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und ſcharfem, kritiſchem Blick nachſtehend, wurde Lehrer und brachte in einer langjährigen, reichgeſegneten Lehrthätigkeit beide Richtungen in durchaus ſelbſtſtändiger Weiſe zu wirkſamem Ausdruck.
Hier an unſerer Schule fand er den Boden zu ſolcher Thätigkeit geebnet, vornehmlich durch Heß und Johlſon, durch Joſt und Creizenach, deſſen unmittelbarer Nachfolger er wurde.
Wie er mit ſeiner religiöſen Üüberzeugung voll und ganz auf dem Boden des Judentums ſtand, ſo wurde er ein beredter Verkündiger der ewigen Wahrheiten unſerer Religion. Ein bleibendes Denkmal dieſer ſeiner Lehrthätigkeit iſt die mit feinem Sinn, pädagogiſchem Takt und großer Sorgſamkeit gear⸗ beitete, von ihm herausgegebene Schul⸗ und Hausbibel, unſtreitig das beſte Werk dieſer Art. Und wie er zu allen Zeiten die großen Errungenſchaften des deutſchen Geiſteslebens hochhielt, wie er an ſich ſelbſt den Segen deutſcher Wiſſenſchaft und Bildung erfuhr, ſo war ihm die Pflege deutſcher Bildung in unſerer Jugend nicht minder eine Herzens⸗Angelegenheit. In der Erziehung zur Humanität, in der Bildung und Veredlung des Menſchen als Menſchen ſah er mit Recht die höchſte Aufgabe der Schule, und dieſer Aufgabe war ſeine ganze Schulthätigkeit gewidmet.
So hat er unter uns gewirkt, und es gilt von ihm, was geſchrieben ſteht:„Lehre der Wahrheit war in ſeinem Munde, und Unrecht fand ſich nicht auf ſeinen Lippen; in Frieden und Redlichkeit wandelte er vor Gott, und viele hat er von der Sünde zurückgebracht“.
Zu ſo treuem, reichem Wirken erneute ſich immer die Kraft durch das ſeltene Glück ſeiner Häus⸗ lichkeit. Er ſah ſeine Kinder heranwachſen und ſeine Wege wandeln. An der Seite ſeiner edlen, verſtändnisvollen Gattin hat er ein hohes Alter erreicht. Wie ein Patriarch ſtand er im Kreiſe ſeiner Kinder und Enkel, die in Liebe und Verehrung zu ihm aufſchauten, und die hinwiederum die Freude und das Glück ſeines Lebens ausmachten. Ein Lebensabend voll reinen Glückes war ihm beſchieden; er war ganz ſeinem Familienkreiſe und wiſſenſchaftlichen Studien gewidmet. Noch der letzte Morgen ſeines Lebens war durch ſolche Studien belebt;„ſein Auge war nicht trübe geworden, und ſeine Lebensſäfte waren nicht geſchwunden“— plötzlich war ſein Lebensfaden abgeſchnitten.
Sein Leben und Sterben gemahnt uns an den Mann aus der Urzeit, von dem die Schrift berichtet:„er wandelte mit Gott, und da war er nicht mehr, denn Gott hatte ihn genommen“.
So iſt er von uns geſchieden, ſchmerzlos, ahnungslos, friedlich. Wir aber blicken auf ſein Leben mit Dank gegen die Vorſehung für den Segen, der uns durch ihn geworden, wir getröſten uns der Ver⸗ heißung:„Die Weiſen werden leuchten, wie der Glanz des Himmels, und die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt, wie die Sterne immer und ewig“. So ſei Friede mit Dir! Geſegnet war Dein Leben, geſegnet bleibe Dein Andenken! Amen!“
Aus dem Schulrat ſchied am Schluß des Schuljahres 1886/87 Herr Bernhard Schuſter; an ſeine Stelle wurde Herr Victor Ullmann gewählt und von dem Königlichen Provinzial⸗Schul⸗Kollegium beſtätigt; der Schulrat beſtand demnach im Schuljahr 1887/88 aus den Herren: A. Durlacher(Vor⸗ ſitzender), Philipp Bonn, Dr. med. G. Cohn, J. Ed. Goldſchmid, Adolf Doctor, Victor Ullmann, ferner aus den Delegierten des Gemeinde⸗Vorſtandes den Herren Stadtrat Adolf H. Strauß, Joſeph Baer und Wilhelm Feiſt und dem Delegierten des Gemeinde⸗Ausſchuſſes Herrn Julius Angelheim. Als Aktuar des Schulrats fungierte Herr Rechtsanwalt Dr. Rieſſer.


