Aufsatz 
Über Erziehung der Jugend durch Schule und Haus
Entstehung
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M.

denken, daß die Eltern alle Nachrichten über Schulvorkommnisse meist in einseitiger Färbung erhalten. Der Sohn stellt vielfach auch ohne die Absicht, Unwahrheiten zu sagen den Fall doch möglichst zu seinen Gunsten dar, wobei natürlich der Lehrer in falschem Lichte erscheinen mußz. In vielen Fällen schenken nun die Eltern ihrem Kinde ohne Weiteres unbedingten Glauben, treten mit Vorurteilen an den Lehrer heran, erklären, daß ihr Sohn nie die Unwahrheit sage und lassen sich erst allmählich von dem wahren Sachverhalt über: zeugen. Hierbei darf der Lehrer die Geduld eben nicht verlieren, sondern muß den Eltern den Nachweis liefern, daß sie sich irren, und daß ihnen bisher vieles unbekannt geblieben ist. Ebenso wird aber auch der Lehrer aus solchen Besprechungen manches für sich und sein Verhältnis zu den Schülern erfahren und lernen können.

Wie viele Fälle giebt es aber, in denen die Eltern nicht nur obige, sondern auch absichtlich entstellte Schilderungen ihrer Kinder auf Treu und Glauben hinnehmen und sich nicht einmal die Mühe geben der Sache auf den Grund zu gehen! Wie oft kommt es vor, daß die Eltern abfällige Bemerkungen der Kinder über ihre Lehrer ruhig anhören, ja sich sogar selbst zu solchen hinreißen lassen, ohne zich zu vergegenwärtigen, wie sehr sie das Ansehen des Lehrers und der Schule in den Augen ihres Sohnes schädigen, der als unreifer, urteilsunfähiger Mensch, ermutigt durch das Verhalten der Eltern, sich selbst das Recht zuspricht, Maßnahmen der Schule abfällig zu kritisieren und so die Autorität der Schule anzuzweifeln. Wie kann da noch von gemeinsamer Erziehung die Rede sein, wenn das Mißtrauen die Stelle des Vertrauens einnimmt, und wenn die Familie gegen die Schule arbeitet! Da liegt es wahrlich in beiderseitigem Interesse, ein solches Verhältnis so schnell wie möglich zu lösen!

Und wozu muß eine derartige Verletzung des Autoritätsgefühls führen? In vielen Fallen zu einer Lockerung der häuslichen Zucht, zu einer Durchbrechung der der Jugend gezogenen Schranken und schließlich zu einer Mißachtung der Autorität der Eltern. Wie sollen sich solche jungen Leute, die sich nicht fügen gelernt haben, die stets alles besser wissen als die Erwachsenen und keine Achtung vor dem Alter und der Erfahrung haben, im späteren Leben bewähren, wo es gilt, im Kampfe ums Dasein sich unterzuordnen und mit allen Kräften schaffensfreudig vorwärts zu streben! Nun, die Erfahrung giebt hierauf ja oft genug die Antwort, und manches verhätschelte Muttersöhnchen klagt dann wohl seine Eltern an, die ihm als Unmündigen nicht rechtzeitig Vernunft beigebracht und nicht thatkräftig gegen sein ungebührliches Verhalten in Schule und Haus eingeschritten sind.

Ja, liebe Eltern, gedenkt stets der Zukunft Eurer Kinder, zu deren Lebensglück die Erziehung in der Jugend die Grundlage bilden soll. Wenn Ihr sie wahrhaft lieb habt, so gewöhnt sie bei Zeiten an strenge Unterordnung unter die Autorität des Hauses und der Schule, an unbedingten Gehorsam und Pflichttreue, zeigt Ihnen, daß Ihr Hand in Hand mit der Schule geht, und daß Ihr selbst Vertrauen zu den Lehrern Eurer Kinder hegt. Besucht die Lehrer in allen zweifelhaften Fällen, um Euch offen mit ihnen auszusprechen, und geht dabei stets von der Voraussetzung aus, daß doch ein Lehrer absichtlich Euren Kindern kein Unrecht zufügen wird. Bei den überaus meisten Vorkommnissen werdet Ihr ersehen, wie einseitig Euer Kind die Sache aufgefaßt hat, und wie unbillig es war, den Gerechtigkeits- sinn des Lehrers in Zweifel zu ziehen. Sollten aber Eure Besprechungen ergeben, daß der Lehrer Eurem Kinde unabsichtlich Unrecht gethan hat was bei einer Zahl von 40 Kindern ja auch vorkommen kann, wie es auch Euch wohl schon bei 4 bis 5 Kindern ähnlich