in zwei Klassen auseinandertrat, kam mit Neujahr 1875 abermals eine neue Lehrkraft zur Verwen- dung. Die lehrplanmässige Durchführung des Progymnasialunterrichtes erforderte vom 1. April 1885 an die Gründung einer seminaristischen Lehrerstelle, die jedoch mit einem akademisch gebildeten Lehrer besetzt werden muss. Die‘Zahl der Lehrer erwies sich aber auch jetzt noch für die aus einer Realschule und einem vollständig organisierten Progymnasjum bestehende Anstalt zu klein: Die hierdurch herbeigeführten Missstände wurden dadurch beseitigt, dass vom 1. April 1891 an eine provisorische Lehrerstelle für einen akademisch gebildeten Lehrer errichtet wurde. So zählt die Schule mit Beginn der Finanzperiode 1891/94 eine Direktorstelle, sieben Stellen für definitive akade- mische Lehrer und vier für definitive seminaristische Lehrer, eine provisorische akademische Lehrer- stelle und mehrere Hilfslehrerstellen für den Religionsunterricht. Seit Beginn des Schuljahres 1891/92 sind an der Schule thätig ein Direktor, neun akademisch gebildete Lehrer, drei seminaristische Lehrer und mehrere Hilfslehrer für Religion. Der Etat der Schule für die Budgetperiode 1891/94 beläuft sich auf 42650 Mark.
Durch Allerhöchste Verordnung vom 3. August 1874 wurde die Oberstudiendirektion aufge- hoben, und die Ministerialabteilung für Schulangelegenheiten gegründet. Die Gehalte der Direktoren und Lehrer an den höheren Unterrichtsanstalten, die Beitragspflicht des Staates und der Städte, in denen Realschulen bestanden, wurden gesetzlich geregelt. Eine Reihe von Verfügungen gab auch dem inneren Leben der einzelnen Anstalten eine gewisse Gleichmässigkeit. Schon im Jahre 1867 war von der Oberstudiendirektion die Aufstellung eines Lehrplanes für die Realschulen des Gross- herzogtums in Erwägung gezogen worden,„um dem im Laufe der Zeit mehr und mehr klar ent- wickelten Begriff und Wesen der Realschule gleichmässiger und sicherer entsprechen zu können.“ Dieser Lehrplan erschien im Jahre 1879. Nachdem aber alle diese einheitlichen Regelungen durch- geführt worden waren, blieb der Thätigkeit der Direktoren, Lehrerkollegien, Stadtvertretungen ein weit geringerer Spielraum überlassen als früher."Wir können daher über die Jahre 1874 bis 1891 etwas rascher berichten.
Da für den Eintritt in den Postdienst gewisse Kenntnisse in der lateinischen Sprache von der Postverwaltung gefordert worden waren, so'wurde von Pfingsten 1874 an eine aus den Klassen IV, III, I, I kombinierte lateinische Abteilung gebildet. Diese Einrichtung scheint jedoch nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Wenigstens wird in den Jahresberichten ihrer nicht weiter gedacht. Ebenso erhielten in den beiden Schuljahren 1877/78 und:1878/79 solche Schüler, die später eine Realschule I. Ordnung zu besuchen beabsichtigten, Gelegenheit zur Teilnahme am lateinischen Unter- richt, um die für den Besuch der Prima eines Realgymnasiums, einer in Hessen damals noch neuen Schulgattung, erforderlichen Kenntnisse sich aneignen zu können. Dieser fakultative Lateinunterricht kam von Ostern 1880 an in Wegfall, nachdem der Lehrplan für Progymnasialschüler schon vom obersten Jahreskurse der Vorbereitungsschule an durchgeführt worden war.
Als die hessischen Gymnasien ihren achtjährigen Kursus zu einem neunjährigen erweitert hatten, musste auch das Progymnasium zu einer. Veränderung seiner Organisation schreiten, um mit den Gymnasien gleichen Schritt halten zu können. In den Konferenzen vom 28. Juli und 27. August 1878 wurde diese für das Gedeihen des Progymnasiums höchst wichtige Frage einer gründlichen Er- örterung unterzogen, und eine Einigung in dem Sinne erzielt, dass der lateinische Unterricht in der Oberabteilung der siebenten Klasse, d. h. obersten Vorschulklasse begonnen wurde._ Durch diese Massnahme wurde wie auch noch jetzt das Lateinische von Vlla an bis Kl. I in sieben Jahreskursen behandelt, und eine Organisation geschaffen, die den Gymnasialklassen von Sexta bis Obersekunda einschliesslich entspricht. Sie trat bereits von Herbst 1878 an ins Leben.
Am 22. Dezember 1879 starb Direktor Steinberger. Ein schönes Denkmal mit der Inschrift: „sewidmet von Schülern und Freunden“ ziert sein Grab auf dem hiesigen Friedhofe. Der Achtung


