Aufsatz 
Über Erziehung der Jugend durch Schule und Haus
Entstehung
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Über Erziehung der Jugend durch Schule und Haus.

Die gemeinsam mit dem Lehrerkollegium unternommenen und in theoretischen Er- örterungen und praktischer Erfahrung gepflegten Bestrebungen, eine engere Verbindung zwischen Haus und Schule zum Segen der uns anvertrauten Jugend herbeizuführen, sind nach vielen Richtungen hin von Erfolg gekrönt worden, und so fühle ich mich zahlreichen Eltern, die unsere Arbeit am Wohle der Jugend nicht nur verstanden, sondern thatkräftig unterstützt und unseren Rat und unsere Mitwirkung in vielen Fragen gehört und befolgt haben, zu besonderem Danke verpflichtet. In dieser wichtigen Aufgabe des einheitlichen Zusammenwirkens zwischen Schule und Haus bpleibt aber noch viel zu thun übrig, und so möchte ich nicht nur eine große Zahl, sondern alle Eltern an dieser gemeinsamen segens- reichen Arbeit beteiligt sehen. Aus diesem gerade für das Leben der Großstadt besonders wichtigen Gebiet will ich einige Punkte herausgreifen und hieran Erörterungen im einzelnen anschließen.

Sicher ist es der Wunsch aller Eltern, die ihre Kinder acht bis zwölf Jahre lang der Schule anvertrauen, daß diese ihnen nicht nur Kenntnisse übermittle, die ihnen den Zugang zu verschiedenen Berufsarten eröffnen und im Leben von Nutzen sein sollen, sondern dab sie mitwirke, im Verein mit dem Hause ihre Kinder zu ehrenhaften, charakterfesten Männern heranzubilden, die sich dereinst als brauchbare, tüchtige Mitglieder der Gesellschaft bewähren. Hiernach mufß also mit dem Unterricht die Erziehung verbunden werden, wie sie sich aus dem Unterricht, aus dem Verhältnis des Lehrers zum Schüler und der Schüler unter sich, sowie als Fortsetzung und Ergänzung der Erziehung ergiebt, die das Kind im elterlichen Hause genießt. Daßz die Schule in letzterem Sinne dem Hause gegenüber zurücktritt und den ganzen Verhältnissen nach zurücktreten muß, bedarf keiner weiteren Darlegung. Das Haus wird stets ausschlaggebend und verantwortlich für die erziehliche Durchbildung des Kindes sein; Schule und Haus können und müssen sich aber gegenseitig in ihrer Erziehungs- arbeit unterstützen und fördern.

Wird nun die Schule als Bundesgenosse des Hauses in der Erziehung des Kindes betrachtet, ja, tritt das Haus selbst einen Teil seiner Machtbefugnisse an die Schule ab, so ist das Einverständnis zwischen Haus und Schule Vorbedingung für eine erfolgreiche Arbeit beider. Das Einvernehmen zwischen Schule und Haus setzt gegenseitiges Vertrauen voraus, und dieses bedingt wiederum die Annäherung der Eltern und Lehrer und gegenseitige offene, rückhaltlose Aussprache.

Der Lehrer sollte den Eltern gegenüber dieselbe Vertrauensstellung einnehmen, wie der Hausarzt. Wie dieser einen genauen Einblick in die Entwickelung des Kindes nehmen muß, um helfend einzugreifen und die Gesundheit zu fördern, so muß der Lehrer sowohl über die körperliche Entwickelung, die die geistige bedingt, als auch über letztere selbst sorgfältig