XII
als gute Frankfurter Jungen, neben zerriſſen auch verriſſen nennen und dazu als Beiſpiel angeben: mein Buch iſt mir verriſſen gangen;— oder die zu dem Verbum ſpotten neben verſpotten auch ausſpotten beibringen, und was dergleichen mehr iſt. Zur Berichtigung von ſolchen falſchen Bildungen iſt das Aufſtellen von Wortfamilien ein ſehr geeignetes Mittel, man müßte ſonſt auf einen Zufall warten, der Anlaß zu einer Belehrung in dieſer Richtung gäbe; und oft genug tritt dieſer Zufall in Geſtalt eines derartigen im Aufſatze fehlerhaft verwandten Wortes auf. Dieſem aber ſollte man früh genug vorbeugen. Geſchieht das auf dieſe Weiſe, läßt man dem Schüler, der mit Eifer, beſonders wenn man es auf Erreichung möglichſter Vollſtändigkeit einmal abſieht, alle nur erdenklichen Wortgebilde beibringen wird, die Muße, das betr. von ihm genannte Wort in Verbindung mit anderen vorzubringen und zu erklären, ſucht man ihm endlich, ab und an auch durch Herbeiziehung analoger Bildungen, am beſten in recht draſtiſcher Weiſe klar zu machen, warum dieſe oder jene Wortzuſammenſetzung ſprachlich unrichtig iſt, ſo wird unſere Jugend ein Gefühl für unſchöne und falſche Bildungen bekommen, und es werden dann beſonders die zahlreichen falſchen Wortzuſammenſetzungen, über die Andreſen, Lyon u. a. in den oben angeführten Schriften zu klagen haben, eingedämmt werden könneu.
3) Um Eintönigkeit zu vermeiden, wird man ſich nicht darauf beſchränken, einfach die einzelnen Wörter aufzählen zu laſſen, ſondern wird ſie öfter zum Gegenſtand von Üübungen machen, die an ſie angeknüpft werden können. Schon oben iſt die Rede davon geweſen, daß zur Erklärung mancher Wörter kleine Sätze gebildet werden ſollten. Ganz beſondere Beachtung iſt dann der bildlichen Bedeutung mancher Ausdrücke und Redensarten zu ſchenken. Das bedarf wohl keiner weiteren Empfehlung. Vgl. Rudolf Hildebrand, vom deutſchen Sprachunterricht S. 89 ff.— Um Abwechslung zu bieten, iſt es auch gut, an einer ſo zuſammengeſtellten Wortfamilie Üübungen orthographiſcher, grammatiſcher und ſtiliſtiſcher Natur, dem jedesmaligen Penſum der Klaſſe entſprechend, vorzunehmen. Für Sexta kann man z. B. für die Orthographie vorzüglich eine Wortfamilie wie ſchließen verwenden, gleichſam als Prüfſtein dafür⸗ ob die verſchiedenartige Schreibweiſe des ſcharfen S⸗Lautes(ß, ſſ) bekannt iſt: man laſſe ſich an einer Reihe von Wörtern dieſer Familie ihre Schreibweiſe begründen. Alſo: ſchließen, der Schließer, die Be⸗ ſchließerin, die Erſchließung, Ausſchließung— mitß hinter langem Vokal im Inlaut; dagegen: verſchloſſen, Entſchloſſenheit, Schloſſer, Schlüſſel, ſchlüſſig u. ſ. w. mit ſſ im Inlaut nach kurzem Vokal; endlich: Schließhaken, ſchließlich, Schloß, Schluß, Entſchluß u. ſ. w mit ß im Auslaut.— überhaupt wird es zur Erlangung vollſtändiger Sicherheit in der Schreibung z. B. von Wörtern mit auslautendem b, d oder t ganz unumgänglich notwendig ſein, möglichſt viele Ableitungen derſelben dem Schüler vorzuführen. 3. B. Leid, leiden, leidlich, leider, Leidenskelch, Leidensgefährte u. ſ. w. Auch für andere Gebiete der Orthographie kann die Aufſtellung von Wortfamilien ſehr nutzbar gemacht werden. Dies im einzelnen auszuführen, verbietet hier der Raum.— Grammatiſches: Hier kann man ſich von den ſämtlichen Verben einer Familie angeben laſſen, welche tranſitiv und welche intranſitiv ſind, welche von den tranſitiven auch reflexiv, bezw. welche von den vorkommenden Verben nur refleriv gebraucht werden können, und dergl. Recht großen Nutzen bringt die Berückſichtigung der Rektion einiger Verben. Von Subſtantiven mag man ſich den Plural bilden und ſie in Konkreta und Abſtrakta ſcheiden laſſen u. ſ. w.— Sti⸗ liſtiſches: Man laſſe Wörter deſſelben Stammes mit verſchiedenen Vor⸗ oder Nachſilben, aber gleicher oder doch ähnlicher Bedeutung, nebeneinander ſtellen, z. B. anweiſen, zurechtweiſen, unterweiſen; die Vorſilbe un⸗- und die Nachſilbe ⸗los in vielen Wörtern: gefahrlos— ungefährlich; grundlos— unbegründet (aber: ungründlich!); troſtlos— untröſtlich; nutzlos— unnütz; ebenſo: ⸗bar, ⸗lich und ſam u. ſ. w. Auch im Gegenſatze dazu, Wörter verſchiedener Stämme, die eine gleiche Bedeutung haben z. B. unter⸗


