Aufsatz 
Über die Behandlung einiger Abschnitte der deutschen Grammatik auf der unteren Stufe höherer Lehranstalten / von Ludwig Tachau
Entstehung
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XIX

attributiven Adjektiv auf eine Stufe zu ſtellen, und ebenfalls als Attribute anzuſehen. Dem würde meiner Meinung nach abgeholfen, und man würde das Verſtändnis weſentlich fördern, wenn man zwiſchen Attribut im engeren und Attribut im weiteren Simne unterſcheiden würde. Zur erſten Klaſſe wären alle diejenigen Beifügungen zu rechnen, die dem Subſtantiv eine das Weſen und den Charakter deſſelben beſtimmende Eigenſchaft beilegen, den Beſitzer nennen u. ſ. w.; zur zweiten Art würden alle diejenigen gehören, welche Beſtimmungen allgemeiner Natur zu dem Subſtantiv hinzufügen, und dies geſchieht außer durch einige Arten der Pronomina und der Zahlwörter auch durch den Artikel. Denn es iſt klar, daß ſobald z. B. die Pronom. jeder, mancher, welcher u. ſ. w. als Attribut gefaßt werden, der Artikel ein gleiches Anrecht darauf hat, oder falls man dieſen nicht als Attribut gelten laſſen will, auch jene ohne weiteres aus der Reihe der Attribute zu ſtreichen ſind. Der Einwand, der etwa erhoben werden könnte, daß der Artikel bei ſeinem euklitiſchen Weſen dermaßen eng mit ſeinem Subſtantiv verwachſen ſei, daß er nicht wohl von demſelben getrennt werden könne, ohne Sinnloſigkeit zu erzeugen, iſt durchaus hinfällig. Wenn man in dem Satze:dieſer Knabe lernt nichts, als Subjekt Knabe, dieſer aber als Attribut faßt, wie es allgemein geſchieht, erzeugt man da nicht die nämliche Sinnloſigkeit? Stichhaltig wäre alſo jener Grund höchſtens, wenn man dieſer der Knabe, alle die Menſchen u. ſ. w. ſpräche und ſchriebe, wie das z. B. im Griechiſchen und Franzöſiſchen der Fall iſt. Ich kann auch gar nicht finden, daß der Artikel eine euklitiſchere Natur haben ſollte, als z. B. das perſön⸗ liche Pronomen vor einer Verbalform, wie: du trägſt, und hier iſt doch du wegen der die Perſon genügend klar bezeichnenden Endung ſt völlig entbehrlich; oder als das Wörtchen gar mit irgend einem Adjektiv, wie: ein gar unglücklicher Menſch. In beiden Fällen wird es doch niemanden einfallen, du und gar bei der Zergliederung des Satzes ganz zu überſehen! Und ſo falſch es iſt, das Wörtchen nicht beim Analyſieren eines Satzes wie:er trank nicht mit dem Verbum zuſammenzunehmen und als Prä⸗ dikat zu bezeichnen, ſo unrichtig iſt es in dem Satze:der Mann trank nicht den Artikel mit dem Subſtantiv zuſammen als Subjekt zu faſſen. Wie dortnicht adverbiale Beſtimmung iſt, ſo iſt hier der ein Attribut.

Daß man ſich ſträubt, den Artikel als Attribut gelten zu laſſen, mag wohl mit daher kommen, daß man die Arten der Attribute gewöhnlich bloß nach Wortarten aufzählt. Da lehren die Grammatiken, daß das Attribut ausgedrückt werden kann durch: 1) Adfjektive, 2) Participien, 3) Prono⸗ mina, 4) Zahlwörter zuſammengefaßt als adjektiviſche Attribute 5) durch ein Subſtantiv als Appoſition, 6) ein Subſtantiv im Genitiv, 7) ein Subſtantiv mit Präpoſition zuſammengefaßt als ſubſtantiviſche Attribute 8) durch Adverbia allein, 9) durch Adverbia mit Präpoſition adverbiale Attribute, zu denen 10) noch das Verbum im Infinitiv hinzutritt.(Nebenbei geſagt, iſt die Auf⸗ zählung nicht einmal vollſtändig, denn es müßte hinter 6) doch auch noch das Pronomen im Genitiv hinzugefügt werden, z. B. die Freunde deſſelben, hinter 5) müßte ſtehen: Subſtantive mit als z. B. das Pferd als Kläger; und wenn man ſo ſtreng nach Wortarten gruppieren wollte, ſo müßte man doch mit Rückſicht auf No. 10 auch von einem verbalen Attribute ſprechen und mit dieſem vielleicht No. 2 (Participien) zuſammenſtellen. Dies nur beiläufig). So ſchön geordnet jene Aufzählung erſcheinen mag, ſo iſt es doch nur eine Einteilung nach rein äußerlichen Geſichtspunkten. Weiß der Schüler einmal, daß unter Attribut jede Beſtimmung des Subſtantivs zu verſtehen iſt, ſo fördert eine derartige Einteilung die Erkenntnis nicht im mindeſten, und eine Beſchränkung auf ſie allein erſcheint mir für den Unterricht nicht richtig, da ſie gar nicht die eigentliche Verſchiedenartigkeit der zu einem Subſtantive tretenden Beſtimmungen zeigt. Das mag folgende Überlegung darthun: Einem Schüler, der das adjektiviſche