Aufsatz 
Über Erziehung der Jugend durch Schule und Haus
Entstehung
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II aufgeklärt werden. Die Eltern schauen aber den Direktor oft recht verwundert an, wenn er bei der Aufnahme von Kindern Fragen stellt, deren Beantwortung ihnen mindestens als un- nötig vorkommt.

Wie wichtig ist es jedoch für den Lehrer, Aufschluß über die ganze Entwickelung eines Schülers zu bekommen, wie oft stellt sich später heraus, daß wegen einer früheren Krankheit oder einer fehlerhaften Veranlagung der Unterrichts- und Erziehungserfolg nach dieser oder jener Richtung in Frage gestellt wird, ja datz die einem Schüler zu teil werdende Behandlung verkehrt gewesen ist. Ebenso ist es für die Heranbildung des Kindes von großem Wert, die charakteristischen Eigenheiten, die ja bei jedem Kinde mehr oder weniger ausgebildet sind, zu kennen und von den Eltern offen hierüber belehrt zu werden. Wie viel leichter hat es der Lehrer, wenn er sich auf diese Erfahrungen des Elternhauses von Anfang an stützen und hiernach handeln kann, als wenn er erst nach längerer Arbeit an seinen 30 bis 40 Schülern die Kenntnis der Eigenart jedes Schülers, und zwar zunächst immer nur oberflächlich, ge- winnen muß. Natürlich zeigen sich im Zusammenleben mit vielen anderen Kindern auch neue Eigenschaften, während andre durch die veränderten Lebensverhältnisse mehr zurück- treten oder ganz verschwinden; trotzdem aber bleiben charakteristische Eigenheiten, mit denen der Lehrer, auch ohne in der Lage zu sein, eine individuelle Behandlung im Sinne des Hauses streng durchzuführen, stets zu rechnen haben wird.

Wenn ich mir in einzelnen Fällen vergegenwärtige, wie wir manchen Erscheinungen gegenüber ratlos dagestanden haben, bis wir durch Mitteilungen der Eltern über zurückge- bliebene Entwickelung, angeborene oder vererbte Krankheiten, nervöse Reizbarkeit der Kinder u. a. m. aufgeklärt wurden, so ist es doch wohl angebracht, daß die Eltern schon aus Liebe zu ihren Kindern, die sie doch vor einer falschen Behandlung bewahren möchten, von Anfang an den Schleier lüften, mit dem sie manches vor dem Lehrer zu verbergen suchen.

Derartige Erfahrungen haben einzelnen Kollegen und mir die Frage nahe gelegt, ob es nicht im Interesse der Schüler läge, einen Fragebogen auszuarbeiten, dessen Be- antwortung den Entwickelungsgang des Schülers in körperlicher, geistiger und moralischer Hinsicht in obigem Sinne böte, und dessen Fortführung dem Klassenlehrer zufiele. Diese wichtige Frage soll in Verbindung mit Krzten weiter erörtert werden.

Bei der Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen Schule und Haus muß natürlich der Direktor von den Lehrern der Anstalt und insbesondere von den einzelnen Klassenlehrern aufs eingehendste unterstützt werden. Ich halte es für die Pflicht eines jeden Vaters, sich mit dem Direktor und mindestens dem Klassenlehrer bekannt zu machen, sowie auch bei anderen Gelegenheiten, wie Schulfeiern und Schulausflügen, nicht zu verabsäumen, die ihm bisher noch unbekannten Lehrer seines Sohnes kennenzulernen. Demgegenüber hört man allerdings oft die Behauptung, die Lehrer seien bei solchen Besuchen nicht immer entgegen- kommend oder erklärten keine Zeit zu längeren Auseinandersetzungen zu haben, oder auch, man fürchte, den Herren lästig zu fallen. Hierin liegt aber eine irrtümliche Auffassung. Die Lehrer wissen den Wert der Beziehungen zwischen Haus und Schule wohl zu schätzen, da ihnen doch selbst daran liegen muß, ihre Arbeit an den Kindern, die sie zu unterweisen haben, richtig beurteilt zu sehen und sich mit den Eltern über manche Punkte auszusprechen. Nur kommt es bei solchen Besuchen auf eine geeignete Zeit an. Ein unangemeldeter Be- such gegen 1 Uhr wird natürlich unangenehm empfunden werden, wenn der Lehrer erst um 12 ½ Uhr von der Schule heimkehrt, um den Unterricht um 2 Uhr wieder aufzunehmen.