Aufsatz 
Über die Behandlung einiger Abschnitte der deutschen Grammatik auf der unteren Stufe höherer Lehranstalten / von Ludwig Tachau
Entstehung
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Guſtav Weinberg, vom 1. October 1887 an der Kandidat des höheren Schulamts Bernhard Dannenberg.

Das Lehrerkollegium beſteht gegenwärtig außer dem Direktor nach der Anciennität aus den Herren: Louis Müller, Blum, Kunkel, Stix, Dr. Epſtein, Wertheim, Herz, Dr. Brüll, Dr. Steinhard, Heinemann, Dr. Mannheimer, Frank, Schulz, Dr. Ferwer, Scherer, Bornſtein, Georg Müller, Dr. Kracauer, Dr. Tachau, Dr. Schwarz, Dr. Kuttner, Strauß, Dr. Dobriner, Dr. Michel, Dr. Cohn, Dr. Löhren, den Schulamtskandidaten: Dr. Guſtav Weinberg und Bernhard Dannenberg und den Lehrerinnen: Stern, Schierholz, J. Meier, Fiſcher, E. Meier und Sophie Goldberg. Als Hiffslehrer waren beſchäftigt die Herren Oberlehrer Profeſſor Schlimbach, Dr. Veit Valentin, Dr. Boullenot und Fräulein Frances Cahn.

Unſer Kollege Herr Blum mußte zu unſerem großen Bedauern vom 1. Januar cr. an wegen eines Halsleidens beurlaubt werden; der von ihm bis dahin in der Realſchule erteilte Unterricht wurde Herrn Dr. Jaennicke übertragen, ſeinen Unterricht in der Mädchenſchule übernahm Herr Dr. Epſtein.

An dieſer Stelle erwähnen wir des am 31. October 1887 infolge eines Herzſchlages plötzlich er⸗ folgten Heimganges unſeres ehemaligen Kollegen Dr. Jakob Auerbach. Er wurde am 3. Noventber unter Teilnahme des Schulrats, des Lehrerkollegiums und der Schüler der oberſten Klaſſen zur ewigen Ruhe geleitet. Wir haben in den voranſtehenden Blättern ſeinen Lebensgang zu vergegenwärtigen geſucht; möge hier der ihm an der Bahre von uns gewidmete Nachruf eine Stelle finden:

Ich lege einen Kranz auf dieſe Bahre, ein Zeichen dankbarer Verehrung, dargebracht von der Schule unſerer Gemeinde.

Als Religionslehrer und Lehrer des Deutſchen ſtand der Heimgegangene im Mittelpunkte der ethiſchen Aufgabe der Schule, und er hat dieſe Aufgabe von dem erhabenſten Geſichtspunkte aus aufgefaßt und in unabläſſiger Arbeit an ſich und ſeinen Schülern erfüllt.

Von früheſter Jugend an wurde er nach der Väter Weiſe in Thora und Talmud unterrichtet. Erſt nachdem er ſo zu der ihn ſpäter auszeichnenden rabbiniſchen Gelehrſamkeit den Grund gelegt hatte, erhob er ſich durch ſeine Gymnaſial⸗ und Univerſitätsſtudien zu der Höhe der Bildung ſeiner Zeit. Die für ſeine geiſtige Entwicklung entſcheidende Lebensepoche fällt in die Zeit, in welcher in Folge der durch die Julirevolution hervorgerufenen Bewegung in dem religiöſen, politiſchen und literariſchen Leben der deutſchen Nation der Liberalismus mächtige Impulſe erhielt, Impulſe, von denen die jüdifche Theologie, der ſich Auerbach gewidmet hatte, mit nichten unberührt blieb. Für die Richtung, die Auerbach einſchlug, iſt zweierlei bezeichnend. Zuerſt die Thatſache, daß er ſich damals in eifriger Vorarbeit mit einer Biographie Leſſings beſchäftigte, Studien, die ſpäter in ſehr bemerkenswerten, bleibend wertvollen Abhandlungen über Leſſing und Mendelsſohn hervortraten; ſodann aber das enge, damals für das ganze Leben geſchloſſene Freundſchaftsbündnis mit zwei hervorragenden Männern, von denen der eine, aus der jüdiſchen Theologie herauswachſend, als einer der populärſten deutſchen Dichter und Schriftſteller ein beredter Verkündiger des Humanitätsgedankens wurde, der andere als Rabbiner eine Epoche machende reformatoriſche und wiſſenſchaftliche Thätigkeit entfaltete. Jacob Aue rbach, beiden geiſtesverwandt, beiden zwar an kühner, ſchöpferiſcher Kraft, keineswegs aber an Adel der Geſinnung, hoher Begabung