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die in den Programmen angegebenen Penſen der einzelnen Klaſſen oder die Lehrpläne für den deutſchen Unterricht durchzuſehen, wird die Berechtigung dieſes Wunſches anerkennen. Nehmen wir z. B. das Penſum der Sexta. Da wird in manchen Programmen der Grammatik überhaupt nicht, oder doch nur in ſehr allgemein gehaltener Weiſe Erwähnung gethan; in einigen wird die eingehende Lehre vom Adverb, vom Konjunktiv, vom Attribut und der adverbialen Beſtimmung der Quinta vorbehalten, nach anderen ſoll alles das ſchon in Sexta erledigt werden; hier wird nur die Deklination des attributiven Adjektivs mit Artikel, dort auch die des Adj. ohne Artikel verlangt; hier will man nur gelegentlich, ſoweit es der fremdſprachliche Unterricht erheiſcht, einige wenige Präpoſitionen lernen laſſen, dort ſollen alle ſehr genau geübt werden.¹)— Das ſind ſehr weitgehende Unterſchiede, und man glaube nicht, daß es ſich da um Kleinigkeiten handle: im Gegenteil, die Durchnahme des Konjunktivs oder der Deklination des attributiven Adjektivs ohne Artikel z. B. allein koſtet unſägliche Mühe und, was viel ſchwerer ins Gewicht fällt, außerordentlich viel Zeit, und dieſe iſt ſo koſtbar, daß es doch wohl der Mühe wert iſt zu fragen, ob ſie überhaupt darauf oder vielleicht mit viel mehr Nutzen auf ganz andere Sachen zu verwenden iſt. Unſtreitig von größter Wichtigkeit aber iſt es, wie oben ſchon bemerkt worden iſt, dem Schüler immer mehr den Inhalt der Sprache zu erſchließen: darauf muß notwendig der grammatiſche Unterricht Rückſicht nehmen. Daß dieſes ſehr erfolgreich geſchehen kann, wird in einem der folgenden Kapitel gezeigt werden.
Außerdem iſt noch ein Punkt zu berückſichtigen. Der in den Schulgrammatiken gegebene Lernſtoff hat eine große Menge von Definitionen, Benennungen, Regeln u. ſ. w., die, aus alter Zeit ererbt, trotz mancher Anfechtung, die ſie gelegentlich erfahren haben, doch ihr Daſein in ihrer alten Geſtalt weiter friſten. Beſonders ſeit Franz Kern neuerdings ſeine Reformvorſchläge veröffentlicht hat ²), iſt es unab⸗ weisbare Pflicht, auch darüber eine Verſtändigung anzuſtreben, was von dem in den gramm. Leitfäden gewöhnlich gegebenen Stoffe etwa falſch und durch richtigeres zu erſetzen iſt, was als unweſentlich oder überflüſſig für den Unterricht ganz bei Seite zu laſſen iſt, und endlich was vereinfacht werden kann, überhaupt wie manche Punkte methodiſch zu behandeln ſind.
Das ſind die leitenden Geſichtspunkte für die folgenden Ausführungen. Durch ſie erklärt es ſich, daß an vielen Stellen, beſonders in den auf die Satz⸗ und Formenlehre bezüglichen Abſchnitten, eine
¹) Ich verweiſe Beiſpiels halber auf das Sextapenſum folgender Lehrpläne und Programme— von älteren, wie dem des Gymn. zu Burg 1867, S. XVII., oder des Gymn. Andreanum zu Hildesheim 1875, S. 8 f. ganz abgeſehen—: des Friedrichs⸗Gymn. zu Caſſel 1887, S. 3 und 14; des Gymn. zu Wiesbaden S. 39; der Realgymu. zu Schalke 1883, S. 1 und 16 und Marburg 1887, S. 17, endlich der verſchiedenen Realſchulen der Prov. Heſſen⸗Naſſau.— Das vergleiche man mit dem von Bauer⸗Duden(Grundzüge der nhd. Gramm. 20. Aufl. Nördlingen Beck 1887), von Wilmanns(deutſche Schulgramm. 1. Teil, für die unteren Klaſſen bis Sexta. Berlin Parey. 6. Aufl. 1885), von Wendt(Grundriß der deutſchen Satzlehre. Berlin Grote)— für Sexta daraus§§ 1— 71, vgl. Wendt im Progr. des Gymn. zu Karlsruhe 1877—, oder von Lyon in ſeinem „Handbuch für die Sexta höherer Lehranſtalten“ Zuſammengeſtellten, und man wird ein recht buntfarbiges Bild haben.— Röhrig(Jahrb. für Pädagog. 1872, S. 227) verlangt für Sexta ſogar außer der Kenntnis vom„einfachen, nackten, erweiterten Satze und vom coordinierten Satzverhältniſſe“, auch Kenntnis von den Nebenſätzen und dem zuſammengezogenen Satze(a. a. O. S. 230)!.
²) Franz Kern, die deutſche Satzlehre, eine Unterſuchung ihrer Grundlagen(Berlin Nicolai 1883).— Zur Methodik des deutſchen Unterrichts(1883).— Zuſtand und Gegenſtand, Betrachtungen über den Anfangsunterricht in der deutſchen Satzlehre(1886).— Grundriß der deutſchen Satzlehre(2. Aufl. 1885).— Leitfaden für den Anfangs⸗ unterricht in der deutſchen Gramm.(1888), nebſt einer Begleitſchrift:„Die 5. Direktorenverſammlung in der Prov. Sachſen und die deutſche Satzlehre“.


