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stand, daß die gute Mutter oft unterschreibt und zwar meist, wenn die Arbeiten schlecht ausge- fallen sind. Gerade hierüber habe ich mehrfach mit Müͤttern gesprochen und kann nicht umhin, ihnen wie den Vätern Vorwürfe zu machen. Der Vater begeht den Fehler, oft eine rücksichtslose Bestrafung anzuwenden, anstatt mit liebevoller Strenge auf die Besserung der Leistungen hinzuwirken und kräftigere Strafen für besonders ernste Fälle aufzusparen; die Mutter erweist sich den Bitten des Sohnes gegenüber zu schwach und verheimlicht dem strengen Vater manches, was sie ihm offen sagen müßte, wenn auch der Wunsch des Vaters, wenigstens bei der Mahlzeit Ruhe zu haben und die Sorgen des Berufslebens zu vergessen, oft genug ein derartiges Verschweigen erklärlich macht. Im Interesse der gemein- samen Erziehung durch Vater und Mutter darf jedoch kein Geheimnis über die Schulerfolge und Schulvorkommnisse herrschen, denn in solcher einseitigen Verheimlichung liegt schon der Keim der Unwahrheit, wie sie dann auch oft in der Schule hervortritt und zu noch schlimmeren Vergehen führt.
Und wird nicht bei solchem stillschweigenden Einverständnis zwischen Sohn und Mutter der Vater zur Annahme geleitet, daß alles in der schönsten Ordnung sei, worin ihn der Sohn bei Anfragen über seine Schulleistungen oft noch bestärkt. Doch wie enttäuscht ist er dann, wenn ihm Mitteilungen vom Lehrer oder das Schulzeugnis beweisen, daß sich die Sache wesentlich anders verhält, und daß sein Sohn wissentlich manches verschwiegen und sich damit geradezu unwahr gezeigt hat.
Also volle Offenheit zwischen Vater und Mutter über alle Vorkommnisse in der Schule, nach denen sie eine Pflicht haben täglich zu fragen, schon um das Kind anzuleiten, immer die Wahrheit zu sagen, auch wenn es Nachteiliges von sich berichten muß! Außerdem ist und bleibt doch das Wichtigste für das Kind die Schule, in der es einen großen Teil des Tages zubringt; und wenn sich nun die Eltern wenig oder gar nicht um sie bekümmern oder deren Ansehen so wenig Bedeutung beimessen, so muß natürlich der Wert der Schule in den Augen des Kindes selbst sinken, und von einer erziehlichen Arbeit durch Schule und Haus kann dann keine Rede mehr sein. Nun könnte man Letzterem gegenüber einwenden, daß ja doch so viele Eltern großes Interesse für die Erziehung bekunden, wie die erheblichen Ausgaben be- zeugen, die sie alljährlich für Hauslehrer, Lehrerinnen, Arbeits- und Nachhilfestunden veraus- gaben. Da muß ich nun erklären, daß es weit besser wäre, auf all diese Nebenerziehung zu verzichten und nur da Ausnahmen zuzulassen, wo längeres Fehlen in der Schule oder durch sonstige Verhältnisse bedingtes Zurückbleiben in einem einzelnen Fache Nachhilfe benötigen. Denn die Mitwirkung von Hilfskräften im obigen Sinne ist oft nur eine Er- leichterung für die Eltern, die sich der Mühe, die Kinder selbst zur Arbeit anzuhalten, entziehen, und ferner werden die Kinder durch derartigen Unterricht in zahlreichen Fällen zur Bequemlichkeit, Denkfaulheit und Unselbständigkeit erzogen. Liegt bei vielen Kindern einer Klasse aber die Notwendigkeit vor, solche Hilfe unbedingt eintreten zu lassen, so sind in der Schule UÜbelstände vorhanden, an deren Beseitigung die Eltern durch offene Besprechung mit den Lehrern und dem Leiter hinarbeiten müssen. Wenn nicht Unaufmerksamkeit und Unfleiß der Grund für die Unfähigkeit des Schülers ist, die Aufgaben zu Hause selbständig anzufertigen, so müssen die Mängel darin bestehen, daß der Lehrer die Fassungskraft der Schüler über- schätzt oder den Lehrstoff nicht gründlich genug mit ihnen in der Klasse verarbeitet hat; tritt nun zu Hause die Hilfe der Eltern oder die der Nebenlehrkräfte ein, so ergänzen diese das vom Lehrer Versäumte, während minder befähigte Knaben, die allein zu Hause arbeiten


