Aufsatz 
Die städtische Handelslehranstalt 1903-1913
Entstehung
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In der Mädchenhandelsschule trat, wie schon oben bemerkt, hinsichtlich der Organisation sehr bald nach der Richtung eine Aenderung ein, dass anstelle der Fach- schule für im Beruf tätige Mädchen mit dreijährigem Kurs zu der einjährigen Ab- teilung mit vollem Tagesunterricht eine solche von zweijähriger Dauer hinzutrat. Eine grössere Aenderung im Lehrplan erfuhr nun die einjährige Abteilung, deren Stundenzahl von 26 auf 32 erhöht wurde, indem den beiden Fremdsprachen und den kaufmännischen Unterrichtsfächern mit Ausnahme der Handelskorrespondenz je eine Stunde hinzugefügt wurde. Das war hinsichtlich der kaufmännischen Fächer unbedingt notwendig, wenn man in dem einen Jahre dasselbe Ziel erreichen wollte wie in der zweijährigen, deren Stundenzahl in diesen Fächern immer noch nicht unwesentlich grösser ist als in der einjährigen Ab teilung. Man darf daher wohl die Frage aufwerfen, ob die Erreichung desselben Lehr- zieles in den kaufmännischen Fächern für die Schülerinnen der einjährigen Abteilung nicht eine zu grosse Anspannung ihrer Kräfte verlangt oder auf Kosten der Gründlichkeit der Ausbildung geht. Die Erhöhung der fremdsprachlichen Stunden in der einjährigen Abteilung schien geboten wegen der Verschiedenartigkeit der Vorbildung der aus den höheren Töchterschulen und aus den Mittelschulen stammenden Schülerinnen dieser Ab- teilung. Freilich wurde anderseits durch diese Vermehrung in Bezug auf die Fremdsprachen der Unterschied zwischen den beiden Abteilungen der Mädchenhandelsschule noch grösser. Indessen musste man sich in dieser Hinsicht überhaupt sagen, dass es unmöglich sei, mit den Schülerinnen der zweijährigen Abteilung, die mit dem Sprachunterricht erst beginnen mussten, dasselbe Ziel zu erreichen, wie mit den Schülerinnen der einjährigen mit mehr- jähriger fremdsprachlicher Vorbildung. Man darf hier die Frage aufwerfen, ob es richtig war, den Lehrplan der zweijährigen Mädchenhandelsschule mit zwei fremden Sprachen zu belasten, zumal die Schülerinnen sich doch auch in den ganz neuen Vorstellungskreis der kaufmännischen Unterrichtsfächer einarbeiten müssen. So gibt es gerade auf dem Gebiete der weiteren Ausgestaltung der Mädchenhandelsschule mancherlei Fragen, deren Lösung der Zukunft vorbehalten bleibt.

Wenn bislang bei den einzelnen Abteilungen der Handelslehranstalt immer nur von dem Unterricht im engeren Sinne die Rede gewesen ist, so darf hier doch auch noch darauf hingewiesen werden, dass die Schule bemüht gewesen ist, ihre Schüler auch ausser- halb des Unterrichts zu fördern. So erhielten Schüler und Schülerinnen der oberen Klassen alljährlich Anregung auf dem Gebiete der neueren Sprachen durch Teilnahme an den von der neusprachlichen Vereinigung veranstalteten französischen und eng- lischen KRezitationen und Theateraufführungen; der Besuch der Börse, kauf- männischer und gewerblicher Betriebe belebte und ergänzte das im kauf- männischen und technologischen Unterricht Gelernte, und dankbar muss es auch an dieser Stelle hervorgehoben werden, dass unsere Schule bei solchen Veranstaltungen fast immer Verständnis und freundliches Entgegenkommen seitens der betreffenden Firmen gefunden hat. Eine ganz besondere Anregung haben die Schüler der Klasse I der höheren Handels- schule durch die dreimal(1904, 1905, 1907) in Begleitung von Lehrern während der Herbstferien unternommenen Studienreisen erhalten, die die Schüler durch Gegenden führten, die in Industrie und Handel eine führende Rolle spielen. Es wäre zu wünschen, dass solche Studienreisen, die allerdings eine monatelange sorgfältige Vorbereitung fordern, sich hin und wieder ermöglichen liessen, denn der Nutzen einer so vorbereiteten und verständnisvoll geleiteten Studienreise lässt sich nicht hoch genug einschätzen.

Mannigfaltig und anregend waren die Beziehungen der städtischen Han- delslehranstalt nach aussen; mit den zahlreichen verwandten Schulen Deutsch- lands und der Nachbarländer wurde nicht nur durch den Austausch der Jahresberichte Verbindung gehalten; durch schriftlichen Austausch der Erfahrungen, durch gegenseitige Besuche der Anstalten und daran sich anknüpfende mündliche Aussprache wurde manche wertvolle Anregung gewonnen. Die Teilnahme an den Kongressen und Ausschusssitzungen des Deutschen wie des Internationalen Verbandes für das kaufmännische Unterrichts- wesen war ganz besonders geeignet zum Austausch der Ideen und Erfahrungen, die der