XX
Attribut kennt, wird es ganz geläufig ſein, daß z. B. 1) ein Thor von Eiſen ebenſo ein Attribut enthält, wie 2) ein eiſernes Thor. Wenn er auch ſieht, daß dort zur Bildung des Attributs ein Subſtantiv mit einer Präpoſition, hier aber ein Adjektiv verwandt iſt, ſo wird er die beiden Fälle nicht als ganz verſchiedene Arten des Attributs betrachten, während er es gewiß thun wird, wenn ihm als weiteres Beiſpiel für ein Attribut genannt wird: 3) das Thor von dem Garten oder 4) das Thor des Gartens. Hier iſt zwar in Fall 3 das Attribut auch durch ein Subſtantiv mit Präpoſition aus⸗ gedrückt, aber es nennt nicht eine Eigenſchaft, wie in Fall 1, ſondern vielmehr den Gegenſtand, dem etwas zukommt, gehört,— kurz den Beſitzer. Dies Attribut muß ihm alſo trotz der gleichen Wortart, durch die es gebildet wird, als eine ganz andere Art erſcheinen.— Noch deutlicher zeigt ſich dies bei den Pronomina. Man kann hier gar nicht alle Klaſſen der als Attribut auftretenden Pronomina auf dieſelbe Stufe ſtellen. Denn das Poſſeſſivpronomen iſt doch offenbar eine weſentlich andere Art, als z. B. das unbeſtimmte Pronomen. Sage ich: jeder Hut, ſo iſt das eine ſehr allgemein gehaltene Beifügung; ſein Hut aber giebt gerade ſo gut und beſtimmt den Beſitzer an, wie der Hut des Mannes. Will ich alſo dem Schüler die Art des Attributs erklären, ſo wird mir hier die Scheidung nach Wortarten, die Bezeich⸗ nung„pronominales Attribut“, nichts helfen, ſondern ich habe aus den Pronomina das Poſſeſſivum herauszugreifen und es mit dem Subſtantiv im Genitib auf eine Stufe zu ſtellen.— Ein anderes Beiſpiel: die neueſte Zeitung enthält eine ſcharf beſtimmte Bezeichnung der Zeitung, nicht minder aber: die Zeitung von heute, die zweite Zeitung, dieſe, jene Zeitung, die Zeitung hier, dort. Hier ſind verſchiedene Wortarten, aber im Grunde genommen zeigen ſie nur ein und dieſelbe Art von Attribut. Die ſogen. adverbialen Attribute laſſen ſich immer auf adjektiviſche zurückführen, wie auch die Subſt. mit Präpoſ. mit Unrecht eine beſondere Art bilden, ſie fallen teils mit den Subſt. im Gen., teils mit den Adjektiven als Attr. zuſammen. ¹) So komme ich zu folgender Einteilung: Die Attribute zerfallen in: I. Attribute im engeren Sinne. 1) Attribute, die dem Subſtantiv eine Eigenſchaft beilegen. Beiſpiele: das neue Haus; der blühende Baum; das Thor von Eiſen; Liebe ohne Treue; Abendunterhaltung mit Muſik; ein Himmel ohne Wolken u. ſ. w. 2) Attribute, die den Beſitzer angeben. Beiſpiele: Das Haus des Vaters; ſein Haus; die Sterne am Himmel; das Rad an dem Wagen; das Buch deſſelben; ein Buch von mir= mein Buch; ein Teil davon u. ſ. w. 3) Appoſition. Beiſpiele: Karl der Große; das Pferd als Kläger u. ſ. w. 4) Attribute, die dem Subſtantiv ſonſtige genau bezeichnete Beſtimmungen bei⸗ legen. Beiſpiele: dieſe, jene Zeitung; die Zeitung hier, dort, von geſtern, von heute; die Kinder von drüben; das Leben auf dem Lande; der Friede im Hauſe; u. ſ. w. II. Attribute im weiteren Sinne.
5) Attribute, die eine allgemein gehaltene Beſtimmung enthalten. Beiſpiele: jeder Menſch, welcher Stock, zwei Wege, der Mann, eine Frau u. ſ. w.
¹) Die Participien aber wird man gewiß von den Adjektiven in der Lehre vom Attribut gar nicht trennen;
im Gegenteil man ſollte ſich freuen, hier Gelegenheit zu haben, den Begriff Participium= Mittelwort recht klar zu machen.


