X Zurückdrängen des eigenen Ichs und Förderung des Gemeinsinns, auf Einfachheit, Bescheiden- heit, kindliche Frömmigkeit und Brüderlichkeit. Ja, hier liegt noch ein wenig beackertes, aber reiche und lohnende Früchte verheißendes Arbeitsfeld!
Dazu verdient der Stand des Lehrers auch in den Augen des Publikums eine weit höhere Anerkennung, als wir uns bei den vielen noch herrschenden Vorurteilen und Anschau- ungen bisher zu erfreuen haben. Was giebt es Solene Pleres. aber auch Schwereres und Verantwortungsvolleres als die Heranbildung ca Sench Aer die Eltern ihre Kinder anvertrauen. Sollen wir Lehrer aber wirkliche Vertrauenspersonen sein, deren Mitwirkung an der Erziehung der Kinder von den Eltern dankbar begrüßt wird, so haben dies die maß- gebenden Kreise auch mehr als bisher nach außen hin zu bekunden, und ebenso ist es Pflicht jedes Lehrers, durch vorbildliche Tüchtigkeit und gewissenhafte Amtsführung seinem Stande und sich selbst Ehre zu machen und die gebührende größere Anerkennung erringen zu helfen.
Dazu müfßte aber auch, entsprechend den hohen Anforderungen, die der Beruf an den Lehrer stellt, seine materielle Lage mehr und mehr gebessert und gesichert werden, damit er frei von Sorgen den für gedeihliche Arbeit an der frischen Jugend fröhlichen Lebensmut und Frohsinn selbst stets praktisch bethätigen könne und nicht durch Nebenverdienst seine Mußzestunden besetzen und seine Kraft zu lähmen brauche.
Die an die Thaätigkeit des Lehrers gestellten Anforderungen gelten in erhöhtem Maße für den Schulleiter, dessen Pflichten eine derartige Ausdehnung angenommen haben, daß er sich außer Stande sieht, ihnen in gleichmäßig befriedigender Weise nach jeder Rich- tung hin zu genügen. Ich stehe fast am Schlusse jedes Tages unter dem lästigen Eindruck, manche das Wohl der Schule fördernde Arbeiten unterlassen und dafür sehr viel Neben- sächliches gethan zu haben, was ebenso gut von einer untergeordneten Kraft hätte erledigt werden können. Diesem auch andererseits vielfach gerügten Übelstande ist nur dadurch ab- zuhelfen, daß der Direktor von aller mechanischen Arbeit befreit wird, um sich allein den höheren Aufgaben des Unterrichts und der Erziehung der Jugend zuzuwenden.
Ich schließe mich also dem von maßgebendster Seite geäußerten Wunsche, es möge dem Direktor ein Schulsekretär zur Seite gestellt werden, voll und ganz an. Nur, wenn das geschehen ist, wird der Direktor in der Lage sein, seine ganze Kraft der Schule zu widmen und seine Aufmerksamkeit auch der so wichtigen Pflege der Beziehungen zwischen Schule und Haus in höherem Grade zu schenkea.
Den von vielen Eltern geäußerten Wünschen, gelegentlich Zusammenkünfte zwischen Eltern und Lehrern herbeizuführen, in denen sich beide näher treten und über Erziehungs- fragen gemeinschaftlich beraten, sind wir gern bereit zu entsprechen, und ich fühle mich um so mehr zur Veranstaltung solcher Elternabende veranlaßt, als ich auch zu diesen kurzen Ausführungen manche Erklärungen im einzelnen geben und viele andere hier gar nicht be- rührte wichtige Fragen werde erörtern müssen. Zu diesen Fragen rechne ich z. B. die be- treffs der Gleichberechtigung aller höheren Schulen. Wann wird sich die Erkenntnis in allen Kreisen unserer Gebildeten Bahn brechen, daß es doch wahrlich nicht auf ein bestimmtes Maß von Kenntnissen in Latein und Griechisch oder in Französisch und Englisch ankommt, um ein Universitätsstudium zu ergreifen? Die wichtigste Aufgabe, die jede Schule zu er- füllen hat, ist die Erziehung unserer Schüler zu charaktervollen Jünglingen, die erfüllt von hohem Idealismus und von begeistertem Streben nach Wahrheit durchdrungen, mit Leib und Seele den von ihnen gewählten Lebensberuf ergreifen! Wenn die Eltern unserer Schüler


