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studiendirektion vom 11. September 1865 wurde Reallehrer Gerlach als dienstältester Lehrer mit der Versehung der Direktorialgeschäfte beauftragt: Von der früher beabsichtigten Feier des fünf- undzwanzigjährigen Bestehens der Anstalt wurde auf Konferenzbeschluss„in Anbetracht der gegen- wärtigen Verhältnisse“ abgesehen.
Mit Herbst 1865 sind wir in der Geschichte unserer Schule bei dem kritischen Zeitpunkte angelangt, in dem es sich um Sein oder Nichtsein der Alzeyer Realschule handelte. Jetzt tritt, um den Fortbestand der Anstalt ermstlich besorgt, der Stadtrat von Alzey auf den Plan. Nachdem auf seinen Wunsch durch das Kreisamt Alzey Erkundigungen nach den Einrichtungen der Parallel- anstalt Friedberg eingezogen worden sind, wählt er am 16. November 1865 aus seiner Mitte eine Kommission und erteilt ihr den Auftrag, die Realschulfrage einer gründlichen Prüfung zu unter- ziehen. Die Kommission erstattet„über diesen für die Stadt höchst wichtigen Gegenstand“ einen schriftlichen Bericht, der in der Stadtratssitzung‘vom 30. November 1865 zur Verlesung und Be- ratung kommt. Es wird darin einleitend bemerkt:„Der Stadtvorstand hat die heilige Pflicht, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken, die hiesige Realschule in den Stand zu setzen, den an sie zu stellenden Anforderungen entsprechen zu können.“ Die Schule müsse zeit- gemäss gehoben werden. Sie müsse den bei ihrer Gründung ausgesprochenen Zweck wieder ganz erfüllen und sowohl die Möglichkeit einer vollständigen Ausbildung in den Realien bieten als auch eine Vorbereitungsanstalt für die oberen Klassen der Gymnasien sein. Die Aufstellung eines neuen Lehrplanes sei dringend nötig. Da Direktor Dr. Winterstein voraussichtlich in den Ruhestand treten werde, so sei die Neubesetzung der Direktorstelle und zwar durch einen Altphilologen ins Auge zu fassen. Von den fünf Lehrerstellen könne die Hilfslehrerstelle eingehen, wenn der zukünftige Di- rektor 18 und die vier Lehrer je 26 bis 28 Stunden übernehmen, und durch eine andere Unter- richtsverteilung einige Stunden als entbehrlich gestrichen würden. Zur Gewinnung geeigneter Per- sönlichkeiten sei eine Aufbesserung der Gehalte des Direktors und der Lehrer vorzunehmen; die Mittel hierzu gewinne man vorerst durch Verwendung der Summe, die durch. das Eingehen der Hilfslehrerstelle frei werde. Im Falle jedoch der: Besuch sich steigere, und sich ein neuer Auf- schwung der Anstalt erwarten lasse, so sei man zu allen weiteren Opfern, namentlich auch zur Er- yichtung einer weiteren Lehrerstelle gerne bereit.
Man sieht, das Gutachten der Stadtratskommission war gründlich und ging über keinen der brennenden Punkte hinweg, sondern bemühte sich redlich, in die etwas verworrenen Verhältnisse Klarheit zu bringen, wenn auch die für Direktor und Lehrer angesetzte Stundenzahl sowohl nach dem damaligen wie auch nach dem heute gültigen Massstabe als zu hoch gegriffen erscheinen dürfte. Die Kommission nimmt vorerst eine zuwartende Stellung ein; man will bewilligen, aber man will erst dann bewilligen, wenn man Erfolge sieht. Auch erklärte sich der Stadtvorstand in seiner Sitzung vom 30. November 1865 mit allen Vorschlägen der aus seinem Schosse hervorgegangenen Kommission durchaus einverstanden, fügt jedoch der Erklärung seines Einverständnisses noch die Bemerkung hinzu,„er müsse aber auch die Erwartung niederlegen, dass seinen gewiss billigen Wünschen vollständig genügt werde.“
Da der Rücktritt des Direktors Dr. Winterstein inzwischen klar geworden war,— seine Pensionierung erfolgte am 17. April 1866; er starb am 5. Juli 1876 zu Mainz— so war jetzt für die beabsichtigten Schritte die Bahn frei. Die Lokalkommission trug in ihrem Berichte vom 5. April 1866 die bereits angegebenen Wünsche und Anträge des Stadtvorstandes der Oberstudiendirektion vor. Auch begab sich eine Deputation aus dem Stadtvorstande nach Darmstadt, um an massge- bender Stelle im Sinne des Stadtratsbeschlusses vom 30. November 1865 thätig zu sein.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 25. Mai 1866 wurde Dr. Adalbert Becker, vorher Gymna- siallehrer in Büdingen, zum Direktor der Realschule zu Alzey ernannt und trat am 23. Juni 1866


