Aufsatz 
Über Erziehung der Jugend durch Schule und Haus
Entstehung
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IX teil ihrer körperlichen und geistigen Gesundheit hinneigen. Das Lesen von guten Büchern ist gewiß sehr zu empfehlen; doch haben die Eltern die Auswahl mit Vorsicht zu treffen und Ungeeignetes hierzu gehören auch die Zeitungen wegen vieler für die Jugend nicht be- rechneter Mitteilungen und Aufsätze fernzuhalten, sowie auch den Inhalt des Bücher- schrankes der selbständigen Benutzung der Kinder zu entziehen.

Vor allem bewahre man die Kinder vor einem planlosen Müssiggang, der in Ver- bindung mit schlechter Gesellschaft zu den traurigsten Folgen führt. Dagegen mögen sie sich mit gutgesinnten Kameraden der frischen, fröhlichen Spiele im Freien erfreuen und im regen Wetteifer an den von der Schule festgesetzten Jugendspielen teilnehmen, ferner aber auch in werkthätiger Arbeit ihre körperliche Gewandtheit fördern, die bei den Knaben bisher sehr vernachlässigt worden ist. Mögen die Eltern durch Besuch unseres Knabenhandarbeits-Unter- richts, sowie der Ausstellung der von den Schülern angefertigten Gegenstände sich von dem Werte dieses Unterrichtszweiges überzeugen, dessen hohe Bedeutung schon der gefeierte Pädagoge Comenius in markigen Worten nachdrücklich betont hat, und dessen allgemeine Einführung gerade in den höheren Schulen die Behörden und Lehrer im eigensten Interesse der Jugend sich angelegen sein lassen sollten!

Die allseitige harmonische Durchbildung der Schüler verlangt eine viel größere Berück- sichtigung der freieren Bethätigung der Jugend, als sie ihr trotz mancher Reformen auf diesem Gebiete zugestanden wird. Sollen gesunde, kräftige Jünglinge, tüchtige Charaktere, willensfeste, echt deutsche Männer mit hellem Kopf und klarem Verständnis für die Anforderungen der Zeit, in der wir leben, herangebildet werden, so müssen wir die erziehliche Seite weit mehr als bisher betonen; hierzu könnte neben dem auf strenge Ordnung und feste Schulzucht sich stützenden Schulunterricht der fröhliche, ungezwungene Verkehr zwischen Lehrern und Schülern erheblich beitragen, da er zu weit engeren, herzlicheren Beziehungen und zu einem viel größeren, segens- reicheren Einfluß der Lehrer auf die Schüler führt. Man möge den Schulunterricht, besonders in den Oberklassen, mehr kürzen, indem wir den Wissensstoff beschränken, durch weitere Förderung der Methoden und tieferes Eindringen in die Unterrichtskunst in kürzerer Zeit mehr als bisher zu erreichen suchen und die Schüler mehr zu eigenen, selbständigen, ihrer Neigung und Befähigung entsprechenden Arbeiten anleiten. Damit werden diese mehr Schaffensfreude ins Leben mitnehmen, als es jetzt sehr häufig der Fall ist.

Auch die anstrengende Thätigkeit der Lehrer muß eingeschränkt werden, damit sie den erziehlichen Aufgaben in weit höherem Grade als bisher gerecht werden können. Dann wird, was jetzt einzelne Herren freiwillig thun, allgemein üblich werden, nämlich, daß alle Kollegen neben den üblichen Schulausflügen noch manche freie Stunde der Jieben Jugend widmen und bei Spaziergängen in der freien Natur nicht nur das in der Schule gepflegte Wissen der Kinder durch praktische Anschauung befestigen und vertiefen, sondern auf ihr Gemütsleben und ihre Charakterbildung erhöhte Einwirkung erlangen.

Wie ganz anders könnte der Lehrer dann seine Schüler kennen lernen, welch große Einwirkung auf Pflege des Anstandes und der guten Sitten würde er im Verkehr der Schüler unter sich herbeiführen und so manchen schlechten Einfluß, den einer auf den anderen in ungezie- menden Worten und Handlungen ausübt, beseitigen. Wie würde auch unbewußt hingearbeitet werden können auf eine gewissenhaftere Bethätigung der Wahrheitsliebe, auf Hebung des persönlichen Muts, der eine Schuld offen eingestehen läßt und es für unwürdige Feigheit und Schmach ansieht, sie auf andere abzuwälzen, oder Kameraden irgendwie zu verdächtigen, auf