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Worte seines auf dem VIII. allgemeinen deutschen Neuphilologen- tage zu Wien gehaltenen Vortrages über:„Die Bedeutu n g der neuerenSprachen im Lehrplane der preußischen Gymnasien“:
„... Auch nach anderer Seite ist unsere heimische Einrichtung des neusprachlichen Unterrichts noch nicht zu voller Klärung und konsequenter Durchbildung vorgeschritten. Die Prüfungsziele der Gymnasien sind zur Zeit in einer Weise formuliert, die sowohl mit den natürlichen Zielen als auch mit der angeordneten Unter- richtsweise nicht eigentlich zusammenstimmen, und die Uberwindung dieses Widerspruchs bleibt unverkennbar eine Aufgabe der nächsten Zeit. Falsche Bedenklichkeit stellt sich ferner der freien Ent- wicklung dieses Unterrichts im folgenden Punkte entgegen:
Wenn es zu einem schönen Lehrsatz der Pädagogik geworden ist, daß jede Unterrichtsstunde eine deutsche Stunde sein müsse, so darf man sich doch nicht davon als von einem unantastbaren Dogma gegen seine gesunde Einsicht beherrschen lassen. Dat jede Stunde, sofern in ihr Deutsch gesprochen wird, durch die Sorgfalt der Anwendung und Kontrolle der Sprache mit zu einer wertvollen Sprachstunde werden soll, das ist selbstverständlich, und das ist der gute Sinn des Satzes. Wo es gilt, eine fremde Sprache zu erlernen, da hat, sofern dieses Erlernen am erfolgreichsten durch Vermeidung der Sprachenmischung geschehen kann, jene Norm keine Geltung zu beanspruchen. Ein Gewinn erwächst der Mutter- sprache doch durch jeglichen exakten Sprachbetrieb, auf mittelbare Weise, wie ich in diesem Augenblicke nicht weiter ausführen kann. Und ebenso ruht das Mißtrauen gegen die verächtlich so bezeichnete„Méthode du perroquet' auf Nichtwürdigung des thatsächlichen psychologischen Prozesses bei der nachahmenden Sprechübung. Auch wo das Moment der physischen Nachahmung und der UÜbung und Eingewöhnung sehr stark ins Spiel kommt, ist von dem gehirnlosen Wortmachen des„perroquet“ durchaus nicht die Rede. Weil lange Zeit lebende Sprachen bei uns nur noch von untergeordneten oder oberflächlichen Personen gesprochen zu werden pflegten, schließt man in gewissen Kreisen gerne, dat sie zu sprechen Inferiorität oder Leerheit verrate, womit man sich weder weitblickend noch logisch erweist.——
Es wird auch diesem Unterricht ein Maß an Freiheit je nach der Persönlichkeit des Lehrers zu gestatten, zu gönnen und zu wünschen sein. 6
Walter: Englisch nach dem Frankfurter Reformplan.


