Aufsatz 
Das fünfzigjährige Jubiläum des ordentlichen Lehrers Leimbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

mittagsunterrichts statt und die von den Lehrern zu haltenden Vorträge hatten das Leben und Wirken der hochseligen Kaiser Wilhelm J. und Friedrich, bezw. die protestantische Reformation zum Gegenstand. Nach einer zwanzigmaligen öffentlichen Schulfeier am Sedantage hat man in den hiesigen höheren Schulen die Oeffentlichkeit bei dieser Feier ausgeschlossen, wie es an anderen Orten schon lange zuvor geschehen war; jedoch ist die bisherige Form des Festaktus bezüglich Gesang, Deklamation und Redeact geblieben. Auch ist, wie in allen Schulen, der 2. Sept. schulfrei, und wird der Nachmittag zu gemeinschaftlichen Spaziergängen von Lehrern und Schülern verwandt. Bei der Feier in diesem Jahre schilderte der Unterzeichnete das Leben eines Menschen, welcher sich aus Lust zum Kriegsleben vorzeitig dem Heereszuge in das Feindesland anschloss und sich später als Musketier durch Mut und Aufopferung für seine Kameraden besondere Anerkennung und Lob seiner Vorgesetzten in hohem Grade erwarb.

Statt des in früheren Jahren ausgeführten Spazierganges der Lehrer und Schüler beteiligten sich diesmal beide mit allen hiesigen Schulen an der festlichen Finweihung des nummehr fertiggestellten Kaiser Wilhelms-Turmes auf Spiegelslust. Begünstigt von einem selten schönen Septemberwetter verlief diese Feier, an welcher so zu sagen ganz Marburg teilnahm, und zu welcher auch ein hoher Regierungsbeamter aus Cassel erschienen war, in schönster Weise. Deshalb wird auch dieses eigentliche Volksfest, welches alle früheren an Teilnahme, festlicher Stimmung und gewährtem Vergnügen übertraf, noch lange in guter Erinnerung bei allen Bewolmern Marburgs bleiben. Die Freude über die wohl gelungene Ausführung des weithin sichtbaren, schönen und festen Bauwerks war eine allgemeine, sowie auch die Dankbarkeit gegen diejenigen Herren, deren lebhaftes Interesse und thätige Unterstützung die Vollendung ermöglichte.

Auf Anordnung Sr. Majestät des Kaisers wurde auch am 26. October v. J., dem neunzigsten Geburtstag des Feldmarschalls Graf Moltke eine Schulfeier veran- staltet. Der Unterzeichnete schilderte in der Festrede das Leben und Wirken dieses ausgezeicheten Strategen, dem das deutsche Volk so sehr zu ewigem Dank verpflichtet ist und dem Gottes Gnade zu den vielen ihm verliehenen reichen Gaben auch noch ein hohes Alter in seltener Rüstigkeit des Geistes und Körpers verliehen hat. Möchte es ihm vergönnt sein, sich der ihm in unvergleichlich hohem Masse gewordenen Anerkennungen und Auszeichnungen in voller Gesundheit noch lange zu erfreuen.

Am 27. Januar d. J. fand die öffentliche Schulfeier des hocherfreulichen Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. mit Gesang und Declamation patriotischer Lieder und Gedichte statt. Herr Schürmann hielt die Festrede, in wel- cher er in ansprechender Weise den Reichstag zu Worms 1521 schilderte. Insbesondere interessierten die ausführlich mitgeteilten Verhandlungen mit Luther, seine Anklage, seine Verteidigung und seine erwirkte Achterklärung durch Kaiserliches Edict, welche gleichfalls vorgetragen wurden.

Mit dem Schulschluss am 23. Dezember war auch in diesem Jahr eine liturgische Weihnachtsfeier verbunden.

Ausser diesen in allen höheren und niederen Schulen der Monarchie abgehaltenen Schulaktus wurde im verflossenen Jahr in dem Realprogymnasium noch eine sehr erfreuliche Feier abgehalten, wie eine solche in der Anstalt seit ihrem Bestehen noch nicht statt- gefunden hatte. Der zweite ordentliche Lehrer an derselben, Herr Leimbach, feierte am 26. Sept. v. J. sein 50 jähriges Jubiläum, indem er zu Michaelis 1840 in das Schulamt eingetreten und seitdem in demselben ununterbrochen thätig war.

Durch eine 35 jährige reich gesegnete Wirksamkeit als Lehrer an den hiesigen städtischen Schulen, sowie auf dem kirchlichen Gebiete hatte er sich die Achtung und Liebe eines grossen Teils der Marburger Bürgerschaft erworben, und so gestaltete sich