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bildet. Hat man da nicht recht, wenn man derartige Ubungen auf das Allernotwendigſte beſchränkt oder ganz wegläßt? Den Schüler kann das nur langweilen, denn alles das weiß er ja ſchon.— Wie viel mehr geiſtbildend und anregend ſind da doch übungen, in denen verlangt wird, von den intranſitiven Verben fallen, hangen, ſitzen, ſpringen, verſinken die tranſitiven fällen, hängen, ſetzen, ſprengen, verſenken abzuleiten und zu erklären, oder auch umgekehrt, ſich aus dieſen jene bilden zu laſſen! (Innere Wortbildung). Denn bei dieſer Art von übung geht es ſchon nicht mehr ganz ſo mechaniſch ab: jede dieſer Neubildungen ruft doch auch eine neue Vorſtellung wach,— was man von den oben berührten Subſtantiv⸗ und Adjektiv⸗Bildungen nicht immer behaupten kann— und gewiß wird es das Intereſſe des Schülers in hohem Grade erwecken, wenn er im weiteren Verfolg dieſer Art von Wort⸗ bildung findet, daß das ihm wohlbekannte ſchellen nichts anderes iſt, als eine Ableitung von ſchallen, ¹) und ebenſo ſchallen machen bedeutet, wie fällen von fallen herkommt und fallen machen heißt; und daß eben daſſelbe Verhältnis auch zwiſchen wecken und wachen, ſengen und ſingen beſteht(ſengen= ſingen oder kniſtern machen). ²)— Dieſes Kapitel der inneren Wortbildung— im Gegenſatz zu der durch Ableitung und Zuſammenſetzung erfolgenden äußeren— iſt alſo ſchon der Beachtung wert. Man wird aber gewiß nicht bei Zuſammenſtellung ſolcher Gruppen, deren Wörter die gleiche Erſcheinung zeigen, ſtehen bleiben wollen, ſondern zwanglos Verb⸗ Subſtantiv⸗ und Adjektivbildungen deſſelben Stammes hinzufügen,— und allmählich wird die Wortfamilie in ihrer ganzen Verzweigung fertig ſein. So verſchafft man dem Schüler einen Einblick in die Werkſtätte der Sprache; ſo ſieht er, wie die Sprache ſchafft, und das ſollte man anſtreben. Innerhalb dieſer„Wortſippen“ mag man dann auch einmal auf die bei der Bildung der verſchiedenen Wortarten hervortretenden characteriſtiſchen Endungen, Vorſilben u. ſ. w. hinweiſen.
Ich ſage damit nichts Neues; im Gegenteil, in früheren Zeiten ſind derartige Wortfamilien im Unterricht ſehr fleißig zuſammengeſucht worden, ſchon Peſtalozzi und von Rochow haben ſie eifrigſt empfohlen. Auch jetzt findet man derartiges noch in vielen Grammatiken berührt, und ohne Zweifel wird es auch wohl auf der unterſten Stufe, in den Vorſchulen, betrieben. Was ich hier befürworten will, iſt die Fortſetzung ſolcher Üübungen in der Sexta und den folgenden Klaſſen. Daß ſie recht nutzbringend geſtaltet werden können, hoffe ich in folgenden darlegen zu können.
In einem Falle wird wohl von allen dieſer Forderung, wenn auch nicht gerade mit der hier von mir verfolgten Abſicht entſprochen, nämlich bei der Durchnahme der Orthographie von Tod und tot nebſt ihren Ableitungen. Will man hier erzielen, daß richtig töten aber tödlich, todkrank, aber toten⸗ blaß geſchrieben wird, ſo kann man wohl nicht anders, als daß man den Schülern die zu Tod und zu tot gehörige Gruppe zuſammenſtellt. Nur iſt dieſes ein recht unerquickliches Beiſpiel, einmal weil die leidige Orthographiefrage dabei eine große Rolle ſpielt und die ganze Sache eigentlich nur ihretwegen gemacht wird, andererſeits weil die Gruppe nicht ſehr groß iſt und die einzelnen Bildungen ihrer Form
¹) Man wird den Schüler dabei auf die orthogr. Erſcheinung aufmerkſam machen, daß der Umlaut a häufig e neben ü geſchrieben wird; z. B. Hand— behende; alt— Eltern; ſchlagen— Schlegel.
²) Dieſen ſchon für die untere Stufe vollkommen verſtändlichen Bildungen wird man ſpäter hinzufügen: hallen— hellen(= einen Hall von ſich geben, ertönen; dann auch: ſich ſchallend, ſchnell bewegen), das nur in der älteren Sprache gebräuchlich iſt, aber jetzt noch in der Verbindung in hellen Haufen auftritt. Vgl. Uhlands Schenk von Limburg. Vgl. auch„einhellig erwählt“(= mit einem Hall, einſtimmig) bei Voß, ſiebenzigſter Geburtstag V. 21.


