Aufsatz 
Über die Behandlung einiger Abschnitte der deutschen Grammatik auf der unteren Stufe höherer Lehranstalten / von Ludwig Tachau
Entstehung
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quäle die Schüler nicht damit, ſondern nehme ſie bei Gelegenheit einige Male im Quartale, und wie ſie der Zufall ſonſt gerade bringt,als ein Biſſen Kuchen unter das Brot. Selbverſtändlich braucht man auch die ganze Familie nicht auf einmal zu erſchöpfen: man wird bei Gelegenheit immer nachtragen ¹) und ſich dann wohl das Hauptſächlichſte und am meiſten Bemerkenswerte des ſchon aus derſelben Familie Durchgeſprochenen wieder zuſammenſtellen laſſen. Dabei empfiehlt es ſich, die einzelnen Wörter, abgeſehen von den allbekannten, wenn nicht in kleinen Sätzen, ſo doch in Wortverbindungen nennen zu laſſen(Beiſpiel: verſetzen, einen Baum, ein Haus, einen Beamten, einen Schüler, etwas als Pfand verſetzen, eine Ohr⸗ feige v.;= antworten); bei manchen mag man auch eine Erklärung verlangen, die dann in einem Satze zu geben iſt. Den Einwand, daß für derartige Übungen keine Zeit übrig ſei, hoffe ich weſentlich abzuſchwächen durch den im folgenden gegebenen Hinweis, wie mit dieſen Wortfamilien das gerade in der Grammatik oder Orthographie Behandelte in Verbindung geſetzt und geübt werden kann.

Der Vorteil, den ich mir von der Beſchäftigung mit ſolchen Wortfamilien auch für Schüler höherer Lehranſtalten verſpreche, beſteht nun in der Hauptſache in folgendem:

1) Der Wortvorrat des Schülers wird bereichert. Dies leuchtet von ſelbſt ein. Mir iſt es aber hier nicht einmal ſo ſehr darum zu thun, die Aufnahme und Erklärung von Wörtern, die an ſich ſehr ſchwierig zu verſtehen ſind, in ſolche Gruppen zu befürworten, wie man ja allerdings den allbekannten Wörtern nützen, ausnutzen, abnutzen, nützlich u. ſ. w. auch Nießnutz, oder der Gruppe: richten, ab⸗, ver⸗, vorrichten, Richter, Richtſchnur, Richtplatz, rechten, Vorrecht, Pfandrecht auch Fauſtrecht hinzufügen kann; oder bei ſitzen wohl Truchſeß, bei wachſen urwüchſig, auf welches Wort der Sextaner bei der oben erwähnten beliebten Aufſuchung von Wörtern mit ur oder mit der Nach⸗ ſilbe ig ſchwerlich ſo leicht geführt werden könnte, wie bei Aufſtellung der Wortfamilie von wachſen. Ich ſage, ich habe dieſes nicht einmal in erſter Linie im Auge, denn das könnte man ſchließlich auch gerade ſo gut außer dem Zuſammenhange mit ſolchen Wortfamilien vorbringen, wenn man dann auch warten müßte, bis ein Zufall auf ſie führt. Beſſer ſieht man den Nutzen ſolcher Zuſammen⸗ ſtellungen ſchon ein, wenn an der Hand derſelben dem Schüler klar gemacht werden kann, daß z. B. Vormund in keiner Weiſe mit der Mund zuſammenzubringen iſt, ſondern(zum ahd. die munt= der Schutz gehörig) derzum Schutze Vorgeſetzte, der Beſchützer bedeutet, und daß mit demſelben Stamme auch Mündel und mündig zuſammenhängt, während mündlich zu der Mund gehört; oder daß Friedhof(=der zur Schonung vor einem und um ein Gebäude eingefangene, eingefriedigte Raum) nichts mit Friede, und Eiland(entſtanden aus Einland= ein allein, abgeſondert liegendes Land) nichts mit Ei zu thun hat, oder endlich daß die Sündflut ihren Namen nicht wegen der Sünden der Menſchen hat, ſondern einegroße, gewaltige, weit verbreitete Waſſerflut bezeichnet(vom alten Stamm ſin, welcherKraft, Stärke, Ausdehnung bedeutet), daher auch beſſer Sintflut geſchrieben wird. Wichtiger aber als alles dieſes iſt, daß der Schüler eine Reihe von Ableitungen deſſelben Stammes im überblick kennen lernt und in den Stand geſetzt wird, ſich aus ihnen das für ſeinen jeweiligen Bedarf paſſendſte und ſchlagendſte Wort herauszuſuchen. Den Vorteil, der hieraus erwachſen muß, wird der zu würdigen wiſſen, der einmal beobachtet hat, wie ſchwerfällig ſich die Schüler oft anſtellen,

¹) So wird man auf den erſten Anlauf bei der Familie binden nicht gleich bunt hinzunehmen, bei ſchwimmen nicht ſofort Sumpf, ſondern dieſe einer ſpäteren Stufe vorbehalten, wo man eine Erklärung verſuchen kann(Sumpf= ahd. ſwumft, mhd. ſunft= zuſammengeſchwommenes Waſſer), wie man ſie ohne Zweifel geben wird, ſobald das engliſche swamp gelernt iſt. Daſſelbe gilt von Demut(zu dienen gehörig); fertig(= zur Fahrt bereit) und vielen anderen.