10
und„Gedenket mein“, welche das göttliche Wirken Jesu Christi auf Erden in würdiger und frommer Weise zur Anschauung bringen, eine willkommene Gabe sein würde. So übergebe ich Ihnen, hochgeehrter Herr Jubilar, diese Werke zum dauernden Andenken und zur freundlichen Erinnerung an Ihre Kollegen, welche sich erlaubt haben, ihre Namen einzutragen. Sie bitten um eine wohlgefällige An- und Aufnahme“. Hieran schlossen sich die Gratulationen sämtlicher Kollegen.
Zum Schlusse kamen nun die beiden obersten Schüler jeder Klasse im Namen der létzteren zu ihrem Lehrer heran, und der Primus omnium sprach in tiefgefühlten Worten die Freude aller Schüler über den heutigen festlichen Tag aus; wie derselbe ihnen eine willkommene Gelegenheit biete, ihrem sehr verehrten Lehrer den schuldigen Dank für den unermüdlichen Eifer auszusprechen, mit welchem er sie in Bildung und Erziehung zu fördern stets bemüht gewesen sei; sie hofften auf ein längeres Zusammensein, um ihre Erkenntlichkeit noch durch Fleiss und gutes Betragen zeigen zu können. Als ein äusseres Zeichen derselben möge der Herr Jubilar ihre gemeinschaftliche Gabe als ein Andenken an sie alle freundlichst entgegennehmen.
Hierauf sang der Schülerchor: Der Herr ist mein Hirte; von Bernh. Klein.
Der Herr Jubilar nahm nun das Wort und bat, ihm zu gestatten, zunächst ein Bekenntnis ablegen zu dürfen. Es könne dies aber für ihn kein anderes sein, als das des Erzvaters Jakob:„Ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte gethan hast!“ Ihm allein, dem treuen Herrn, verdanke er es, dass es ihm vergönnt gewesen, ein halbes Jahrhundert in seinem Berufe thätig zu sein und zwar mit aller Lust und Freudigkeit; denn auch er dürfe, wie jener Erz- vater nach seinem Dienste um die geliebte Rahel heute aussprechen, es deuchten ihn die Jahre, die er im Dienste der Schule, seiner Rahel, zugebracht,„als wären es einzelne Tage“, und er dürfe auch, wie der heilige Geschichtschreiber, hinzusetzen:„So lieb hatte er sie“.— Und nachdem er so dem höchsten Herrn die Ehre gegeben, zollte er zunächst den ehrfurchtvollsten Dank Sr. Majestät dem Kaiser und Könige für die ihm verliehene hohe Ordensauszeichnung. Dieselbe solle ihm ein Sporn sein, an seinem Teile mitzuwirken, dass die Jugend, an der zu arbeiten ihm vergönnt sei, erzogen werde zu recht patriotischer Gesinnung, dass sie in guten und bösen Tagen unentwegt fest stehe zu Kaiser und Reich.— Daran schloss sich sein Dank an die Behörden, das Königliche Provinzial-Schulkollegium und die städtischen Behörden, die Vertreter der hiesigen Schulanstalten(Königliches Gymnasium, höhere Töchterschule, Bürgerschule), vor allen aber an das gesammte Lehrerkollegium des Realprogymnasiums, das ihn mit Liebe überhäuft und in sinnigster Weise ihm diesen Festtag bereitet habe; endlich an seine Schüler, die gegenwärtigen und die fünfzig Repräsentanten der alten Schüler,(deren Söhne er bereits wieder im Unterricht hat), sowie an alle erschienenen Freunde, unter denen besonders noch der gesamte Vorstand des der Inneren Mission dienenden Elisabethhauses, dem der Jubilar ebenfalls angehört, genannt werden mag.— Es möchte auffallen, dass die Vertreter der Kirche, die doch auch anwesend waren, nicht erwähnt worden; doch erklärt sich das, wenn man erfährt, dass das gesamte Presbyterium der lutherischen Gemeinde, welchem der Jubilar bereits über dreissig Jahre angehört, diesem schon vor unserem Schulaktus in dessen Wohnung eine besöndere Feier veranstaltet hatte. Dass der Jubilar bei Empfangnahme der ihm von seinem Lehrerkollegium und den gegenwärtigen und alten Schülern gewidmeten Jubel- gaben noch seinen besonderen tiefgefühlten Dank abstattete, bedarf kaum der Erwähnung, wohl aber darf noch hervorgehoben werden, wie derselbe seiner grossen Anhänglichkeit an Marburg, seine zweite Vaterstadt, Ausdruck gab; sind es doch bereits über 35 Jahre, dass er hier als Lehrer wirkt. Ihr noch ferner zu dienen, sei sein Wunsch und


