Aufsatz 
Über die Behandlung einiger Abschnitte der deutschen Grammatik auf der unteren Stufe höherer Lehranstalten / von Ludwig Tachau
Entstehung
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und den Aufſatz unterſtützt wird, ergiebt ſich von ſelbſt. Während aber hier nur von einem gelegentlichen Vorkommen, wie es gerade vom Zufall abhängt, die Rede ſein kann, wäre es in den grammatiſchen Lehrgang planmäßig einzufügen. Ich brauche hier nur an die Fehler in der Pluralbildung, in der Bildung mancher Verbalformen(Imperfektum, Imperativ), an die fehlerhafte Inverſion nach und(vgl. Lehmann g. a. O. S. 51 106) zu erinnern; über dieſe hat ſich der Lehrer an der Hand der obengenannten und gleichartiger Werke zu orientieren und ſie bei Durchnahme des betr. grammatiſchen Abſchnittes mit Bewußtſein in der Weiſe zu berückſichtigen, daß ſich die Fälle, in denen der Sprachgebrauch ſchwankend iſt, von denjenigen, die zweifellos falſches enthalten, ſcharf abheben.

Sein Ziel wird aber der grammatiſche Unterricht erſt erreicht haben, wenn er nicht bloß einſeitig auf Erreichung von Richtigkeit und Reinheit im Sprachgebrauch ſieht, ſondern auch die Einführung in das Sprachverſtändnis erſtrebt. Der Inhalt der Sprache muß dem Schüler erſchloſſen, er muß in ein möglichſt vollkommenes Verſtändnis der ganzen Reichhaltigkeit des Sprachſchatzes eingeführt werden. Die Mannigfaltigkeit der Wörter und Wendungen, welche die Sprache zum Ausdrucke eines und deſſelben Begriffes, eines und deſſelben Gedankens bietet, ſind ihm zum Bewußtſein zu bringen, er muß den Bilder⸗ gehalt der Mutterſprache verſtehen und würdigen lernen, und endlich iſt er auch, ſo weit es angehen mag, anzuleiten, die Formen unſerer jetzigen Sprache richtig auffaſſen zu können, die aus einer älteren Zeit uns überkommen ſind. Nur ſo wird erreicht werden können, daß der Deutſche ſein Deutſch voll und ganz verſteht und es richtig und rein gebrauchen kann.

Soll dies alles wirkſam geſchehen, ſo ergiebt ſich daraus eine doppelte Forderung: einerſeits, daß auf allen Stufen grammat. Belehrung ſtattzufinden hat, alſo nicht von Obertertia an ganz auf⸗ hören darf; ¹) andererſeits, daß auf jeder Stufe nur das dem Verſtändniſſe der Schüler wirklich Angemeſſene zur Behandlung kömmt. Dazu wäre aber vor allen Dingen nötig, daß das grammat. Penſum einer jeden Klaſſe recht eingehend und gründlich ſelbſt bis auf Einzelheiten feſtgeſtellt würde, um jeder Zeit⸗ verſchwendung mit Dingen, die auf der betr. Stufe unverſtändlich oder noch nicht praktiſch anwendbar ſind, vorzubeugen. Zwar läßt ſich manches, da es ſich nicht um eine fremde Sprache handelt, nicht ſo haarſcharf abgrenzen; jedenfalls aber iſt ſehr zu wünſchen, daß größere Klarheit und Beſtimmtheit geſchaffen wird, als bis jetzt beſteht. Sich darüber zu ſtreiten, ob manches und wie viel aus der deutſchen Grammatik etwa im fremdſprachlichen Unterrichte(beſonders im Lateiniſchen) abgemacht werden kann, iſt überflüſſig: das iſt eine Frage von durchaus nebenſächlicher Natur. Man müßte ſich nur erſt einmal darüber einigen und das müßte unverrückt feſtſtehen, was dem Verſtändniſſe der betr. Stufe entſprechend erſchöpfend und im Zuſammenhang durchgenommen werden ſoll, und was nur teilweiſe und welche Teile; was nur bei gelegentlichem Vorkommen zu berückſichtigen, und endlich was auf der betr. Stufe noch ganz auszuſchließen und einer ſpäteren vorzubehalten iſt2²). Wer ſich einmal die Mühe giebt,

¹) Weder weil das für dieſe Stufezu elementar ſei, ein Einwurf, der ſich von ſelbſt richtet noch weil bei der für den deutſchen Unterricht ſehr knapp bemeſſenen Stundenzahl ſich dafür in den oberen Klaſſen keine Zeit erübrigen laſſe, denn ſchließlich könnte derſelbe Grund auch gegen den grammat. Unterricht auf der unteren Stufe, wo er doch nicht entbehrt werden kann, angeführt werden.

²) Dies iſt um ſo mehr zu wünſchen, als neuerdings in grammat. Leitfäden der Stoff entweder klaſſenweiſe abgegrenzt gegeben wird, oder die einzelnen Paragraphen durch Vorſetzung beſtimmter Zeichen den einzelnen Klaſſen zugewieſen werden, nur nicht in übereinſtimmender Weiſe. So z. B. von Lyon, Handbuch der deutſchen Sprache (Leipzig, Teubner 1885); Lattmann, Grundzüge der deutſchen Sprachlehre(Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht); Lohmeyer, kleine deutſche Satzlehre(Hannover, Helwing 1887).