schülern und Schülerinnen der verschiedensten Altersstufen zu musikalischen und deklamatorischen Vorträgen. Preilich entbehrt die Schule eines Ver sammlungsraumes für eine so grosse Anzahl von Schülern und Schülerinnen, so war die Schule denn genötigt, ihre Feiern in gemieteten Räumen abzuhalten in den letzten Jahren reichte dafür nur noch der grosse Saal des Kaufmännischen Vereins aus, denn es handelte sich meist um etwa 1200 Schüler und Schülerinnen.

Werfen wir nun weiter einen Blick auf die innere Entwickelung der ein- zelnen Abteilungen der Handelslehranstalt, so finden wir, dass die höhere Handelsschule wie äusserlich in ihrer Schülerzahl so auch in ihrer inneren Ent- wickelung die grösste Stabilität bewahrt hat. Der Lehrplan ist in den 1o jahren unver- ändert geblieben, und auch die Stoffverteilung hat nur unwesentliche Aenderungen erfahren. Es darf wohl behauptet werden, dass schon daraus hervorgeht, dass der Gedanke, der der Aufstellung des Lehrplanes der höheren Handelsschule zu Grunde lag, sich als durch- aus richtig bewährt hat: Schaffung einer höheren Fachschule mit starkem allgemein bil- denden Einschlag. Denn die höhere Handelsschule will ihre Absolventen befähigen, die höchsten Stellen im kaufmännischen Beruf einzunehmen, sei es im Bankwesen, sei es in den grossen Export- und Importgeschäften, sei es endlich auch für den Dienst im Aus- lande. Dass den Schülern die Gelegenheit gegeben wird, noch eine dritte fremde Sprache (Italienisch oder Spanisch) zu erlernen, hat sich besonders gut bewährt; die meisten Schüler haben sich an dem Unterricht in ciner der beiden Sprachen beteiligt. Es soll natürlich nicht gesagt sein, dass der Lehrplan der höheren Handelsschule nicht verbesse- rungsfähig und verbesserungsbedürftig sei, vielleicht hinsichtlich einer noch stärkeren Betonung des Französischen und Englischen wenigstens im ersten Schuljahr, aber die Grundlagen des Lehrplans darf man als so gesund betrachten, dass an ihnen wesentliche Xenderungen sich nicht als notwendig erweisen dürften. Mit gewissen Schwierigkeiten hat aber auch die höhere Handelsschule zu kämpfen gehabt. Die eine beruht in der Ver- schiedenartigkeit der Vorbilclung der eintretenden Schüler gerade auf dem Gebiete der neueren Sprachen, die den Unterricht in diesen Fächern namentlich in der 2. Klasse nicht unerheblich erschwert. Als ein zweiter Uebelstand, auf den von Anfang an in den Jahresberichten hingewiesen worden ist, tritt uns die Tatsache entgegen, dass eine grosse Zahl der Schüler nach einjährigem, oft noch kürzerem Besuch die höhere Handelsschule wieder verliess, meist um schon früher in den kaufmännischen Beruf einzutreten. Es kann auch an dieser Stelle nur wieder betont werden, dass ein solch abgebrochener Be- such der höheren Handelsschule so gut wie wertlos ist, da nirgends ein Abschluss erreicht worden ist. Der höheren Handelsschule erwächst aus solchen Besuchern aber auch noch die Unannehmlichkeit, dass sie nach deren Kenntnissen und Leistungen seitens der kauf- männischen Geschäfte, in die diese Schüler eintreten, gewertet wird.

. Die höhere Handelsschule will keine Berechtigungsschule sein; immerhin müsste es wünschenswert erscheinen, ihren Absolventen wenigstens die Berechtigungen zu verschaffen,