8 diese Jubiläumsfeier zu einer solchen, an der sich weitere Kreise gern beteiligten. Schon in der frühen Morgenstunde brachte die Stadtkapelle dem Herrn Jubilar ein Ständchen. Hieran schlossen sich im Laufe des Vormittags die herzlichsten Glückwünsche seiner zahlreichen Familienglieder, seiner Freunde und des lutherischen Presbyteriums.
Die Schulfeier begann um 11 Uhr und wurde in dem geeigneten, reichgeschmückten Saale der städtischen Turnhalle abgehalten. Hier erwarteten die Kinder und Ver- wandten des Jubilars, die städtischen Behörden, die Stadtschuldeputation, das Kuratorium, die Geistlichkeit, das lutherische Presbyterium, die Lehrerkollegien des Königlichen Gymnasiums und sämtlicher städtischen Lehranstalten, viele Freunde und frühere Schüler des Jubilars und endlich die Lehrer und Schüler des Realprogymnasiums den Herrn Jubilar, welcher in Begleitung des ersten und dritten Lehrers der Anstalt erschien und von dem Unterzeichneten im Namen aller Versammelten freudigst begrüsst und ihm bestens gedankt wurde, der Einladung gefolgt zu sein.
Nachdem der Jubilar zu seinem Ehrenplatz geführt und denselben eingenommen hatte, intonierte die Versammlung den Choral:„Lobet den Herrn, den mächtigen König der Ehren“. Hierauf sang der Sängerchor der Anstalt:„Herr deine Güte reicht soweit“, von A. E. Grell. Es nahm nun der Unterzeichnete das Wort und schilderte in einer längeren Ansprache den Bildungsgang und die 50 jährige amtliche Thätigkeit des Herrn Jubilar in den verschiedenen Lehrer-Stellungen, insbesondere seine Wirk- samkeit an dem hiesigen Realprogymnasium seit dem Jahre 1867. Nach diesem in kurzen Zügen entworfenen Bilde ist Herr Leimbach am 20. August 1820 zu Treysa, Kreis Ziegenhain, geboren; nach einem mehrjährigen Besuch der Lateinschule zu Treysa und sehr guter Absolvierung eines Seminarkurses zu Homberg, wurde er zu Michaelis 1840 Lehrer an der Stadtschule zu Neukirchen, Kreis Ziegenhain. Zugleich gründete er eine unter der Aufsicht der Regierung stehende Seminar-Präparandenschule. Nach einigen Jahren wurde er Lehrer an der Stadtschule seiner Vaterstadt, in welcher Stellung er sich die Anerkennung seiner vorgesetzten Behörde in dem Grade erwarb, dass er im Auftrage derselben eine pädagogische Reise nach dem Regierungsbezirk Erfurt unternahm, in welchem das Schulwesen damals in besonderer Blüte stand. Auf Grund der Bericht- erstattung wurde er zum Lehrer der Mädchenschule zu Schlüchtern berufen, woneben er auch an dem damaligen Progymnasium und der Seminar-Präparandenschule zu unterrichten hatte. Am 1. Juli 1855 wurde ihm die zweite Lehrerstelle an der hiesigen Knabenbürgerschule und nach dem Tode des Rektors Weyrauch die erste Lehrerstelle übertragen. Seine Versetzung nach Marburg benutzte er, um mit grossem Fleiss neben treuester Erfüllung seiner Amtspflichten Vorlesungen über deutsche Sprache, Theologie, Geschichte und Naturwissenschaften zu hören. Als im Jahre 1861 die damalige Real- schule mit den beiden oberen Klassen der Knabenbürgerschule in Verbindung gesetzt wurde, erteilte er auch Unterricht mit bestem Erfolge an ersterer. Im Jahre 1866 wurden die hessischen Realschulen reorganisiert und in hiesiger Stadt wurde eine höhere Bürgerschule mit obligatorischem Latein gegründet, an der dem Jubilar die zweite ordentliche Lehrerstelle übertragen wurde, welche er nunmehr 23 Jahr inne hat. In dieser Stellung hat er vorzugsweise Deutsch, Geographie in den oberen und Lateinisch in den unteren Klassen unterrichtet. In dieser wegen der häuslichen Korrekturen besonders beschwerlichen Stellung zeigte der Jubilar in den langen Jahren eine ausser- ordentliche Berufstreue und sehr lobenswerte Sorgfalt und Gründlichkeit, welche auch mit den erfreulichsten Resultaten belohnt wurden. Um eine umfassendere Kenntnis der deutschen Klassiker bei den Schülern der Sekunda zu vermitteln, las und erklärte er diesen am Sonnabend in einer Extrastunde einige der besten Dramen von Schiller, Göthe und Lessing etc. So wurde ihm auch auf seinen besonderen Wunsch die Abhaltung


